Vergessenes Tälchen

Oberpfälzer Naturschützer zu Besuch in Tschechien

Wenn die Tage immer kürzer werden und die besinnliche Zeit vor der Tür steht, zieht sich die Natur noch einmal besonders hübsch an und lädt uns ein, in ihren Armen den Herbst zu genießen. In unserer ausgeräumten und verbauten Landschaft sind solche bunte Fleckchen, die innere Ruhe verstrahlen, immer seltener geworden. Auf der Suche nach solch besonderen Orten haben sich 15 Interessierte aus den BN-Kreisgruppen Cham und Schwandorf letzten Samstag zu einem Besuch über die Grenze aufgemacht. Der Einladung des Ing. Petr Smutny vom Naturpark Cesky les (Böhmerwald) und Mitglied des Rates der Pilsener Region folgend, erwartete sie an der Grenze nahe Furt im Wald eine kleine Überraschung.  Das „Vergessene Tälchen“ - das Tal der Bystrice (Kalte Pastritz) wurde vom Bauwahn der letzten Jahre gänzlich verschont. Die besondere Lage des Tälchens, das von 3 Seiten durch hohe Hänge geschützt wird und nur nach Westen offen ist, und die damit verbundenen höheren Temperaturen begünstigten die Entstehung von besonderen Bedingungen für die dortigen Wälder. Der ausführliche Exkurs in die Naturbesonderheiten des heute unter Schutz gestellten Tälchens und die Geschichte der Gegend, die mit dem verlassenen Dorf Bystrice (Fichtenbach) bis ins Jahr 1707 zurückzuverfolgen ist, wurde vom Ing. Jan Benda, dem Leiter der Städtischen Forsten von Taus, geleitet. Mehrere Glashütten, Schleif-und Polierwerke prosperierten im Tal und machten sich das Wasser der Bystrice zu Nutze. Als Erinnerung an diese Zeit sind mehrere Werkskanäle übrig. Die Industrielle Revolution besiegelte den Niedergang der Glasproduktion in Fichtenbach. Als eine weitere Besonderheit konnten die Teilnehmer die Eichenallee des ehemaligen Glasdorfes bewundern. Aufgrund der günstigen klimatischen Bedingungen sind die 160 Jahre alten Eichen in einem sehr guten Zustand und manche haben einen Umfang von 4 Metern. Die Wiederherstellung der Allee dauerte 10 Jahre. Sie wurde letztes Jahr feierlich eröffnet und als Naturdenkmal ausgewiesen. Ein weiteres Naturdenkmal befindet sich ein paar Kilometer talaufwärts – es handelt sich um die drittgrößte Fichte in Tschechien, die über 200 Jahre alt ist. Unweit davon steht die Ruine des Schlösschens – einer ehemaligen Villa, von der heute nur ein malerischer Fensterbogen übriggeblieben ist. Große Überraschung bereiteten die tschechischen Freunde, als sie die Teilnehmer zu einem gemütlichen Lagefeuer einluden, das der örtliche Förster vorbereitet hatte. Laut tschechischem Brauch ist es üblich, die Ausflüge im Herbst mit gerösteten Kartoffeln oder dem Würstchenbraten an einem Lagerfeuer ausklingen zu lassen. Aus zeitlichen Gründen wurde die zweite Variante gewählt. Die tschechische Spezialität, mittlerweile von der EU als Regionale Rarität anerkannt, die sogenannten „Schpekatschki“, lagen schon bereit, genau wie die langen Holzspiese. Mit Senf, Brot und tschechischem Bier, war so der gemütliche Ausklang eines aussergewöhnlichen Tages gesichert.