Streit um das Arracher Moor


Lieber Leser,
die Kötztinger Umschau (MZ) ist leider nicht bereit, unsere Stellungnahme zu den falschen Aussagen von Bürgermeister Schmid in der abgegebenen Form abzudrucken.
Wir wollen die Aussagen von Bgm. Schmid nicht unwidersprochen hinnehmen und bieten den Artikel mit unserer Stellungnahme hier zur Nachlese:

Auch die Gemeinde ist zum Naturschutz verpflichtet

Die Stellungnahme von Bürgermeister Schmid in Ihrem Artikel vom 26. September zum  Arracher Moor enthält soviele sachliche Unrichtigkeiten, dass eine Erwiderung dringend geboten erscheint:

Das Problem der Austrocknung des Arracher Moores ist nicht auf den letzten trockenen Sommer oder schneearme Winter zurückzuführen; vielmehr hat sich der Wasserhaushalt des Moores in den letzten Jahren in weiten Bereichen zunehmend verschlechtert. Bereits im FFH-Management-Plan von 2006 (!) wird darauf hingewiesen: „Hauptgefährdungsfaktor … ist die laufende und sehr effektive Entwässerung über insgesamt drei Hauptabfluss-Systeme". Diese starke Entwässerung und Austrocknung verstößt eindeutig gegen das Verschlechterungsverbot in einem FFH-Gebiet, bzw. NATURA 2000!
Deshalb kam es bereits am 15. Januar 2014 zu einer Fachstellenbesprechung im Arracher Moor, bei der der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Regensburg/Cham, Vertreter des Landratsamtes (Untere Naturschutzbehörde, Wasserrecht), des Straßenbauamtes und auch Bürgermeister Schmid anwesend waren. Dabei kam man überein, dass schon eine geringe Anhebung des Wasserspiegels eine Verbesserung bringen würde. Deshalb beantragte der Naturpark Oberer Bayerischer Wald (nicht der Bund Naturschutz!) schon zweimal die Verbesserung der Wassersituation im Moor; bekanntlich stimmte der Gemeinderat im Juli 2015 mehrheitlich gegen diese  wichtige Renaturierungsmaßnahme.
Von einem „Boykottieren“ der Pflegemaßnahmen kann überhaupt nicht die Rede sein; der Bund Naturschutz hat sich lediglich einmal zu Recht gegen den damals unnötigen Einsatz eines Mulchgerätes gewehrt, das früher bereits an den Bulten große Schäden angerichtet hat.   
Wir haben stattdessen im Januar 2014 mit Hand erfolgreich große Flächen vom Faulbaum- und Erlenaufwuchs freigeschnitten – und vor allem wurde das Schnittgut aus dem Moor abtransportiert
Das ist wichtig, damit es nicht zu einer weiteren, unerwünschten Nährstoffzufuhr im Moor kommt.Im Übrigen geht man bei Renaturierungen immer so vor, dass zuerst durch Staumaßnahmen erfolgreich vernässt wird, und nachher erst der Faulbaumaufwuchs bekämpft werden kann (nie umgekehrt, da erfolglos!) 
Außerdem muss dazu sobald wie möglich von Süden her der enorme Nährstoffeintrag gestoppt werden!

Zum nächsten Vorwurf von Bürgermeister Schmid, dass der Bund Naturschutz auf seinem Grundstück keine Querverbauung angelegt hat, kann man nur sagen: Naturpark und Gemeinde hätten bis zur Übernahme durch den BN 2013 genügend Zeit gehabt dies zu tun; außerdem können wir nicht ohne behördliche Genehmigung eine solche Verbauung errichten.
Beschwerden vom Anlieger (seine benachbarten „Gewerbegrundstücke“ liegen teilweise ja auf Moorgrund!) wären vorprogrammiert!
Und um die Standsicherheit des alten Trafohauses  braucht sich der Bürgermeister wirklich keine Sorgen machen: es steht dort bereits seit vielen Jahrzehnten, und zwar bei einem weitaus höheren Wasserstand als er dieses Mal geplant war! Von 25 cm mehr geht sicher keine Gefahr aus!
Tatsache ist, dass viele moortypische Pflanzen (nicht einmal das robuste Torfmoos!) große Schwierigkeiten durch den geringen Wasserstand haben bzw. bekommen und die Aussage, dass der Sonnentau „schlicht und einfach erfroren sei“ ist schon wirklich dreist: unser heimischer Sonnentau (noch dazu, wenn der im Torfmoos eingebettet wächst) verträgt leicht Temperaturen bis – 25 Grad C;  außerdem bilden die Pflanzen zur Überwinterung eine Überwinterungsknospe  (sogenanntes Hibernakel), aus dem sie im Frühjahr wieder austreiben. Also von „schlichtweg Erfrieren“ keine Spur!


Wenn der Bund Naturschutz in Bayern e.V. so vehement für erfolgreiche  Renaturierungsmaßnahmen im Arracher Moor eintritt, dann hat das nicht mit einem „Lieblingsprojekt der Winterstetters“ zu tun, sondern es gibt heutzutage für solche, höchst schützenswerte und seltene Lebensräume klare gesetzliche Vorgaben:
Das ist einmal das Bundesnaturschutzgesetz BNatschG (2009); es umfasst in § 1 (Ziele des Naturschutzes) die gesetzlichen Grundlagen der Renaturierung (der Schutz umfasst dabei die Pflege, Entwicklung und soweit erforderlich, die Wiederherstellung von anthropogen geschädigter Natur und Landschaft); außerdem die FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG des Rates vom 21. Mai 1992), die in Artikel 3 aussagt: „die Wiederherstellung eines günstigen Erhaltungszustandes dieser natürlichen Lebensraumtypen und Habitate der Arten in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet [ ist zu] gewährleisten“.
Außerdem heißt es in Art. 141 der Bayerischen Verfassung: „Es gehört zu den vorrangigen Aufgaben von Staat, Gemeinden, (…) kennzeichnende Orts- und Landschaftsbilder zu schonen und zu erhalten“.
Da hat die Gemeinde Arrach, ein so seltenes, jahrtausende altes Naturerbe in ihrem Gemeindegebiet, das so dringend Schutz verdienen würde – und der Bürgermeister pocht darauf, dass man „einen Mehrheitsbeschluss eines demokratisch gewählten Gremiums zu akzeptieren“ hat!
In einem Punkt stimmen wir aber Bürgermeister Schmid zu: „Naturschutz funktioniert nur mit den Menschen...“!  Dann müssen aber diese Menschen auch mitmachen beim Schutz des Lebensraums  Arracher Moor und eine dringend nötige Erhöhung des Wasserspiegels im Moor ermöglichen – auch wenn es nur 25 cm sind!  Das ist so wenig, aber es wäre ein erster (gemeinsamer) Schritt von Gemeinde und Bund Naturschutz in die richtige Richtung!

Bund Naturschutz, Kreisgruppe Cham
Edeltraud Winterstetter
93444  Bad Kötzting