Leserbrief zum Beitrag: „Bauern lehnen EU-Vorschläge ab“

Wenn der Bayerische Bauernverband (BBV) als Argument für eine Beibehaltung der Direktzahlungen der EU an die Landwirte im bisherigen Umfang die hohen europäischen Standards bei Verbraucherschutz, Tierhaltung und Umweltschutz anführt, so ist dies nicht nachvollziehbar.
Solange Kunstdünger verwendet werden, deren energieintensive Produktion allein einen Anteil von 6 % der weltweiten CO²-Emissionen ausmachen, kann nicht von einem hohen Standard im Umweltschutz gesprochen werden.
Solange giftige Spritzmittel  (Pestizide) und Futtermittel mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) verwendet werden dürfen  und diese dann bei Schwangeren und Kindern im Blut bzw. Urin nachgewiesen werden können, kann nicht von einem hohen Standard im Verbraucherschutz gesprochen werden.
Solange einem Mastschwein von ca. 100 kg nur 0,65 m² Stallfläche zugebilligt werden, kann nicht von einem hohen Standard bei der Tierhaltung gesprochen werden.
Die Beispiele ließen sich noch beliebig fortsetzen.
Tatsächlich hohe Standards erfüllt nur der ökologische Landbau, der jedoch in Deutschland nur einen Anteil von derzeit 6 % aufweist. Der Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE) empfiehlt daher der Bundesregierung den Öko-Landbau auf 20 Prozent auszuweiten und ihn als Leitbild für eine nachhaltige Landwirtschaft zu etablieren. Wenn wir einen hohen Standard bei Verbraucherschutz, Tierhaltung und Umweltschutz erreichen wollen, müssen sich die Direktzahlungen an der Höhe des Standards orientieren und gestaffelt ausbezahlt werden. Schon 1992 sagte der damalige EU-Agrarkommissar treffend: „Es kann doch nicht angehen, dass wir Milliarden ausgeben und als Resultat bäuerliche Arbeitsplätze vernichten und die Umwelt zerstören.“ Dabei ist es bis heute geblieben. Die Landwirtschaft erleidet einen Strukturwandel in Richtung Industrialisierung („Wachsen oder weichen“), der uns in vielerlei Hinsicht teuer zu stehen kommt. Anstatt diesen Trend wie bisher zu stützen, muss die EU hier rasch gegensteuern. Direktzahlungen an Agrarbetriebe künftig an verpflichtende Umweltmaßnahmen zu binden ist ein Schritt in die richtige Richtung.