Bund Naturschutz fordert die Renaturierung des Chamb Natürliche Flussauen schützen vor Hochwasser

Das Chambtal als natürlichen Rückhalteraum aktivieren

Die Chamb aus ihrem Korsett befreien - BN fordert Renaturierung

Renaturierte Chambauen könnten die Hochwassergefahr in Cham entschärfen  

Vor dem Hintergrund der aktuellen Hochwassersituation, fordert der Bund Naturschutz im Landkreis Cham das Wasserwirtschaftsamt Regensburg auf die Maßnahmen zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie nun zügig anzupacken. Schwerpunkt der BN Forderung ist die umfassende Flussrenaturierung des begradigten und kanalisierten Chamb zwischen Neumühlen und Cham. Es kann doch nicht sein, das in Cham zentrale Verkehrsachsen, Wohn- und Gewerberäume durch das Hochwasser überflutet werden und gleichzeitig die Wiesen in den Chambauen trocken bleiben, so Roger Mayer, stellvertretender Kreisvorsitzender im Bund Naturschutz. Während in vielen bayerischen Regionen Wasserbau-Projekte zur Renaturierung von Flüssen und Auen vorangetrieben werden, hat man sich im Landkreis Cham auf den „Drachensee“ bei Furth im Wald konzentriert. Schon vor Jahren haben Fachleute des Wasserwirtschaftsamtes Regensburg errechnet, dass der staugestützte Rückhalteraum bei Furth im Wald, bezogen auf die Hochwasserproblematik der Kreisstadt, nur eine bescheiden Senkung der maximalen Hochwasserhöhe (ca.10 cm) bringt. Die geplanten Maßnahmen zur Hochwasserfreilegung der Stadt Cham kosten viele Millionen und sind, wenn überhaupt, erst in Jahrzehnten zu verwirklichen. Aus Sicht eines nachhaltigen Umgangs mit unserer Natur ist es viel sinnvoller und letztlich aus kostengünstiger, zuerst die Fehler der Vergangenheit zu korrigieren und den Gewässern wieder mehr Raum zu geben, so Mayer. Der unzersiedelte Naturraum „Chambauen“ zwischen Neumühlen und Cham könnte enorme Mengen Wasser speichern und somit die Hochwassersituation in Cham und letztlich auch in Regensburg spürbar entspannen. Dieser Flussabschnitt wurde vor ca. 100 Jahren begradigt und in ein enges Steinkorsett gezwängt. Anstatt zu mäandern und bei Hochwasser über die Ufer zu treten, wird das Wasser im Flussbett konzentriert und durch die Begradigung mit enormer Fließgeschwindigkeit abgeleitet. Im Rahmen einer Diplomarbeit wurde eine umfassende Machbarkeitsstudie zur „Flussrenaturierung des Chamb“ erarbeitet. Dabei geht es nicht um die Wiederherstellung eines historischen Zustandes, sondern vielmehr um einen zeitgemäßen Wasserbau, der die Interessen der Landwirtschaft und Grundstückseigner in die Planungen integriert. Damit der Chamb seine natürliche Auenfunktion als Wasserspeicher und Rückhalteraum wieder erfüllen kann und die Menschen in unserem Landkreis besser vor Hochwasserereignissen geschützt werden, brauchen wir schnelles und entschlossenes Handeln der verantwortlichen in Politik und Wasserwirtschaftsämtern, so Roger Mayer.

 

Die Bilder: Aufgenommen am 14.01.2011 (zeitgleich aufgenommen zwischen 15 – 16 Uhr)

Zum bessern Verständnis der Thematik bitte möglichst viele Bilder abdrucken.

Hochwasser 1

Die Begradigung des Chamb verhindert zwischen Raindorf und Weiding das ausufern des Hochwassers –  Die Wiesen werden hier vor Hochwasser geschützt während in Cham das öffentliche Leben unter den hohen Pegelständen leidet.

Hochwasser 2

Mit hoher Geschwindigkeit fließt das durch Bodenerosion belastete Wasser des Chamb Richtung Kreisstadt.

Hochwasser 3

Die Feld-/Radwege parallel des Chamb bei Weiding können trotz des Hochwassers fast uneingeschränkt passiert werden, während in Cham zentrale Verkehrsachsen gesperrt wurden.

 Hochwasser 4

In naturnahen Abschnitten wie zwischen Neumühlen und Arnschwang kann der Chamb noch ausufern und in seinen Auen enorme Mengen Wasser speichern, zudem wird die Abflussgeschwindigkeit deutlich verlangsamt.