Stellungnahme zum Zeitungsbericht "Öko-Erlebnistag im Bio-Energiedorf", Bayerwald Echo v. 16.09.08

Mit der Organisation der mittlerweile dritten Öko-Erlebnistage haben sich die Kreiswerke Cham wieder redlich Mühe gegeben das Thema ökologischer Landbau im Landkreis den Menschen näher zu bringen. Völlig enttäuschend waren jedoch die Aussagen der beiden politischen Redner, Bürgermeister Franz Löffler und Ehrenkreisbürger Fritz Winklmann in Vertretung des Landrates. Mit keinem Wort wurden die Leistungen des ökologischen Landbaus, die dieser für die Gesellschaft erbringt erwähnt. Vielmehr wurde mit schwammigen Begriffen wie „hier ist ökologische Landnutzung erlebbar“ oder „Nachhaltig-keitszone ersten Ranges“ der Eindruck vermittelt, dass bei uns in Sachen ökologischer Landbau alles zum Besten steht. Ohne die Leistungen im Bereich der erneuerbaren Energien schmälern zu wollen – der Bund Naturschutz, KG Cham, hat im Rahmen einer Besichtigung des Bio-Energiedorfes Schäferei dies auch schon entsprechend gewürdigt – so muss doch festgestellt werden, dass der Betrieb einer Biogasanlage nicht zwangsläufig etwas mit kontrolliert ökologischem Landbau zu tun hat, auch wenn das Wort „Bio“ im Namen enthalten ist.

Kein Wort war von den Rednern zu hören zu der Tatsache, dass mit ökologischem Landbau aktiver Klimaschutz betrieben wird. Um ein kg Getreide zu erzeugen braucht ein Bio-Bauer ein Drittel weniger Energie als sein konventioneller Kollege; in der Fleisch- und Milchproduktion kommt er mit der Hälfte aus. Das liegt vor allem am hohen Energiebedarf bei der Herstellung von Kunstdünger und Pestiziden, sowie am Verzicht auf Exportfuttermitteln. Hinzu kommt noch, dass die Umstellung auf ökologische Landwirtschaft den Humusabbau konventioneller Böden in einen Humusaufbau (der CO² bindet) umkehrt. Unter dem Strich entziehen Biobetriebe der Atmosphäre so pro Jahr und Hektar 575 bis 700 Kilogramm CO².

Kein Wort dazu, dass die humusreichen Böden des ökologischen Landbaus hohe Infiltrationsraten aufweisen und dadurch das Risiko von lokalen Überschwemmungen minimieren. Dessen flächenmäßige Ausdehnung ist daher nach Prof. Schnug, von der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft, mit den Mitteln und Instrumenten der Agrarpolitik zu fördern.

Und schließlich kein Wort dazu, dass der ökologische Landbau durch den Verzicht auf Pestizide unser Trinkwasser, unsere Nahrungsmittel und schließlich auch uns selbst vor diesen z.T. krebserregenden, erbgutschädigenden und hormonell wirksamen Giften schützt.

Die damit zusammenhängenden „externen Kosten“ der konventionellen Landwirtschaft belaufen sich nach einer Studie der englischen Universität Essex  auf jährlich 300 Euro pro Hektar. Die Beseitigung dieser Schäden findet sich nicht in den Lebensmittelpreisen wieder (diese müssten dann mindestens doppelt so hoch liegen) sondern wird auf die Allgemeinheit abgewälzt. Unser Landkreis könnte daher theoretisch bei einer vollständigen Umstellung auf ökologischen Landbau ca. 20 Mio. Euro jährlich einsparen, bayernweit wäre dies ca. 1 Mrd. Euro.

Natürlich ist es – insbesondere in Zeiten des Wahlkampfes – nicht gerade eine Werbung für die eigene Partei zu verkünden, dass der Landkreis Cham von einer Spitzenstellung beim Anteil von Öko-Betrieben (im Jahr 2002) in der Landwirtschaft, nach einer Meldung des Statistischen Bundesamtes 2008, auf den vorletzten Platz in der Oberpfalz zurückgefallen ist. Aber ich hätte mir zumindest auf einer Veranstaltung zum Thema des ökologischen Landbaus Aussagen darüber erwartet, ob und vor allem was man von politischer Seite aus dagegen unternehmen möchte.  Angesichts der im Eingangsbereich zu den Öko-Erlebnistagen angebrachten CSU-Wahlplakaten stellte sich mir unweigerlich die Frage, was haben die drei abgebildeten Mandatsträger zu dieser Entwicklung mit beigetragen, haben sie versucht dem entgegenzusteuern?

Nach seiner Bestellung zum CSU-Fraktionsvize mit dem Schwerpunkt Zukunft des ländlichen Raums (Landwirtschaft, Umwelt, Ernährung und Verbraucherschutz) hatte MdL Markus Sackmann im Nov. 03 in der Presse erklärt: „ das sind genau die Bereiche, in denen ich auch für den Landkreis Cham bei wichtigen Weichenstellungen mitwirken kann“. Beim ökologischen Landbau wurden die Weichen offensichtlich falsch gestellt.

Vorschläge Produkte des ökologischen Landbaus in kreiseigenen Einrichtungen (Schulen, Krankenhäuser, Kantine usw.) schrittweise einzuführen wurden lediglich von den beiden grünen Kreisräten gemacht, jedoch unter Landrat Theo Zellner von der CSU-Mehrheit der Kreisräte abgelehnt. Auch  im CSU-Wahlprogramm zur Kreistagswahl im März 2002 war unter der langen Liste an geforderten Maßnahmen für die Land- und Forstwirtschaft nicht mit einem einzigen Wort der ökologische Landbau erwähnt.

Mittlerweile erreicht der Absatz von Bio-Lebensmitteln zweistellige Wachstumsraten, die zum großen Teil aus dem Ausland gedeckt werden müssen. Nicht nur die Politiker, auch der Bauernverband haben hier eine Entwicklung verschlafen. Im Streit über die Förderung des ökologischen Landbaus in Deutschland („Agrarwende“) hielt Bauernpräsident Sonnleitner  der grünen Landwirtschaftsministerin Künast 2002 eine Überschätzung des Marktes für Öko-Produkte vor. Sogar als sich der Bio-Markt schon verdoppelt hatte und klar war, dass die deutschen Bio-Produkte bei weitem nicht ausreichen würden, hat Bayern 2007 die Förderung des ökologischen Landbaus um 25 % gekürzt.

Angesichts solcher politischer Unvernunft und Kurzsichtigkeit braucht es nicht zu verwundern, dass immer weniger Landwirte den schwierigen Schritt der Umstellung zum ökologischen Landbau wagen. Das Geschäft machen mittlerweile unsere Nachbarn, wie z.B. Österreich, wo der Anteil von Bio-Bauern zweistellige Prozentzahlen aufweist. Dort erhalten diese z.B. in der schwierigen Umstellungszeit fast 400 Euro pro Hektar.

Totschweigen der Leistungen, die der ökologische Landbau für die Gesellschaft erbringt sowie ein Schönreden der tatsächlichen Situation in der sich dieser in unserem Landkreis befindet, sind kein probates Mittel, dass sich hier etwas ändert. Es wird höchste Zeit, dass die staatstragende Partei in Bayern und vor allem auch im Landkreis Cham aktiver wird. Die Veranstaltung von Öko-Erlebnistagen reicht hier auf jeden Fall nicht aus.