Naturschutzgebiet Ponnholzbachtal

NSG  Ponnholzbachtal  kennenlernen

Es ist nun schon Tradition beim Bund Naturschutz, dass jedes Jahr ein anderes Naturschutzgebiet im Landkreis vorgestellt wird. Heuer führte im Rahmen von Bayern Tour Natur der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Cham, zusammen mit der Bergwacht Furth i.W. eine Exkursion in das Naturschutzgebiet Ponnholzbachtal durch.

Die Leitung der Exkursion lag bei Dipl.-Ing. Konrad Bierlmeier; er konnte bei strahlendem Sonnenschein ca. 65 Teilnehmer begrüßen.

Wahrscheinlich ist das NSG Ponnholzbachtal das am wenigsten bekannte; 1991 wurde das 28,9 ha große Gebiet von der Regierung der Oberpfalz ausgewiesen. Es zieht sich fast in Form eines Drachenkopfes entlang des Ponnholzbachs. Die  Stadt Furth i.W. ist Eigentümer der meisten Flächen und eine weitere Besonderheit ist, dass die Initiative zur Unterschutzstellung von ihr ausging.  Es ist ein kleines, weitgehend unberührtes Bachtal; kennzeichnend sind die charakteristischen Pflanzen- und Tierarten der Groß- und Kleinseggenrieder, sowie der Niedermoor-, Feucht- und Steuwiesenbereiche.

Ein Streifen am Rand ist bewaldet, von da aus würden durch Anflug im Laufe der Sukzession auch weitere Bereiche mehr und mehr zu Wald werden. Durch gezielte Pflegemaßnahmen (Beweidung) sollen deshalb auch in Zukunft weiterhin diese Flächen offen gehalten werden. 

Magere, feuchte Wiesen

Um welch wertvolle Gebiete es sich aus der Sicht des Naturschutzes im Ponnholzbachtal handelt zeigen u.a. die mageren Wiesen mit Margeriten und vor allem dem Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis). In die Blütenstände legen die beiden Arten der seltenen Wiesenknopf-Ameisenbläulinge (der helle und der dunkle:

(Maculinea teleius und  Maculinea nausithous), ihre Eier ab: sie dienen den ausschlüpfenden Raupen als erste Futterpflanze. Dann geht ihre Entwicklung in einer komplizierten Symbiose mit Ameisen weiter.

Da die Bestände des Großen Wiesenknopfes bedingt durch andernorts starke Düngung immer mehr zurückgehen, sind auch in den letzten Jahren diese Schmetterlinge immer seltener geworden. Man spricht deshalb bei der Beurteilung von Gebieten von „wertvollen Indikatorarten“. Dies soll als ein Beispiel hervorgehoben werden – stellvertretend für die vielen weiteren dort vorkommenden Insektenarten.

Auf diesen Flächen finden sich auch mehrere „Rote Liste Arten“, z.B. aus der Familie der Orchideen, das gerade noch blühende Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), ferner die blau blühende Sibirische Schwertlilie (Iris sibirica) und die Niedrige Schwarzwurzel, Scorzonera humilis (bereits im Fruchtstand).

In den Binsen- und Seggenreichen Nass- und Feuchtwiesen fanden sich auch größere Bestände der Seegras-Segge, von Pfeifengras (horstbildend), Flatterbinse, Mädesüß, verschiedene Labkräuter (darunter das Sumpflabkraut), Ehrenpreis, Engelwurz, Waldsimse,  Uferwolfstrapp, außerdem verschiedene Schachtelhalmarten, (darunter der Sumpfschachtelhalm). Am Beispiel der Flatterbinse und einer Segge erläuterte Bierlmeier ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen Binsen und Seggen: Binsen  haben immer einen runden Stängel, die Seggen hingegen einen dreikantigen.   

Weiher – durch die Arbeit des Bibers

Im weiteren Verlauf kamen die Exkursionsteilnehmer durch einen Auwald bis zu einem Weiher, der hauptsächlich durch die Arbeit des Bibers entstanden ist. Der Biber ist die einzige Tierart, die sich ihren eigenen Lebensraum selber schafft; durch gezieltes Fällen von Bäumen und geschickten Dammbau erreicht er, dass der Eingang seiner Biberburg immer unter Wasser ist – was aus Sicherheitsgründen für ihn von großer Bedeutung ist.

Allerdings ist in der heutigen Zeit der Mensch darauf nicht mehr eingestellt und deshalb gibt es zahllose Konflikte, hauptsächlich mit der Landwirtschaft. Die schweren Maschinen sinken gerade in den Randbereichen der Gewässer immer wieder ein, wenn diese bewirtschaftet werden. Jeder Quadratmeter Grund wird inzwischen stärker genutzt, sodass zwangsläufig Probleme auftreten.

Aber auch manche Bäume vertragen keinen dauerhaften Anstau: z.B. bevorzugen Erlen gerne den Rand von Gewässern - aber dauerhaft im Wasser, zu stehen, vertragen sie nicht und sterben allmählich ab (ähnlich auch am Lettenweiher)!

Im Sommer frisst der Biber hauptsächlich frische Grünpflanzen, wie Schilf, Rohrkolben, Wiesengräser, aber auch Mais; an das Holz als Futterquelle geht er hauptsächlich im Winter.

Ausblick

 Das Anliegen des Referenten war es, im Laufe der Exkursion den Teilnehmern den Zustand der „Wildnis“ vor Augen zu führen, und deutlich zu machen, wie wertvoll solch natürliche Gebiete sind; dies zeigt sich gerade auch durch die hohe Zahl der  verschiedensten und auch seltenen Pflanzen- und Tierarten: die hohe Wertigkeit und  Schutzwürdigkeit solcher Gebiete sollte man erkennen und respektieren lernen. Teilweise ist es eben auch nötig, durch Pflegemaßnahmen diesen Bestand zu erhalten.

Bedingt durch die enge Vernetzung unterschiedlicher Vegetationseinheiten hat sich so  das Ponnholzbachtal zu einem wertvollen Rückzugsareal für bestandsbedrohte, feuchtigkeitsbewohnende Tier- und Pflanzenarten entwickelt.

Die früher drohende Zerstörung durch die geplante Intensivierung der Landnutzung hätte dort die Vernichtung eines unwiederbringlichen Naturpotenzials zur Folge gehabt.