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29.07.2022 Kampfsportler auf Abenteuerreise

Kampfsportler auf Abenteuerreise

Nach einer längeren Corona-Zwangspause trafen sich Kinder der Kampfsportschule Bushido am letzten Schultag zu einem weiteren „Bildungsabenteuer“ in der Klostermühle Altenmarkt. Hier stand, anders wie im gewohnten wöchentlichen Training, nicht der Kampfsport sondern die Umweltbildung im Vordergrund. Neben der im Shukokai Karate traditionell begründeten Wertevermittlung werden in der Kampfsportschule Bushido den Kindern auch außerhalb des Trainings Bildungsangebote als Alternativen zu Fernseher, PC oder Smartphone gemacht. Dieser Einsatz wurde auch mit dem Umweltpreis des Landkreises Cham gewürdigt. Seit 2012 werden die „Bildungsabenteuer“ zusammen mit dem BUND Naturschutz (BN), Kreisgruppe Cham, durchgeführt.

Das Motto der Veranstaltung war dieses Mal „Vom Mühlenbach in die weite Welt“; unter der Leitung von Ute Schödel-Geiger, der Umweltpädagogin des BN. Die Geschichte von Paul dem Wassertropfen führte wie ein roter Faden durch den Nachmittag, bei dem die Kinder viel über den Wasserkreislauf, sowie über das Leben am und im Wasser auf spielerische Weise lernten. Aber auch mit kleinen Experimenten wurden Fragen geklärt, wie es z.B. der Wasserläufer schafft, nicht unter zu gehen. Erwartungsgemäß besonders viel Spaß bereitete es den Kindern, mit Keschern und Becherlupe ausgestattet, in der Flachzone des Mühlbaches nach Kleinlebewesen zu suchen; anhand derer auch auf die Wasserqualität geschlossen werden kann. Der Höhepunkt war hierbei der Fang eines Wasserskorpions, dem offenbar eine Libelle zum Opfer gefallen war. Auch beim anschließenden Rennen mit selbst gebastelten Rindenbooten erwiesen sich die Kampfsportler als trittsicher, so dass niemand unfreiwillig „kenterte“; einige nasse Hosenbeine ließen sich jedoch in der Hitze des Gefechts nicht vermeiden.

An dem Tag konnten die Vereinskinder wieder einmal erfahren, dass es durchaus spannende und abwechslungsreiche Erlebnisse abseits der Medien gibt.


21.07.2022 Auf dem Großeiberhof in Hocha

Der Großeiberhof, der seit vielen Generationen in Familienbesitz ist, wird von der Familie Eiber als Biohof mit Landhotel geführt.

Der Betriebsleiter und Hotelier Mathias Eiber begrüßte eine Gruppe von ca. 20 Teilnehmern. Der Großeiberhof erwirtschaftet sein Einkommen größtenteils aus der Landgastronomie. Die Exkursionsteilnehmer interessierten sich jedoch mehr für den landwirtschaftlichen Biobetrieb.

Herr Eiber zeigte erst seine Felder bei einem informativen Flurgang. Der Unterschied zur konventionellen Landwirtschaft ist der Verzicht auf Mineraldünger und chemischen Pflanzenschutz und die Verwendung von Biosaatgut auf den Feldern. Um betriebseigenen Dünger zu produzieren, braucht man Rauhfutterfresser, die einen Teil der Ernte in Mist umwandeln, der zusammen mit kompostierten Ernteabfällen den Nährstoffkreislauf schließt. Das Unkrautproblem kann man im Biobetrieb nur mechanisch über die Bodenbearbeitung lösen. Wichtigste Maschinen sind ein Unkrautstriegel mit gefederten Zinken und ein Hackgerät für den Mais. Die Grundbodenbearbeitung erfolgt meist flach mit einem Grubber. Die Fruchtfolge beginnt mit Biobackweizen, der verkauft wird, dann folgt zweijähriges Kleegras, das als Untersaat mit dem Weizen gesät wird. Als letzte Frucht folgt Silomais.

Der Mist stammt von einer Färsenherde. Färsen sind weibliche Jungrinder, die noch nicht abgekalbt haben. Diese Färsen kommen als Kalb aus einem anderen Biomilchviehbetrieb und Eiber gibt sie vor dem Abkalben wieder zurück. Die Färsen gehen den Sommer über auf die Weide fressen das zweijährige Kleegras. Im Winter fressen sie die Maisilage und sie haben natürlich auch einen Auslauf im Freien. Auf dem Großeiberhof leben auch noch ca. 100 Legehennen in einem mobilen Hühnerstall, sie versorgen die Küche und die Gäste mit Frühstückseiern.

Die Abschluss Besprechung fand im gemütlichen Gästeraum bei Kaffee und Kuchen statt.


06.07.2022 Radvolksbegehren


30.06.2022 Leserbrief von Robert Kurzmann zur Öko-Landwirtschaft


20.06.2022 Wildkräuter-Kochkurs

Wildkräuter werden oft als lästiges „Unkraut“ angesehen und ausgerissen. Bei näherer Betrachtung entpuppen sich diese häufig als wohlschmeckendes und vor allem gesundes „Powerfood“ der kurzen Wege. Auch im Sinne dieses Umweltgedankens hat der BUND Natur-schutz (BN), Kreisgruppe Cham, erstmals in seinem Programm einen Wildkräuter-Kochkurs angeboten. Mit Christine Klein, Hauswirtschaftsmeisterin und Kräuterfachfrau, konnte eine Referentin gewonnen werden, die ihre Begeisterung für das Thema ausstrahlte und es verstand die Teilnehmer*innen in ihren Bann zu ziehen. Dies hatte sich offenbar herumgesprochen, so dass der Kurs in kürzester Zeit ausgebucht war, und trotz zwei neu angesetzter Folgetermine konnten nicht alle Anmeldungen berücksichtigt werden.

BN-Kreisvorsitzender Robert Kurzmann begrüßte am vergangenen Montag die Teilnehmer*innen des ersten Kurses vor der Schulküche der Klostermühle Altenmarkt. Zur Einstimmung hatte die Referentin Kräutererfrischungsgetränke mit Cola- oder Zitronengeschmack vorbereitet; ansprechend dekoriert mit einer frischen Erdbeere und Blütenblättern, dazu wurden frisch aus dem Ofen Blätterteigröllchen mit Giersch-Füllung gereicht. Derart gestärkt machten sich die Kursteilnehmer*innen mit einem Körbchen ausgestattet auf den Weg über den mit Kräutern und Blühstauden üppig ausgestatteten Innenhof der Klostermühle zum angrenzenden Bauerngarten, um Wildkräuter und Beeren zu sammeln. Dabei wurden sie von der Kräuterpädagogin nicht nur über Kennzeichen, Verwendungsmöglichkeiten oder Heilwirkungen aufgeklärt, sondern auch aufgefordert jedes Kraut zu probieren, um die verschiedenen Geschmacksvarianten zu erfahren. Dass der Holunder unter den Heilpflanzen eine besondere Rolle einnimmt verdeutlichte Christine Klein mit einem Gedicht über den „Hollerstrauch“ und seinen vielen Vorzügen.

Nachdem die Körbe mit Giersch, Schafgarbe, Löwenzahl und Co gefüllt und noch einige Beeren und Blüten für die Deko gesammelt waren, ging es dann ans Kochen. In Zweiergruppen aufgeteilt entstanden kreative Wildkräutergerichte wie z.B. Beinwell-Rouladen mit Minz-Beinwell-Soße und als Dessert After-Eight Pfefferminz-/Gundermann-Blätter in Schokolade. Beim anschließenden gemeinsamen Speisen in der Remise des Innenhofes, umgeben von Düften und Farben in fast südländischem Flair, konnte alles ausgiebig getestet und genossen werden.  Mit ausführlichen Rezepten (einschließlich vorgetragener Gedichte) ausgestattet endete ein für viele Teilnehmer*innen unvergesslicher Kochkurs in und um die historischen Gemäuer der Klostermühle Altenmarkt.


09.06.2022 Die Geschäftsstelle des BUND Naturschutz Cham - Die Natur im Blick


30.05.2022 Ein Garten für Schmetterlinge - 3/22: Admiral und Brennnessel

Ein Schmetterling namens Vanessa – der Admiral

Wer kann schon von sich behaupten, so zu heißen wie ein wunderschöner Schmetterling? Auf alle Vanessas jedenfalls trifft das zu. Denn eine große heimische Falterart ist Vanessa atalanta, der Admiral. Zu seinem deutschen Namen verhalf ihm vermutlich die weiße Kennzeichnung auf den Flügelspitzen, die den Schulterabzeichen des höchsten Dienstgrads der Marine sehr ähnlich sieht. Seiner Schönheit eher gerecht wird die wohlklingende wissenschaftliche Bezeichnung Vanessa atalanta. Hier war Atalanta, eine Jägerin aus der griechischen Mythologie, namensgebend.

Der Admiral gehört zu den Wanderfaltern und fliegt, ähnlich wie die Zugvögel, nach Südeuropa, wenn es bei uns kälter wird. Dabei überwindet er die Alpen und ist als guter Flieger während der Wanderung in großen Höhen unterwegs, wo er von schnellen Winden getragen wird und so Energie sparen kann. In den letzten Jahren wurden jedoch auch erfolgreiche Überwinterungen bei uns beobachtet. Im Gegensatz zu früher scheint sich der Admiral an unsere winterlichen Temperaturen angepasst zu haben, oder er profitiert von der Klimaerwärmung. Heute geht man davon aus, dass er in all seinen Entwicklungsstadien, als Ei, Raupe, Puppe und erwachsener Schmetterling den Winter bei uns überleben kann. Im Frühjahr vermischen sich dann die aus dem Süden zurückwandernden Falter mit der neu schlüpfenden Generation.

An warmen Tagen in der kalten Jahreszeit können vereinzelt überwinternde Falter angetroffen werden. In der Regel sterben die Tiere erst bei stärkerem Frost. Mittlerweile sieht man die Falter bereits vom Frühjahr an bis in den Herbst hinein, wenn sie sich als Stammgast am blühenden Efeu niederlassen. Karola Jackisch vom BUND Naturschutz zählt den Admiral jedes Jahr zuverlässig bei ihren Kontrollgängen für das Schmetterlingsmonitoring. Sie beobachtet den Falter bis spät in den Herbst hinein an Herbstastern, Efeublüten und am Fallobst. Den Bestand beschreibt sie seit 2007 als konstant ohne signifikanten Trend.

Steckbrief:

  • Familie der Edelfalter
  • Wanderfalter
  • Flügelspannweite zwischen 50 und 60 mm
  • Flügeloberseiten schwarz mit roter Binde, unverwechselbar
  • Vorderflügel mit auffälligen schwarz-weiß gefleckten Spitzen
  • Flügelunterseite unscheinbar braungelb marmoriert; gute Tarnung
  • Flugzeit von zeitigem Frühjahr bis in den späten Herbst
  • Überwinterung als Falter, Ei oder Raupe

Im Gegensatz zu vielen anderen Faltern kann der Admiral bis zu 280 Tage alt werden und zählt somit mit dem Tagpfauenauge, dem Kleinem und Großen Fuchs, Trauermantel und C-Falter zu den langlebigsten heimischen Arten. Wenn der farbenprächtige Schmetterling seine Flügel zusammengeklappt hat, kann man ihn wegen seiner guten Tarnung durchaus übersehen, sogar wenn man unmittelbar vor ihm steht.

Wirtspflanze der Raupen

In südlicheren Gebieten fressen die Raupen des Admirals auch bestimmte Glaskräuter, die zu den Brennnesselgewächsen zählen. Bei uns ernähren sie sich jedoch ausschließlich von der Brennnessel. Das verwundert kaum, denn sie ist für die schier unvorstellbare Menge von über 30 verschiedenen Schmetterlingsraupen Futterpflanze. Für uns mag die Brennnessel nur ein lästig piekendes „Unkraut“ sein, für die Raupen ist sie sozusagen systemrelevant. Das heißt: Ohne Brennnessel kein Admiral! Nur hier legt das Weibchen ihre blassgrünen Eier einzeln an die halbschattig stehende Futterpflanze ab. Manchmal sieht man an der Brennnessel eingerollte Blätter. Dies kann ein Nachweis für das „Haus“ einer Raupe des Admirals sein. Die schwarze, aber auch grünliche Raupe mit den Stachelspitzen ist selten zu sehen und lebt als Einzelgänger. Das Blatt wird am Stiel angebissen, sodass es senkrecht herabhängt. Die schlaff werdenden Blätter werden zu den typisch auffälligen Blatttüten zusammengesponnen. In dieser Blatttüte frisst und lebt die Raupe. Die Blätter der Röhre werden von der Spitze her gefressen und erst verlassen, wenn sie so löchrig geworden sind, dass sie keinen ausreichenden Schutz mehr bieten. Die Raupe verpuppt sich nach etwa drei bis vier Wochen, ebenfalls in ihrem Versteck.

Bei den Nektarpflanzen sind die Admirale nicht sehr wählerisch. Unter anderem sind sie an Weiden, Wasserdost, Thymian und Phlox, im Spätsommer an Astern und am Schmetterlingsflieder zu sehen. Außerdem saugen sie im Herbst hingebungsvoll den Saft von aufgeplatztem Fallobst am Boden. Ab Mitte September kann man die Falter am blühenden Efeu beobachten.
Vanessa atalanta ist in verschiedensten Lebensräumen wie an Waldrändern, auf landwirtschaftlich genutztem Gelände, aber auch in Gärten, Parks und im Siedlungsgebiet anzutreffen. Wenn man wie Karola Jackisch vom BN den farbenprächtigen Falter in seinem Garten beobachten möchte, muss man Brennnesselbestände stehen lassen und sich in einer wilden Ecke mit ihnen arrangieren. Da sich die Raupen direkt an der Pflanze verpuppen, sollen die Futterpflanzen am besten bis zum Frühjahr stehen bleiben, erst recht, falls man überwinternde Eier oder Raupen entdeckt. Die Naturschützerin empfiehlt, die Brennnessel einmal mit den Augen der Schmetterlinge zu sehen, statt die Schere zu zücken. Denn die Natur hat ihre eigene Ordnung, bei der die Pflanze mit den Brennhaaren einen überaus wichtigen Platz einnimmt.

Die Brennnessel – ohne sie geht gar nichts

Ein alter Rätselspruch beschreibt sie so: Was brennt ums ganze Haus und s‘ Haus verbrennt doch nicht? Jeder kennt die Brennnessel und hat wahrscheinlich auch schon unangenehme Erfahrungen mit ihr gemacht. Diese etwa einen Meter hohe Pflanze mit ihren graugrünen und gesägten Blättern hüllt sich in einem Mantel aus lauter kleinen, glasartigen und spröden Brennhaaren. Bei der geringsten Berührung brechen sie und geben das brennende und juckende Nesselgift an die Haut ab.

Zum Leidwesen mancher Gartenbesitzer wachsen Brennnessel überall, an sonnigen bis halbschattigen Stellen. Am wohlsten fühlen sie sich aber in nährstoff- und humusreichen Böden, die im Idealfall frisch und etwas feucht sind; hier fungieren sie sogar als Zeigerpflanzen. Die Brennnessel gilt bei den meisten Gärtnern als Unkraut. Trotzdem sollte man sie nicht ausrotten. Denn sie ist der Klassiker unter den Raupenpflanzen und versorgt sage und schreibe 31 Schmetterlingsraupen mit Nahrung. Auf ihr leben die Raupen unserer bekanntesten heimischen Tagfalter, neben dem Admiral auch Kleiner Fuchs, Tagpfauenauge, Landkärtchen, C- und Distelfalter. Auch in einem kleinen Garten findet sich bestimmt ein Plätzchen für das Superfood für Raupen. Um die Brennnessel besser unter Kontrolle zu halten, kann man sie in einen Pflanzcontainer oder Eimer setzen. Wichtig ist nur, dass das Gefäß unten Löcher hat, damit das Wasser abfließen kann und sich keine Staunässe bildet.
Brennnessel ist nicht gleich Brennnessel für die Schmetterlinge und deren Raupen. So bevorzugen der Kleine Fuchs und der Distelfalter Brennnesseln an sonnigen Stellen, während das Landkärtchen, der Admiral, der C-Falter und das Tagpfauenauge eher halbschattig und etwas feucht stehende Pflanzen brauchen. Doch trotz dieser unterschiedlichen Ansprüche haben die Schmetterlinge eines gemeinsam: Zum Überleben brauchen sie die Brennnessel – ohne Wenn und Aber.

Noch aus einem anderen Grund sollte man auf diese Pflanze nicht verzichten. Sie ist nämlich eine wichtige und wertvolle Heilpflanze, der Gesundheit sehr zuträglich und in der Kräuterküche beliebt. Vor allem im Frühjahr bereichert sie den Speisezettel. Am besten schmecken die Blätter von März bis Mai. Die jungen, zarten Treibe können überbrüht in den Salat gemischt werden. Lecker schmeckt die Brennnessel auch als Suppe und Spinatersatz. Für die Neunkräutersuppe ist die Brennnessel eine wichtige Zutat; dazu werden die im frühesten Frühjahr hervorsprießenden Nesseltriebe verwendet.

Zutaten für die Neunkräutersuppe

  • jeweils eine Handvoll junge Brennnesselblätter
  • Gierschblätter
  • Gänseblumenblüten
  • Taubnesselblätter
  • Junge Löwenzahnblätter
  • Vogelmiere
  • Spitzwegerichblätter
  • Knoblauchsraukenblätter
  • PetersilieD
  • Außerdem noch Zwiebel, Butter, Mehl, Brühe, Salz, Pfeffer, Eigelb, Saure Sahne

Zwiebel in der Butter goldgelb braten, das Mehl hinzufügen und sämig rühren. Mit Brühe auffüllen, gut durchrühren, mit Salz und Pfeffer abschmecken und beiseitestellen.
Die Kräuter klein schneiden, in eine Suppenschüssel geben und mit der Brühe übergießen. Dann das Eigelb und die saure Sahne unterrühren. Guten Appetit


26.05.2022 Leserbrief des Vorsitzenden Robert Kurzmann zum PV-Leitfaden der Stadt Waldmünchen


16.05.2022 Leserbrief des Vorsitzenden Robert Kurzmann zur 10H-Regel


16.05.2022 Von i3 bis Zoe - E-Autos zum Anschauen

Am vergangenen Sonntag trafen sich auf Einladung des Bund Naturschutz, Kreisgruppe Cham, e-Auto-besitzer aus dem ganzen Landkreis in der Klostermühle Altenmarkt. Vom Kleinwagen Renault Clio bis zum ausgebauten Nissan e-Transporter standen 16 Modelle verschiedenster Marken und Größen bereit. Kreisvorsitzender Robert Kurzmann konnte bei der Eröffnung auch die beiden Stadträte der Grünen aus Waldmünchen und Furth im Wald begrüßen, die ebenfalls im e-Auto angereist waren.

Mit ein Grund für die Veranstaltung sei laut Kurzmann die Tatsache, dass seit 1990 die CO2-Emissionen im Verkehrssektor annähernd gleich geblieben sind; bis 2030 sollen jetzt die Emissionen um 40 % gesenkt werden. Neben Energieeinsparungen und Umstieg auf den ÖPNV geht dies hauptsächlich über einen Ersatz des Verbrenners durch das e-Auto. Hierzu müsse zum einen mehr über die Elektromobilität aufgeklärt und zum anderen aber auch der ÖPNV im Landkreis attraktiver werden. Ein drittletzter Platz beim Angebot des ÖPNV für den Landkreis Cham im deutschlandweiten Vergleich könne nicht zufriedenstellend sein, so der Kreisvorsitzende.
Bei Kaffee und Kuchen konnten sich die Besucher mit den Besitzern über alle Themen rund um das e-Auto austauschen. Neben Fragen zur Langstreckentauglichkeit oder der Kombination mit der eigenen Solaranlage konnten auch ausgefallenere Fragen geklärt werden, wie z.B. die Nachrüstung einer Anhängekupplung für den Fahrradständer, die bei den meisten e-Autos nicht als Zubehör erhältlich ist. Tiefergehende Infos hatte die Kreisgruppe übersichtlich auf mehreren Plakatständern aufbereitet. Aber auch auf ökologische Details bei der Veranstaltung Wert gelegt. Der Kaffee wurde als fair gehandelter Bio-Kaffee angeboten, der mit dem hauseigenen Öko-Strom der Klostermühle zubereitet wurde.

Die Hoffnung mancher Liebhaber von Benzin- oder Dieselautos diese einmal klimaneutral mit aus erneuerbaren Energien gewonnen synthetischen Treibstoffen betreiben zu können musste der Kreisvorsitzende jedoch begraben, da hierfür etwa die 5fache Menge an erneuerbaren Strom im Vergleich zu e-Auto notwendig wäre. Dementsprechend würde der gefahrene Kilometer teurer werden. So wurde an dem Nachmittag noch viel und ausführlich rund um die e-Mobilität diskutiert; aber auch der Wunsch geäußert, die als gelungen empfundene Veranstaltung im nächsten Jahr zu wiederholen.


24.04.2022 Vogelstimmenexkursion in Voithenberghütte

Einige Frühaufsteher waren dem Ruf des BUND Naturschutz gefolgt und ließen sich am Sonntagmorgen von Jürgen Köbler die Gesänge der Vögel erklären. Der Ornithologe und zertifizierte Natur- und Landschaftsführer zeigte die verschiedenen Lebensräume entlang der Kalten Pastritz bei Voithenberghütte mit ihren jeweiligen typischen Bewohnern. Einige Zugvögel wie Kuckuck oder Neuntöter sind noch nicht aus ihren Überwinterungsquartieren zurückgekehrt, anderen Arten war es an diesem Sonntagmorgen zu unwirtlich für einen Gesang. Doch Rotkehlchen, Zilpzalp, Buchfink und viele andere Vogelarten begegneten den Teilnehmern auf dieser BN-Exkursion.

Wietze-wietze-witze oder eher zizibä – die Lautsprache dient als Merkhilfe, kann aber die herrlichen und ganz unterschiedlichen Vogelgesänge meistens nur unzureichend beschreiben. „Die Vögel pfeifen nicht, sondern die meisten erzeugen den Ton über die Stimmbänder“, erklärte Köbler. Der Ruf dient zur Partnersuche, als Warnung, als Kontaktruf und zur Revierabgrenzung. Aber nicht nur, wie ein Vogel singt, sondern auch wo und in welchem Lebensraum man das Gezwitscher hört, ist sehr aufschlussreich, so der Fachmann. Eine Lerche singt beispielsweise nie auf einem Zweig, sondern immer im Flug über einem Feld. Es muss wohl eher heißen, sie sang, denn die Feldlerchen in Deutschland verzeichneten in den vergangenen 10 Jahren einen Bestandsrückgang von nahezu 40 Prozent, bedauerte der Ornithologe.

Amsel und Mönchsgrasmücke eröffneten das morgendliche Konzert noch am Treffpunkt. Die Gesänge dieser beiden Arten sind melodiös und für ungeübte Ohren leicht zu verwechseln. Im Buchen-Mischwald entlang der Strecke konnten die Teilnehmer das Ruuksen der Ringeltaube ausmachen, was im Vergleich zur Türkentaube, die man häufig im Siedlungsbereich hören kann, dumpfer und fast etwas heiser klingt. Die seltenere Hohltaube zählt zu den Höhlenbrütern und ist auf verlassene Schwarzspechthöhlen angewiesen; Kohlmeise oder Kleiber brauchen eher die Höhlen des viel kleineren Buntspechtes. Für solche Vogelarten ist es zwingend notwendig, anbrüchige oder bereits morsche Bäume im Wald zu belassen, um ihnen Brutmöglichkeiten zu gewähren. Das Vertrags-Naturschutz-Programm-Wald (VNP) sieht für solche Fälle eine finanzielle Förderung der Waldbesitzer vor.
Eine weitere Herausforderung stellte die Unterscheidung der Klopfgeräusche von Specht und Kleiber dar. Die Trommelwirbel mit den schnell aufeinanderfolgenden Schnabelhieben kennt wohl jeder, während man die dumpferen, langsameren und leiseren Klopfgeräusche des Kleibers konzentriert heraushören muss. Köbler machte auch auf einen Vogel aufmerksam, der andere Stimmen nachmachen und damit bei Vogelkundlern für Verwirrung sorgen kann: Der Eichelhäher ahmte den Ruf einer Rabenkrähe und eines Bussards nach. Oft macht er mit einem lauten „rätsch-rätsch-rätsch“ auch auf Störenfriede aufmerksam.
Ein weiterer sehr wichtiger Lebensraum für Vögel sind Hecken. In ihrem Gebüsch finden sie Deckung, Nahrung und eine erhöhte Sitzwarte für ihre Gesänge. Köbler zeigte sich erfreut über eine frisch gepflanzte Hecke. Der BN-Vorsitzende Robert Kurzmann wies darauf hin, dass es für die Neuanlage von Hecken lukrative Förderungen gebe, zum Beispiel über den Naturparkverein. Dabei werden die Kosten für die Pflanzen und den Arbeitslohn zu 90 Prozent erstattet. Auch beim AELF (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) kann man sich über aktuelle Förderungen, Heckenpflege eingeschlossen, informieren. Dann würde auch im Offenland weiterhin ein vielfältiges Vogelstimmenkonzert erschallen – und nicht nur im Wald die Rufe der Kohlmeise („zizibä“) und der Tannenmeise („witze-witze-witze“).


16.04.2022 Serie "Ein Garten für Schmetterlinge" - 2/22: Zitronenfalter und Faulbaum

Zitronenfalter – der Methusalem unter den heimischen Faltern

Bei den ersten warmen Sonnenstrahlen gaukelt er wieder: der Zitronenfalter. Er ist einer unserer frühesten und auffälligsten Falter, der durch seine grün-gelbe Leuchtfarbe selten unentdeckt bleibt. Sogar an sonnigen milden Wintertagen kann man ihn schon kurzzeitig fliegen sehen. Wenn Karola Jackisch vom BUND Naturschutz (BN) einen Zitronenfalter entdeckt hat, weiß sie, dass der Winter um ist. Dass er so zeitig im Jahr unterwegs ist, liegt daran, dass er die kalten Monate als Falter überwintert; viele andere Schmetterlingsarten überdauern den Winter als Raupe oder Puppe.
Der Zitronenfalter erweist sich als wahrer Kälte-Freak: Während andere sich in Höhlen oder Dachstühlen verstecken, übersteht er den Winter nahezu ungeschützt in der freien Natur und hält dabei Temperaturen bis zu minus 20 Grad aus. In einer Art Winterstarre sitzt er mit Reif überzogen auf Zweigen, unter Blättern oder in Grasbüscheln und wartet auf wärmere Zeiten. Die Expertin verrät uns seinen Trick dabei. Durch sein körpereigenes Frostschutzmittel, eine Mischung aus Glyzerin, Sorbit und Eiweißstoffen, gefriert seine Körperflüssigkeit nicht. Außerdem scheidet er zu Winteranfang überschüssiges Wasser aus, so kann er die eiskalten Temperaturen im Winter gut überstehen. Karola Jackisch hat heuer schon einige der gelben Schmetterlinge gezählt. In dem Monitoring, das sie für den BUND Naturschutz durchführt, hat sich bei der Erfassung im letzten Jahr sogar eine leichte Zunahme des Zitronenfalters herausgestellt.

 

Ist der Falter aus seiner Winterstarre erwacht, geht er erst auf Futter- und dann auf Partnersuche. Hierzu braucht er das volle Nektarangebot der Frühlingspflanzen. Nach der Paarung legt das Falterweibchen zwischen April und Juni die Eier an die sich öffnenden Knospen seiner Wirtspflanzen ab, jeweils immer ein bis zwei von insgesamt etwa 100 Eiern. Nach ein bis zwei Wochen schlüpfen die Raupen und haben gleich das passende Futter vor der Nase. Die mattgrünen Raupen fressen an der Wirtspflanze einen Monat lang. Sie tarnen sich sehr geschickt, indem sie sich gern auf die Mittelrippe der Blätter setzen; durch ihren eigenen weißen Längsstreifen an der Seite sorgen sie zusätzlich für Verwirrung. Wie die Raupe Nimmersatt fressen sich die Larven dann dick und rund.  Da ihre Haut nicht mitwächst, müssen sie sich in ihrer Entwicklung einige Male häuten, bis sie sich nach drei bis sieben Wochen, ab Mitte Juni, verpuppen. Die Gürtelpuppe hängt, gut gehalten von einem Seidenfaden, an der Zweigunterseite in einem Strauch und sieht einem Blatt täuschend ähnlich. Die Puppenruhe endet nach ca. zwei Wochen. In dieser Zeit findet im Inneren der äußerlich tot wirkenden Puppe eine große Umwandlung statt: Ihre Organe werden komplett verflüssigt und es entsteht ein völlig neuer Falter. Nach dem Schlupf Ende Juni bis Anfang August muss er circa zwei Stunden warten – dabei presst er Blut in die Adern seiner noch weichen und zerknitterten Flügel. Erst wenn sie erhärtet sind und der Falter sich mit seinem neuen Körperbau vertraut gemacht hat, kann er davon flattern.

Eine weitere Besonderheit des Zitronenfalters ist der fast zweimonatige Dornröschenschlaf. Etwa zwei Wochen nach dem Schlüpfen verfällt er in die sogenannte Sommerstarre. In dieser Ruhezeit sinkt der Stoffwechsel – das Geheimnis seines langen Falterlebens. Im Herbst kann man ihn dann wieder bis zu seiner Winterstarre fliegen sehen. Nach der Überwinterung endet der Lebenszyklus mit der Eiablage im Frühjahr. Die Zitronenfalter sind mit ihrer Lebenserwartung von fast 12 Monaten unsere ältesten Tagfalter, eine Besonderheit bei allen mitteleuropäischen Schmetterlingen.

Steckbrief

  • Familie der Weißlinge
  • Spannweite bis 55 mm
  • Namensgebung durch zitronengelbe Flügel des Männchens
  • Gute Erkennungsmerkmale: orangefarbene Fleck in der Flügelmitte; Flügeladern deutlich sichtbar
  • Flügel des Weibchens weißlich; Verwechslungsgefahr mit Großem Kohlweißling
  • Überwinterung als erwachsener Falter

Der erwachsene Falter sucht häufig Blüten seiner Farbe wie Löwenzahn, Primeln und Goldlack auf. Auch an Blüten seiner Komplementärfarbe Violett saugt er gern, zum Beispiel an Disteln, gefingertem Lerchensporn und Flockenblume. Der Nektar aller ungefüllten Nelken steht ebenso auf seinem Speiseplan, aber ganz besonders zieht ihn die Karthäuser-Nelke an. Durch ihre lange Blütezeit bietet sie den Faltern ab Juni bis in den September hinein Nahrung. Sie fühlt sich auf mageren, kalkhaltigen Boden wohl und verträgt trockene Perioden im Sommer gut.

Den Zitronenfalter trifft man oft an Gehölzrändern, auf Waldwegen und auf Waldlichtungen an; auch in Hecken hält er sich gern auf. Je nach Nektarangebot findet man ihn in Gärten, Parks oder Wiesen. Weil er bei uns weit verbreitet ist, braucht er aktuell keinen spezifischen Schutz. Solange der Faulbaumunterwuchs in den Wäldern belassen wird, ist der Zitronenfalter nicht gefährdet. Nicht nur diese Art, sondern auch die meisten Schmetterlinge profitieren von artenreichen Waldrändern und blütenreichen Säumen.

Gering geachtet vom Menschen, das Höchste für die Raupe: Der Faulbaum

Mit dem Faulbaum, der „Hundsbierlstaun“, bringt man den Zitronenfalter eher nicht in Verbindung; doch das ist die wichtigste Futterpflanze für seine Raupe. Als weitere Wirtspflanzen kommen weitere Kreuzdornarten in Frage. In seiner Wildform wird der Faulbaum 3 - 5 m hoch und 2 - 4 m breit.  Er kommt mit fast jedem Gartenstandort gut zurecht, toleriert sogar feuchte oder verdichtete Böden und verträgt Sonne und Schatten. Die weißen Blüten erscheinen ab Mai, die Nachblüte dauert jedoch bis in den Herbst hinein. Seine roten Beeren sind giftig und verfärben sich später schwarz.
Der Name des Strauchs kommt vom unangenehmen Geruch der Rinde. Er wird auch Pulverholz genannt, weil früher daraus gute Kohle für Schießpulver gewonnen wurde; treffender wäre eigentlich die Bezeichnung „Zitronenfalterbaum“, um seine Bedeutung für den Schmetterling hervorzuheben. Neben dem Zitronenfalter gehören auch der Admiral und viele andere Insekten, wie die Schwebfliege, Sandbienen, Hummeln und Honigbienen zu den Blütenbesuchern des Strauchs.

Helfen kann man dem Zitronenfalter, indem man den Faulbaum in die Gartenhecke pflanzt. Schmale Sorten wie `Fine Line´ oder `Asplenifolia´ passen auch in kleinere Gärten. Da die Eiablage im April mit dem Laubaustrieb zusammenfällt, schadet ein Rückschnitt der Sträucher im Herbst oder Spätwinter bis Februar nicht. Es können sogar ganze Äste an der Basis herausgenommen werden; dann können die Falter ihre Eier an den Triebspitzen der verbliebenen Äste ablegen. Vorher sollten aber die Äste auf überwinternde Falter überprüft werden.


12.04.2022 Serie "Ein Garten für Schmetterlinge" - 1/22: Monitoring

Sie ist wieder unterwegs auf der Jagd; mit forschendem Blick setzt sie vorsichtig einen Schritt vor den nächsten, nur keine hastige Bewegung. Auf Schmetterlinge hat sie es abgesehen, doch die Tiere bleiben unbeschadet. Karola Jackisch vom BUND Naturschutz (BN) bestimmt, zählt und notiert die Falter: Sie betreibt Schmetterlingsmonitoring.

Wie kommt man zu diesem speziellen Hobby, das umfangreiche Vorkenntnisse verlangt? „Ich hatte schon lange den Traum von einem Schmetterlingsgarten.“, erzählt Karola Jackisch. Vor etwa 20 Jahren konnte sie ein benachbartes Grundstück erwerben. Auf einem Teil davon baut sie Gemüse an, den anderen Teil hat sie bewusst als Lebensraum für Schmetterlinge angelegt. Darin finden sich Raupenfutterpflanzen und Nektar spendende Blüten, aber auch Gehölze und Wildwuchs, die für eine vollständige Entwicklung nötig sind. Bald hatten die Falter ihr kleines Paradies entdeckt, und seit 2011 beteiligt sie sich am Tagfaltermonitoring.
Das geht weit über ein bloßes Schmetterlingszählen hinaus. Die BN-Kreisgruppe Cham arbeitet mit dem BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) zusammen, der wiederum Kooperationspartner des Helmholtzzentrum für Umweltforschung ist, welches das Monitoring für Deutschland koordiniert. Jedes Jahr zwischen April und Oktober geht Jackisch einmal wöchentlich dieselbe Strecke in Perwolfing bei Runding ab. Dazu gehört ihr eigener, weitläufiger Garten sowie eine extensiv bewirtschaftete Wiese, eine Ausgleichsfläche der Gemeinde Runding, die nur ein- bis zweimal pro Jahr gemäht wird. „Aufgeräumt braucht es in meinem Garten nicht zu sein, dafür habe ich mein Wohnzimmer.“, scherzt die Naturschützerin. Sie bestimmt und notiert alle Tagfalter, die sie findet und leitet die Erkenntnisse an das Helmholtzzentrum weiter. Da Schmetterlinge stark auf Umweltveränderungen reagieren, sind sie gut geeignet, um Daten über Lebensraum- und Klimaveränderungen zu liefern. Dann können geeignete Schutzmaßnahmen empfohlen werden, wie zum Beispiel ein angepasstes Mähkonzept.

 

Schmetterlinge als Verwandlungskünstler - die Metamorphose

Karola Jackisch hat eine besondere Beziehung zu den farbenprächtigen Flatterwesen, die von einer Blüte zur anderen fliegen, um sich am Nektar zu laben. In Deutschland sind unvorstellbare 3700 Falterarten bekannt; der überwiegende Teil davon zählt zu den Nachtfaltern, die wir gewöhnlich selten zu sehen bekommen. Aber die Wenigsten kennen die einzelnen Arten, geschweige denn ihre Lebensweise. „Fragen Sie doch mal die Leute nach Schmetterlingen. Der Zitronenfalter ist noch einigen bekannt, vielleicht auch das Tagpfauenauge. Dann wird´s schon schwierig“, stellt die Expertin fest. Dabei sind unsere heimischen Schmetterlinge wahre Verwandlungskünstler. „Eigentlich sind es vier vollkommen verschiedene Erscheinungsformen, nämlich Ei, Raupe, Puppe und Falter. Diese Entwicklung nennt man eine vollständige Metamorphose. Die Raupe, die aus dem Ei schlüpft, hat keinerlei Ähnlichkeit mit dem erwachsenen Falter. Und vor allem: Futter und Lebensraum sind in den einzelnen Stadien vollkommen unterschiedlich.“, erklärt Jackisch. Das macht die Schmetterlinge so verletzlich, denn sie brauchen eben nicht nur Blumen, an denen sie Nektar saugen können. Fehlen die Voraussetzungen für eine Entwicklungsphase, sterben die Tiere ab und es wird nie ein prächtiger Falter schlüpfen. Vor allem die Raupen sind auf bestimmte Futterpflanzen angewiesen. Im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende spezialisierten sich viele Arten auf eine einzige Pflanzenart, wie zum Beispiel der Kleine Feuerfalter auf den Sauerampfer. Wird diese Pflanze immer seltener oder stirbt aus, stirbt die Schmetterlingsart mit ihr.
Ist die Raupe aus dem Ei geschlüpft und hat erfolgreich ihre Wirtspflanze gefunden, gibt es nur einen Lebenszweck: Fressen und Wachsen, eine wirkliche Raupe „Nimmersatt“, auch wenn Schmetterlingsraupen keine Törtchen oder Wurst verzehren wie in dem Kinderbuchklassiker. Da ihre Haut nicht mitwächst, müssen sie sich in ihrer Entwicklung 4-5-mal häuten. Am Ende der Raupenzeit suchen sie sich einen Platz zum Verpuppen. Viele Puppen hängen an Pflanzenstängeln oder Zweigen von Sträuchern, andere liegen frei oder in einem Kokon am oder im Boden. Deswegen empfiehlt die Fachfrau, vertrocknete Pflanzenstängel im Garten auch mal bis zum Frühjahr stehen zu lassen und Sträucher nicht radikal zu stutzen. „Geben wir doch den Schmetterlingen auch eine Chance!“ lautet ihr Appell. Im Inneren der äußerlich tot wirkenden Puppe ereignet sich nun eine große Umwandlung: fast alle Organe der Raupe werden verflüssigt und zur Anatomie des Falters umgebaut. Schlüpft der Falter aus der Puppenhülle, kann er nicht sofort losfliegen. Er presst Blut in die Adern seiner noch weichen und zerknitterten Flügel und wartet, bis diese sich erhärten. Erst nach etwa zwei Stunden kann er davon flattern. Der erwachsene Falter braucht Blütennektar, manche Falter fühlen sich auch von faulenden Früchten angezogen. Bei der Überwinterung verfolgen nicht alle Tagfalter die gleiche Strategie. Sie überwintern in verschiedenen Entwicklungsformen, manche wandern sogar ab, um der kalten Jahreszeit auszuweichen.

Die Falter und Raupen erfreuen nicht nur das Auge, sondern sie dienen als Futterquelle für Vögel oder Bestäuber für Blumen. Und noch mehr als das: Schmetterlinge, darunter auch viele Tagfalter, lassen sich ideal von der Wissenschaft als Anzeiger für den Zustand der Umwelt nutzen und sind so genannte Bioindikatoren. Auf Klimaveränderungen, Luftverschmutzung und andere menschengemachte Einflüsse reagieren die graziösen Falter viel schneller als die meisten anderen Lebewesen, weiß Karola Jackisch. Kurz: Geht es den Schmetterlingen gut, geht es auch dem Menschen gut und umgekehrt. Von den etwa 190 einheimischen Tagfalterarten sind jedoch fast zwei Drittel bedroht; über 80 % gelten als gefährdet.

Einige Schmetterlinge sind hochspezialisiert und an Sonderstandorte wie Magerrasen, Heiden und Feuchtwiesen angepasst. Die bisherige Agrarpolitik, die auf eine industriell geführte Landwirtschaft ausgerichtet ist, muss umsteuern, um diese Standorte zu erhalten – wie auch unser Einkaufsverhalten die Qualität und nicht ausschließlich den Preis in den Vordergrund rücken muss. Dann bräuchte nicht jede Wiese entwässert, jeder Rain bearbeitet und jedes Feld intensiv gedüngt und gespritzt werden. Sogar angrenzende Naturschutzräume und die dort vorkommenden Falterbestände wären besser geschützt als jetzt, wo sie durch die intensive Bewirtschaftung beeinflusst werden. Momentan können nur noch wenige angepasste Tagfalter, die so genannten Allerweltsarten, überleben, die Spezialisten unter ihnen verschwinden – wir haben es in der Hand, mahnt die Naturschützerin.

Um zur Erhaltung unserer Schmetterlinge beizutragen, engagiert sich Karola Jackisch beim BUND Naturschutz. Die Kreisgruppe sichert wertvolle Biotope durch Ankauf und fachgerechte Pflege. Denn die brauchen die Spezialisten unter den Tagfaltern als Lebensraum. Als Beispiel nennt die Fachfrau den Hellen Wiesenknopf-Ameisenbläuling, der sowohl den Großen Wiesenknopf als Futterpflanze als auch eine spezielle Ameisenart zum Überleben braucht. In ganz Deutschland ist diese Art selten oder sehr selten; deshalb leistet die BN-Kreisgruppe mit dem Ankauf von geeigneten Biotopen einen wertvollen Beitrag zur Erhaltung gefährdeter Arten. Auch der seltene Baldrian-Scheckenfalter, Braunfleckige Perlmutterfalter und Mädesüß-Perlmutterfalter finden auf den Biotopen der Kreisgruppe neuen Lebensraum. Von den geschützten Flächen profitieren übrigens in der Regel viele weitere Pflanzen- und Tierarten mit ähnlichen Lebensraumansprüchen - und nicht zuletzt auch der Mensch.


05.04.2022 Die Igel wachen auf

Igel wachen auf – was jeder tun kann

Es geht wieder los: Die ersten Igel wachen auf. Die warmen Sonnenstrahlen locken die Winterschläfer aus ihren Verstecken. Da die Insektenfresser noch kaum Nahrung finden, sind manche Tiere auf unsere Hilfe angewiesen. Was jeder jetzt tun kann, verrät der BUND Naturschutz.

Vielerorts sind die ersten Igel unterwegs. Doch: „Verlässt ein Igel sein Winterquartier, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass der Winterschlaf beendet ist“, erklärt Robert Kurzmann von der Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz. „Viele Tiere wechseln zum Ende des Winters nochmal ihr Versteck, auf Nahrungssuche gehen dabei nur wenige. Manche Igel legen sich in die Sonne, um den Stoffwechsel anzuregen und eigene Kraftreserven zu sparen. Anschließend ziehen sich diese Igel wieder in ihre Quartiere zurück und schlafen weiter.“
Dennoch werden dem BUND Naturschutz in den letzten Tagen vermehrt tagaktive Tiere gemeldet, die nach Fressbarem suchen oder schlafend in der Wiese gefunden werden. „Schwache Igel nutzen die warmen Temperaturen und die letzten Kraftreserven für den Aufwachprozess“, weiß der Naturschützer. „Manche dieser Tiere sind dann tatsächlich hilfsbedürftig, da sie keine Fettreserven mehr besitzen, um ihre Körpertemperatur, trotz frostiger Nachttemperaturen, aufrechtzuerhalten oder um nochmal einschlafen zu können“, so Kurzmann weiter. Ausgehungert und ausgelaugt gehen diese Stachelritter dann auf Futtersuche. Doch richtig satt wird jetzt noch keiner: Die Nächte sind zu kalt. Am Boden lebende, nachtaktive Insekten sind kaum aktiv. Im März ist der Speisezettel unserer stacheligen Fleischfresser sehr übersichtlich und besteht hauptsächlich aus Regenwürmern und wenigen saisonalen Insekten. Deshalb schlafen Igel regionen- und wetterabhängig lieber bis Ende April und mancherorts sogar bis in den Mai hinein. Erst mit den steigenden Temperaturen im Frühjahr erhöht sich die Anwesenheit weiterer Futtertiere.

Kurzfristige Hilfe in der nahrungsarmen Zeit
Laut BUND Naturschutz erkennt man hilfsbedürftige Tiere häufig an ihrer Tagaktivität oder daran, dass diese Igel ziellos umherirren, abgemagert und kraftlos wirken. Wem ein solches Tier begegnet, der sollte handeln:
„Nach dem Aufwachen verspüren unsere Stachelritter zunächst großen Durst. Eine flache Schale mit frischem Wasser sollte jeder Gartenbesitzer aufstellen“, begründet Kurzmann. Gefressen werden gerne Rühreier, Katzenfeucht- und -trockenfutter oder getrocknete Insekten. Manche Igel mögen auch angebratenes Hackfleisch oder gekochtes, kleingeschnittenes Geflügelfleisch. Je fett- und proteinreicher die Nahrung, umso besser. „Das Futter sollte an einem geschützten Ort aufgestellt werden, damit die Futterspende auch bei dem hilfsbedürftigen Tier ankommt und nicht etwa bei der dicken Nachbarskatze“, so der Vorsitzende der Kreisgruppe. Eine Bauanleitung für ein Igelhaus, das auch als Futterhaus verwendet werden kann, ist auf den Seiten des BUND Naturschutz zu finden. https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/tieren-helfen/igelhaus-bauen

Außerdem bittet der BUND Naturschutz alle Gartenbesitzer darum, mit dem Frühjahrsputz im Garten noch zu warten. „Jeder Igel-Unterschlupf wie Laub- und Reisighaufen, dichte Hecken und anderes Gestrüpp ist aktuell für unsere Igel überlebenswichtig“, erklärt Kurzmann.


01.04.2022 Weidenkätzchen - Tankstelle für Bienen

Palmkätzchen, auch Weidenkätzchen genannt, sind im Frühling und zur Osterzeit als Deko beliebt. Auch Wildblumen für einen schönen Strauß abzuschneiden ist verlockend, dabei sollte man aber an Bienen und andere Insekten denken.

Die Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz in Bayern bittet gerade im Frühling um Rücksicht auf die Natur: „Wildbienen und Schmetterlinge brauchen im Moment jede Nahrungsquelle. Die blühenden Weiden oder Schlüsselblümchen sind mit ihrem Pollen und Nektar in dieser noch blütenarmen Zeit ganz wichtig“, appelliert Robert Kurzmann, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Cham. „Genießen Sie die Schönheit der Weiden und das Brummen und Summen an den Kätzchen am besten in der Natur.“
Etliche blühende Weidenarten sind für die Insekten, die schon unterwegs sind, eine wichtige Nahrungsquelle. In der freien Landschaft blühen ansonsten noch nicht allzu viele Pflanzenarten. Insbesondere die Bienen brauchen nach dem harten Winter dringend Energie. Eine der wichtigsten Nahrungsquellen zu Frühlingsbeginn sind dabei die Weidenkätzchen, die bei uns gerne zum Palmsonntag geschnitten werden. Weidenblüten haben einen hohen Nährwert und versorgen die hungrigen Insekten mit wertvollem Eiweiß und Fetten. Auch Hummeln, Käfer, Schmetterlinge und andere Insektenarten und sogar einige Vogelarten wie der Zilpzalp oder Meisen nutzen sie als Nahrung.

Für Ostersträuße sollte man also überlegen, ob es denn unbedingt die beliebte Salweide sein muss. Auch wenn das Mitnehmen kleiner Mengen von nicht geschützten Wildblumen erlaubt ist, appelliert der BN, die Pflanzen in der Natur zu lassen. Stattdessen können in der Wohnung unbedenklich Zweige von Forsythien aufgestellt werden. Denn sie produzieren weder Nektar noch Pollen und sind für Insekten damit wertlos, erklärt Kurzmann. Bei der Neupflanzung im Garten rät der Naturschützer, statt Forsythien Kornelkirschen zu verwenden. „Sie blüht zur selben Zeit und genauso leuchtend gelb, hat aber für die Tierwelt einen sehr hohen Nutzen. Ihre vielen kleinen Blüten bieten den Bienen Nahrung, und im Herbst werden die Früchte von den Vögeln dankbar angenommen. Übrigens sind die reifen Kirschen sehr Vitamin C -haltig und können zu Marmelade verarbeitet werden“, weiß der BN-Vorsitzende.

Gartenbesitzer können überhaupt viel für Insekten tun, indem sie verschiedene heimische Sträucher und Kräuter pflanzen, die möglichst weit über das Jahr verteilt blühen und Nektar und Pollen spenden. Im Frühjahr bieten neben Weiden zum Beispiel Schlüsselblumen, Lungenkraut, Lerchensporn oder die Schlehe für Insekten wichtige Nahrung.
 


24.03.2022 Die Hummelhotline ist wieder on

Fotografen auf der Pirsch: Von Wald bis Sommerau, von Falkenstein bis Tiefenbach wurden im letzten Jahr Fotos von Hummeln gemacht, eingeschickt und bestimmt. Jetzt ist die „Hummelhotline“ wieder geöffnet, und der BUND Naturschutz (BN) ruft mit dem Institut für Biodiversitätsinformation e.V. (IfBI) zu der Mitmachaktion auf, die von Frühlingsanfang bis Ostermontag läuft.

Mitmachen bei der BN-Hummelhotline ist ganz einfach: Über WhatsApp können Fotos von Hummeln mit Postleitzahl und Funddatum an die 0151-18460163 geschickt werden. Das Expertenteam des IfBI bestimmt umgehend die jeweilige Hummelart und sendet eine Antwort zurück. Letztes Jahr beteiligten sich bayernweit 1.800 interessierte Hummelfreunde. „Mit dem Frühlingsbeginn am 20. März startet das bayernweite Mitmachprojekt Hummelhotline. Ziel des Projektes ist es, mehr über die verschiedenen Hummelarten in Bayern zu erfahren und die Menschen für die Natur vor der Haustür zu begeistern“, so Robert Kurzmann, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Cham. Hummeln gehören zu den Wildbienen. Insgesamt gibt es in Deutschland 41 verschiedene Hummelarten, aber nur sieben können wir häufig in unseren Gärten beobachten. Trotz kühler Temperaturen sind bereits einige Hummeln eifrig an den Blüten unterwegs – der perfekte Zeitpunkt, um die Leitung der Hummelhotline wieder zu öffnen. „Zum Mitmachen braucht es eigentlich nur ein Handy mit Fotofunktion und WhatsApp“, erklärt Kurzmann. Wer Hummeln entdeckt und wissen will, um welche Art es sich handelt, kann also ein Foto machen und dieses mit entsprechendem Funddatum und Postleitzahl an die Hummelhotline schicken. Ein Experten-Team bestimmt dann die Hummelart und trägt die unterschiedlichen Funde in eine Karte ein. „Je mehr typische Hummel-Merkmale auf den Fotos abgelichtet sind, desto schneller kann das Hummel-Expertenteam die Art bestimmen“, weiß der Vorsitzende. Trotzdem bittet der BN darum, nur maximal drei Fotos pro Nachricht zu schicken, damit die Durchsicht nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt und die Anfrage schnell beantwortet werden kann.

 

Ergebnis 2021

Letztes Jahr beteiligten sich 1.800 Menschen und schickten rund 5.500 Fotos zur Artbestimmung. Insgesamt wurden 2.500 fleißige Hummeln abgelichtet und durch das Hummel-Expertenteam am Standort Ebern bestimmt. Auf Platz eins der am häufigsten gemeldeten Hummelarten landete mit großem Abstand die Erdhummel, danach folgten Ackerhummel (Platz 2) und Steinhummel (Platz 3). Die Wiesenhummel musste sich mit Platz 4 zufriedengeben und auf Platz 5 landete die Baumhummel. Über 140 Hummeln konnten leider nicht bestimmt werden. „Das kann an der Qualität der Fotos liegen oder auch daran, dass einige Hummelarten sich äußerlich sehr ähneln. Besonders schwierig ist die Bestimmung der sogenannten Kuckuckshummelarten, die häufig mit den Wirtsarten verwechselt werden“, so der BN-Vorsitzende. Neben den Hummelbildern wurden den Experten im letzten Jahr auch Fotos von anderen Wildbienenarten oder besonders flauschigen Fliegen zugeschickt, wie etwa von der gehörten Mauerbiene oder von Wollschwebern. „Verwechslungen sind nicht schlimm! Dafür gibt es dieses Projekt. Nur wer sich mit den verschiedenen Arten beschäftigt, verbessert sein Wissen“, begründet der Naturschützer.


21.03.2022 Aktionsbündnis Regental - aktiv bleiben

Bad Kötzting.- Das Aktionsbündnis für den Erhalt des Weißen-Regen-Tals war am Sonntagnachmittag entlang der zuletzt geplanten Trasse zwischen Bad Kötzting und Grafenwiesen unterwegs. Die Position gegen den Neubau und für den Ausbau der bestehenden Staatsstraße 2140 wurde bekräftigt und anhand vieler Beispiele gezeigt, wie artenreich, einzigartig und erhaltenswert der Naturraum entlang des Weißen Regens ist.

Mittlerweile ist es 13 Jahre her, seitdem das Aktionsbündnis aus BUND Naturschutz (BN), Landesbund für Vogelschutz (LBV), engagierten Bürgern und Anwohnern gegründet wurde. Der große Brückenschlag zwischen Feßmannsdorf und Sperlhammer, der von vielen Anwohnern als überdimensioniert bezeichnet wurde, ist zwar vom Tisch. Aber „2022 soll ein neuer Entwurf vorgelegt werden. Deswegen weiterhin aktiv bleiben und die Position dagegen verdeutlichen“, mahnte Roger Mayer, Gründungsmitglied und 2. Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Cham. Markus Schmidberger von der LBV-Kreisgruppe Cham hält das Regental für viel zu schade, um zerstört zu werden. „Die Landschaft ist (bereits) zu sehr zerschnitten und zersiedelt“. Dieser Naturraum sei zu wertvoll, um einem neuen Straßenbau zum Opfer zu fallen.

Zur Erinnerung: Der Ausbau der Staatsstraße 2140 endet von Lam her kommend beim Grafenwiesener Ortsteil Mattheshof. Die Weiterführung ist mit einem Neubau oberhalb des so genannten „Promillestraßls“ über Feßmannsdorf bis zum Bad Kötztinger Ortsteil Hausermühle geplant und soll in etwa unter der bestehenden Stromtrasse verlaufen. Das Aktionsbündnis möchte den Talraum erhalten, den Neubau verhindern und befürwortet den Ausbau der bestehenden Straße von Grafenwiesen nach Beckendorf. Dass so ein Straßenbauprojekt auch Auswirkungen auf die nächste Generation hat, bewies die Zusammensetzung der zahlreichen Teilnehmer: Betagte Mitbürger waren genauso dabei wie junge Familien mit Kinderwagen.

Am Weißen Regen zeigte Roger Mayer eine imposante Biberburg, einen Hochbau mit Wohnhöhle, der mit Lehm und Gehölz abgedichtet ist. Momentan ist Paarungszeit bei der geschützten Tierart, die im 19. Jahrhundert ausgerottet worden war. Gründe dafür waren vermutlich das dichte Fell, das Fleisch und die Tatsache, dass der Biber für seine Burg und seine Nahrung Bäume in Ufernähe fällt. „Fleißig wie ein Biber“ lautet eine Redensart in Kanada, die auf den sehr aktiven Baumeister anspielt. Markus Schmidberger führte aus, dass die Sichtweise der Menschen häufig zu falschen Schlüssen in der Natur führt. „Schön“ mag mancher denken, wenn der Regen langsam dahinfließt, da er am Wehr aufgestaut wurde. Doch der Regen war ursprünglich ein Mittelgebirgsfluss mit starker Strömung, so wie es zum Beispiel die Fischart Mühlkoppe braucht, die jetzt nur noch sehr selten zu finden ist – wie auch die gesamte Ursprungsfauna und -flora. Der Fluss wurde früher zur Holzdrift benutzt und deswegen ausgeräumt, Felsen und Steine entfernt, Kurven begradigt, Ufer erhöht. Jetzt versucht man mit behördlichen Renaturierungsmaßnahmen wie den Bau einer Fischtreppe oder Uferabflachungen wie beim BN-Biotop bei Grafenwiesen, Flüsse wieder natürlich fließend und durchgängig zu gestalten. Beispiel Amphibien: Frösche und Kröten haben am Regen fast keine Laichgewässer mehr, weil natürliche Altwässer, Gumpen und Tümpel fehlen. Die haben sie in kleinen Teichen oberhalb der Straße gefunden, wo ein komplexer Lebensraum aus Tümpel, Wiese, Hecke und Wald vorhanden ist. Hier muss kein Naturschützer die Amphibien sicher über die Straße bringen, weil es keine Straße gibt – bis jetzt. Dorngrasmücke, Wasseramsel, viele Fledermausarten, Eisvogel, Gebirgsstelze und auch die Rebhühner, die mittlerweile absolut selten geworden sind, haben hier ihr Vorkommen. Bei Grafenwiesen befindet sich das FFH-Gebiet „Oberlauf des Weißen Regens“ mit EU-Schutzstatus, das sich über 638 Hektar erstreckt; ein Teil davon wäre durch den Straßenneubau betroffen.

Auf dem geplanten Trassenverlauf machte Schmidberger auf eine weitere Rarität aufmerksam. An einem sonnigen Feldrain zeigte er kleine Löcher, die Eingänge zu Überwinterungshöhlen der Feldgrille. „Feldgrillen zirpen nur im Mai, zur Paarungszeit“, erklärte der LBV-Fachmann. Nach der Eiablage sterben die erwachsenen Tiere. Die geschlüpften Larven häuten sich und überwintern in genau solchen Bauen. Was man später im Sommer zirpen höre, seien alles Heuschrecken. Durch die intensive Bewirtschaftung selbst kleiner Wiesen findet man immer weniger „Ranga“, und zudem verschwindet durch die häufige Mahd der Lebensraum vieler Arten und somit die Arten selbst. Die europaweite Agrarmaschinerie übe Druck auf die Landwirtschaft aus, so dass immer weiter intensiviert würde, bedauerte der Naturschützer.

Einen ganz anderen Aspekt brachte ein kundiger Teilnehmer ins Spiel: Bei Grafenweisen erhebt sich ein steinzeitlicher Hügel, eine so genannte Freilandstation, auf dem sich unsere Vor-Vorfahren für einen längeren Zeitraum aufhielten. Spezielle Steinsplitter zeugen von der frühen Besiedlung auf dieser typischen Stelle mit Wasser, Nahrungsmitteln in Form von Fischen und geschützt vor dem Hochwasser. Wenn man das weiß, bekommt der Gedanke, diesen Abschnitt des Regentals für kommende Generationen zu erhalten, noch eine viel größere Dimension.

 

Was bisher geschah:

2008                      Planfeststellungsverfahren; der BUND Naturschutz lehnt in einer Stellungnahme die Verlegung der St 2140 auf der von der Regierung der Oberpfalz favorisierten Plantrasse nachdrücklich ab und befürworten einen Ausbau der bestehenden Straße.

10.01.2009          Gründung eines Aktionsbündnisses für den Erhalt des Weißen-Regen-Tals aus BN, LBV und betroffenen Bürgern

28.03.2009          Abstecken und Sichtbarmachen der geplanten Straßentrasse mit Flatterband

04.04.2009          Informationsveranstaltung des Aktionsbündnisses mit MdL Dr. Magerl

19.05.2009          Demonstration in Regensburg und Unterschriftenübergabe an RP Brigitta Brunner

16.06. und 21.06.2009 Verkehrszählungen durch das Aktionsbündnis

22.06.2009          Bürgerbegehren „Gegen den Bau der Nordspange“; knappe Niederlage beim Bürgerentscheid

25.06.2009          Petition des Aktionsbündnisses wird an die Staatsregierung überwiesen

2015                    Erörterungsverfahren seitens der Regierung

2018                    Umwidmung der geplanten städtischen Nordspange zu einer Kreisstraße durch den Kreistag

2019                     Das staatliche Bauamt Regensburg verzichtet auf die geplante 180 Meter lange Brücke wegen des Widerstands und neuer Rechtsvorschriften. Die ursprüngliche Planung wird offiziell eingestellt. Ein neuer Planungsentwurf soll 2022 vorgelegt werden.


22.03.2022 Wasser ist Leben - Weltwassertag am 22.3.

Im Frühjahr sind unsere Böden normalerweise wassergesättigt. Jetzt warten Landwirte und Gartler allerdings schon wieder auf Niederschläge. Aber Wasser steckt nicht nur im Boden, sondern auch in Lebensmitteln und sogar im Strom. Die BN-Kreisgruppe Cham gibt Tipps zum Wassersparen. Regionale Lebensmittel kaufen, bei Konsumgütern auf entsprechende Gütezeichen achten; Wasser sparsam verwenden, Hausbesitzer können Regenwasser nutzen.

Der Schnee ist schon seit Wochen weggetaut, Sonne und Wind trocknen seitdem die Böden aus. Die Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz in Bayern ruft anlässlich des Weltwassertages am 22. März die Bevölkerung auf, sparsam mit dem kostbaren Gut umzugehen und gibt entsprechende Tipps. „Durch den Klimawandel und vermehrte Trockenperioden haben wir auch in Bayern teilweise mit Wasserknappheit zu kämpfen. Sogar im Bayerischen Wald sind in den Sommern der letzten Jahre Bäche ausgetrocknet und Brunnen versiegt, was sogar hochbetagte „Woidler“ noch nie erlebt haben. Auch bei uns ist es also notwendig, sparsam mit Wasser umzugehen. Der mit Abstand größte Teil unseres Verbrauchs entfällt allerdings auf unsere Lebensmittel und Konsumgüter“, betont Robert Kurzmann, Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Cham.

Um eine Getränkedose herzustellen, braucht es rund 25 Liter Wasser. In einem Kilo Import-Tomaten stecken etwa 40 Liter Wasser, in einem Kilo Papier 250 bis 700 Liter, in einem Kilo Rindfleisch 5.000 Liter und in einem Auto bis zu 20.000 Liter.

„Wer den sparsamen Umgang mit Wasser in der Landwirtschaft fördern will, sollte möglichst Lebensmittel aus regionaler und ökologischer Produktion kaufen. Denn gerade die wasserärmeren Länder des Südens bekommen gewaltige Probleme durch wasserintensive Anbaumethoden sowie der Fleischproduktion. Der Grundwasserspiegel sinkt ab, das führt zu Bodenerosion, Versalzung und Versteppung. Hinzu kommen Belastungen des natürlichen Wasserhaushalts durch giftige Düngemittel und Pestizide“, erklärt Kurzmann.

Auch Strom sparen hilft, den Wasserverbrauch zu senken. Ein großer Teil des Wassers in Deutschland wird nämlich zum Kühlen in Wärmekraftwerken genutzt.

Bei Konsumgütern weisen Gütezeichen wie der Blaue Engel auf wasser- und umweltschonende Waren wie zum Beispiel Recyclingpapier aus 100% Altpapier statt umweltbelastender Frischfaserpapiere hin. Viele Produkte beinhalten sowohl große Mengen “verstecktes” Wasser wie auch „graue Energie“ aus ihrem Herstellungsprozess. So steckt etwa in einem Kilo Recyclingpapier aus 100% Altpapier mit dem Blauen Umweltengel bis zu 60 % weniger Wasser als in Primärfaserpapier. Neben dem weitaus geringeren Wasser- und Energieverbrauch weist Recyclingpapier auch eine geringere Abwasserbelastung bei der Herstellung auf.

Auch beim „normalen“ Wasserverbrauch im Haushalt gibt es viel Einsparpotential. „Dass Duschen deutlich wassersparender ist und mindestens drei Mal weniger Wasser verbraucht als Baden, dürfte bekannt sein“, so der Vorsitzende. „Und die Start-Stopp-Taste an der Klospülung ist mittlerweile ja zum Glück auch Standard. Unser Regenwasser wird allerdings immer noch viel zu wenig genutzt. Für Gartenbesitzer sollte die Regentonne obligatorisch sein, um das Wasser zumindest für die Pflanzenbewässerung zu nutzen.“

Man kann das Regenwasser aus Zisternen im Gebäude oder ohne Raumverlust im Garten versenkt zusätzlich auch für den Haushalt nutzen. Mit einer entsprechenden Pump- und Filtertechnik kann damit die Klospülung aber auch die Waschmaschine betrieben werden. Wer eine Regenwasserzisterne nutzen möchte, sollte sich auch an seine Kommune wenden, oftmals gibt es Zuschüsse beim Bau von Regenwasseranlagen - sofern sie mit getrennten Leitungen und einer Überlaufleitung gebaut und abgenommen werden.


21.02.2022 Leserbrief zum Beitrag der BJV-Kreisgruppe Bad Kötzting

Die BJV Kreisgruppe schreibt in dem Beitrag, dass Luchstötungen vorgetäuscht würden, um die Jäger als „Luchsmörder“ an den Pranger zu stellen. Herbei wird ausführlich der Prozess gegen einen Jäger aus dem Lamer Winkl erwähnt, der auch ein Hauptproblem des Ansehens der örtlichen Jägerschaft zu Tage brachte, ohne dass die BJV-Kreisgruppe dies erwähnt und es anscheinend auch nicht ernst nimmt.

„Redseligkeit überführt Luchsjäger“ war damals in der Presse zu lesen. Aufgrund der eigenen Erzählungen gegenüber Zeugen, die er auch vor Gericht zugegeben hat, sind die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn eingeleitet worden. Bei der Durchsuchung seines Anwesens wurden illegale Waffen sowie Luchsohren und -krallen gefunden. Auf dem beschlagnahmten PC befanden sich Sucheinträge zur Tötung und Anlockung von Luchsen. Am Chamer Amtsgericht wurde daraufhin gegen den Jäger aus dem Lamer Winkl verhandelt wegen: illegalem Waffen- bzw. Fallenbesitz, dem Nachstellen und Töten von Luchsen, illegaler Wolfstötung sowie der besonders brutalen Tötung eines ebenfalls streng geschützten Fischotters.

Auch wenn das alles – wie vom angeklagten Jäger behauptet – nur „Jägerlatein“ gewesen sein soll, so hat er allein schon damit dem Ansehen der Jägerschaft massiv geschadet. Diese Rufschädigung aus den eigenen Reihen wird jedoch in dem Beitrag nicht thematisiert; eine Distanzierung hiervon findet nicht statt. Dabei ist das „Prahlen“ mit Luchstötungen durch Jäger leider kein Einzelfall. Hier ist eine glaubwürdige und entschiedene Distanzierung von solchen geltungsbedürftigen Jagdgenossen dringend erforderlich und würde dem Ansehen der Jägerschaft guttun. Mit dem Verurteilten nach der Verhandlung beim Amtsgericht Cham „auf ein Bier“ zum Lindner zu gehen ist da eher weniger hilfreich.


20.02.2022 Amphibienwanderung

Ansteigende Temperaturen locken Kröten, Frösche und Molche aus ihren Winterquartieren. Zu hunderten machen sie sich auf den Weg zu ihren Laichgewässern. Auch zahlreiche ehrenamtliche Helfer*innen werden jetzt aktiv und bauen Schutzzäune auf, um die Tiere vor dem Tod auf der Straße zu bewahren. Die bayernweite Aktion rettet jährlich 500.000 bis 700.000 Amphibien das Leben. Autofahrer aufpassen! Weitere Helferinnen und Helfer sind willkommen.

„Ab einer nächtlichen Temperatur von circa fünf Grad und insbesondere bei regnerischem Wetter sind die fortpflanzungsbereiten Tiere massenweise auf Wanderschaft. Deshalb sind in diesen Wochen wieder zahlreiche ehrenamtlich Aktive des BUND Naturschutz an Straßenrändern unterwegs, kontrollieren jeden Abend und oft auch morgens die Fangzäune und bringen die eingesammelten Tiere sicher auf die andere Straßenseite“, erklärt Robert Kurzmann, Vorsitzender der Kreisgruppe Cham.
„Bis Ende April muss man auf unseren Straßen mit den Amphibien rechnen und auch mit Menschen, die zu deren Schutz in den Morgen- und Abendstunden unterwegs sind“, so Kurzmann weiter. Im Kreisgebiet befinden sich Amphibienzäune im Raum Wald, Furth und Roding. Ehrenamtliche Helfer*innen betreuen über acht bis zehn Wochen lang die Übergänge. Im letzten Jahr konnten auf diese Weise etliche Erdkröten und andere Amphibienarten vor dem Tod auf den Straßen bewahrt werden.

Der Vorsitzende wünscht sich, dass die Krötenrettung im Landkreis an all diesen Strecken auch in Zukunft weiter geht: „Über die Jahrzehnte konnten wir zehntausende Kröten und Frösche vor dem Verkehrstod retten. Allerdings werden immer wieder Helfer und Helferinnen gesucht. Vor allem im Raum Roding/Strahlfeld brauchen wir die Unterstützung von Freiwilligen, um sich bei der Eimer-Kontrolle abwechseln zu können. Wer etwas Gutes tun will, ist jederzeit herzlich willkommen, mitzuhelfen.“ 
Traurig macht immer mehr Helfer*innen in den letzten Jahren, dass an vielen Übergängen die Anzahl der Tiere in den Fangeimern sinkt. Kurzmann warnt: „Wenn wir nicht entschieden gegen die Klimakrise vorgehen, werden die trockenen Sommer und Frühjahre, die wir in den letzten Jahren erlebt haben, zur Regel. Selbst Allerweltsarten wie Erdkröte und Grasfrosch könnten dann zu einem seltenen Anblick werden.“ Für die Amphibien, die aufgrund ihrer schnell austrocknenden Haut auf Feuchtigkeit angewiesen sind, müssen die Gewässer im Landkreis geschützt oder renaturiert und feuchte Wiesen und Weiden erhalten werden: „Viele Amphibien konnten wir vor dem Straßentod retten. Aber das hilft langfristig nur, wenn auch ihre Lebensräume erhalten werden.“, erinnert der Vorsitzende der Kreisgruppe Cham.

Der BN bittet alle Autofahrer in den kommenden Wochen um besondere Vorsicht und Rücksichtnahme:

  • Befolgen Sie die Geschwindigkeitsbegrenzungen an den Amphibienzäunen.
  • Achten Sie an den Stellen, an denen Amphibienzäune errichtet sind, auf die Helfer, die am Straßenrand Tiere einsammeln.
  • Reduzieren Sie Ihr Tempo auf Straßen, die an Teichen oder Feuchtgebieten vorbeiführen, auch wenn keine Warnhinweise aufgestellt sind.
  • Sie haben eine Stelle entdeckt, an der viele Amphibien überfahren wurden und an der kein Schutzzaun errichtet ist? Melden Sie sich bitte per Mail an:
    amphibien@bund-naturschutz.de

19.02.2022 Grüne Bilanz Oberpfalz - Chamer Zeitung


17.02.2022 Jetzt Eichhörnchen melden - Sichtungen liefern wichtige Erkenntnisse

Seit zwei Jahren sammelt der BUND Naturschutz mit Hilfe der Bürger*innen Daten über Eichhörnchen. Über 27.600 Eichhörnchen wurden in Bayern seitdem gemeldet, davon 125 in Cham. Das Projekt bestätigt, dass die Fellfarbe nicht nur genetisch vorgegeben ist, sondern auch Anpassung an die Umgebung sein kann. Die meisten Eichhörnchen wurden in Grünanlagen gesichtet. Projekt läuft weiter, die besten Beobachtungschancen hat man jetzt!

Im Frühjahr 2020 startete der BUND Naturschutz das großangelegte Bürger*innen-Forscherprojekt „Eichhörnchen in Bayern“. Interessierte können seither über eine App oder die BN-Homepage melden, wann und wo sie Eichhörnchen entdeckt haben und Merkmale angeben. Bis zum Herbst 2021 kamen so über 21.600 Meldungen mit insgesamt 27.600 Tieren zusammen. Allein im Landkreis Cham wurden seit dem Projektstart über 125 Tiere gemeldet. „Das ist ein großartiges Ergebnis und zeigt, dass sich viele Menschen für Eichhörnchen begeistern“, erklärt Robert Kurzmann von der BN-Kreisgruppe Cham. Die meisten Tiere wurden in Städten und Siedlungen gemeldet. Der Grund dafür ist einfach erklärt. „Die Nager lieben unsere kommunalen Grünanlagen mit altem Baumbestand und lassen sich dort besonders gut beobachten. Das zeigt auch, wie wichtig naturnahe Räume in der Stadt und in den Kommunen sind. Sie bieten unzähligen Tieren Lebensraum und Nahrung. Baumbestände und Grün-Achsen in der Siedlung sind grauen Parkplätzen oder Schotter-Gärten unbedingt vorzuziehen. Nicht nur Eichhörnchen und Co profitieren von Bäumen, sondern auch die Menschen halten sich gern in ihrem Schatten auf, von der kühlenden Wirkung auf das Lokalklima ganz zu schweigen ", so Kurzmann weiter.

Nicht nur Rot oder Schwarz

Unsere Eichhörnchen können in einer Vielzahl von unterschiedlichen Fellfarben vorkommen. Neben dem klassischen roten Fell sind ebenso verschiedenste Braun- und Grautöne möglich, auch ganz schwarze Tiere werden immer wieder gesichtet. Nur der Bauch ist bei unseren heimischen Eichhörnchen immer weiß. „Das Fell ist wichtig für die Tarnung“, erklärt der Fachmann. „Von oben gesehen können Feinde die Eichhörnchen nur schlecht von der Rinde unterscheiden und von unten gesehen verschmilzt der weiße Bauch mit dem hellen Himmel“. Über die Ursachen der variantenreichen Fellfärbungen haben Wissenschaftler in der Vergangenheit bereits viel diskutiert. Die vorherrschende Meinung, dass man im Laubwald eher rötliche und im Nadelwald sowie in höheren Lagen mehr braun-schwarze Tiere antrifft, wird durch das bayerische BN-Projekt bestätigt. „Die bisher eingegangenen Daten sind sehr gut und verraten uns eine Menge über das Verhalten und die unterschiedlichen Fellfarben der Eichhörnchen. Richtig gute Aussagen über die geographische Verteilung der Nager können wir aber erst treffen, wenn wir mehr Daten - auch aus größeren Waldgebieten - erhalten und die Meldungen mehrere Jahre miteinander vergleichen“, sagt der Naturschützer.
 

Beste Beobachtungszeit: jetzt

Die Bäume haben noch nicht ausgetrieben, die Kronen sind kahl. Eigentlich sind Eichhörnchen lieber allein unterwegs, doch derzeit hat man gute Chancen mehrere Tiere gleichzeitig zu entdecken. Denn: je nach Lebensraum und Ernährungszustand nehmen gerade viele der Nager an der Paarungszeit teil.  „Bessere Bedingungen für die Eichhörnchen-Beobachtung gibt es nicht“, betont Kurzmann. „Die Tiere verfolgen sich die Bäume rauf und runter und springen von Krone zu Krone, doch das Weibchen bestimmt immer das Geschehen. Kurze aggressive Kämpf zwischen mehreren Männchen können dabei stattfinden. Dabei wird die Situation vom Weibchen interessiert beobachtet. Und nach einer oft langen Werbung entscheidet sich das Weibchen dann für einen Partner“, so der Vorsitzende der Kreisgruppe weiter.

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Helfen Sie dem BN Eichhörnchen-Daten zu erfassen, um herauszufinden, wie es den Tieren in Bayern geht und wie sie in unseren Städten, Dörfern und Wäldern zurechtkommen. Ziel ist es, mehr über ihre Verbreitung zu erfahren und das Wissen über Entwicklung und Zustand der Eichhörnchen-Populationen zu verbessern. Freiwillige melden dem BUND Naturschutz, wann und wo sie Eichhörnchen gesehen haben – schnell und einfach über die BN-Webseite oder noch einfacher mit der Smartphone-App „Eichhörnchen in Bayern“, die es für Android und iOS Betriebssysteme kostenfrei zum Download gibt.
 


04.02.2022 Wie die Energiewende in Bayern gelingen kann

Cham.- „Bayerns Schönheit bewahren – Klima schützen“ war Titel eines Vortrags, zu dem die Kreisgruppen Cham und Fürth des BUND Naturschutz eingeladen hatten. Michael Remy, Energiereferent des BN, erklärte in dem Online-Vortrag, wie Erneuerbare Energien die Versorgung in Bayern sicherstellen können und welche Änderungen dazu nötig sind. Im Anschluss daran fand eine lebhafte oberpfälzisch – fränkische Diskussion der Teilnehmer statt.

Auch wenn es in den letzten Jahren nicht mehr so oft Thema war, geht die Gletscherschmelze relativ unbemerkt und in rasantem Tempo weiter. Diese Tatsache und Starkregenereignisse wie im letzten Jahr im Ahrtal zeigen: „Unser Klima gerät außer Kontrolle.“ Michael Remy, Energiereferent des BN, erklärte, dass in Bayern das internationale 1,5 Grad – Ziel schon längst übertroffen wurde. Der gemessene Temperaturanstieg von 1951 bis 2019 beträgt im Freistaat bereits 1,9 Grad, was auf die Binnenlage fernab von Meeren zurückzuführen ist. „Das absolute CO2 -Budget, das in Bayern bis 2040 zur Verfügung steht, beträgt nur noch 650 Millionen Tonnen – bei einem derzeitigen Verbrauch von ca. 80 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr“, sagte Remy. Deswegen ist es dringend notwendig, in der Energiepolitik umzusteuern, und das schnell und entschlossen in den nächsten sieben Jahren, um zumindest rechnerisch das 1,5 Grad-Ziel einzuhalten. Sonst müssten wir mit weiteren Katastrophenereignissen rechnen.

Wie ist dieses Ziel zu erreichen? „Energiehunger einsparen und Elektrifizierung“ nannte der Referent die Lösungen aus einer Studie der TU München. Um in Bayern bis 2040 klimaneutral zu sein, brauchen wir 100 Prozent Erneuerbare Energien und 50 Prozent Energieeinsparung. „Mit knapp 50 Prozent Windenergie, knapp 50 Prozent Photovoltaik und einem kleinen Rest an sonstigen wie bestehenden Wasserkraftwerken oder Geothermie ist das in Bayern zu schaffen“, sagte Remy überzeugt. Bei Dunkelflaute, also in einer windstillen Nacht, kommen Speicher ins Spiel. Mit diesen in Kombination mit Kraft-Wärme-Kopplung und Biogasanlagen „ist die Versorgung mit Erneuerbaren Energien technisch möglich“, so der Referent. Um das zu schaffen, muss aber zwingend die 10H-Regel fallen, die besagt, dass ein Windrad nur so hoch sein darf, wie die zehnfache Entfernung zur nächsten Siedlung. Außerdem braucht es eine gute und schnelle Regionalplanung in Bayern unter Berücksichtigung von Natur- und Artenschutz.

Wenn man Wasserstoff wieder zu Strom macht, verliert man bis zu 75 Prozent der Energie und daher ist die Nutzung nur bei Spezialfällen sinnvoll. Die stellenweise neu erwachte Euphorie für Atomkraftwerke teilt der Fachmann nicht. „Gefährlich, kein geeignetes Endlager bis 2070, der Ausbau würde viel zu lang dauern und Atomstrom ist vier Mal so teuer wie Wind und Photovoltaikanlagen“, so Remy.

„Energie verschwenden beenden“ trifft die Situation bei uns ganz gut. Im Bereich der Gebäudedämmung sind große Einsparpotentiale vorhanden. Aber auch im Alltag gibt es Möglichkeiten, zu denen der Experte Tipps gab. „Jedem muss klar sein: Stand-by-Modus aus, keine Ladekabel in der Steckdose stecken lassen, beim Kauf einer neuen Steckerleiste eine mit Kippschalter wählen.“

Er nennt die Umstellung „anspruchsvoll, aber zu schaffen“. Aber weitere und schlimmere Katastrophen durch Extremwetter kann wirklich niemand wollen.

 

Atomkraft nein danke – Windkraft ja bitte!

Michael Remy erklärte neue Erkenntnisse zur Windkraft.

  • Auch in einem so sonnenreichen Land wie Bayern ist im Winter Windkraft absolut notwendig.
  • Windkraftanlagen mit Bürgerbeteiligung erzeugen nicht nur Strom, sondern auch finanzielle Erlöse vor Ort.
  • In Bayern benötigt man etwa 2,5 Kilowatt pro Einwohner aus Windenergie.
  • Tierschutz ist durch sensible Sensorsysteme und Abschaltung möglich – sogar tierartspezifisch.
  • Die Lärmemissionen sind in vierhundert Metern Abstand vergleichbar mit dem Lärm einer leisen Straße.
  • Bei der Berechnung des Infraschalls hatte man sich um den Faktor 10.000 verrechnet, was der frühere Wirtschaftsminister Altmaier öffentlich erklärte.

 


03.02.2022 Grüne Bilanz - Interview mit dem Kreisvorsitzenden Robert Kurzmann

Für Naturschutzverbände war 2021 kein einfaches Jahr. Veranstaltungen mussten abgesagt werden, Aktivitäten konnten nur eingeschränkt durchgeführt werden. Wir sprechen mit dem Vorsitzenden der Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz, Robert Kurzmann, über seine grüne Bilanz 2021.

Herr Kurzmann, pauschal über den grünen Daumen gepeilt: War 2021 ein gutes oder schlechtes Jahr für die BN-Kreisgruppe?
Ich ziehe eine positive Bilanz. Der Umwelt- und Klimaschutz ist noch einmal besonders in das Bewusstsein der Menschen gelangt. Die schlimmen Flutkatastrophen in ganz Deutschland und die Auseinandersetzungen um Flächenverbrauch und Straßenbauprojekte haben die Leute sensibel gemacht. Das belegt auch das bayernweite Mitgliederwachstum im BN um 6000 Personen auf den Höchststand von 261.000 Mitgliedern. Auch die Kreisgruppe Cham hat mittlerweile mehr als 1200 Mitglieder. Wir sehen dies als enormen Rückenwind.

Verlässt Sie nicht manchmal die Zuversicht, als Kreisgruppe etwas ändern zu können?
Nein, überhaupt nicht. Gerade auf Kreis- und Ortsebene gibt es viele Stellschrauben und Möglichkeiten für einen konsequenten Umwelt- und Klimaschutz. Auf regionaler Ebene ist es so wichtig, immer wieder als „grünes Gewissen“ Natureingriffe anzuprangern und gleichzeitig Alternativen aufzuzeigen. Nur so können wir die gesamtgesellschaftliche Aufgabe bewältigen, unsere Lebensgrundlagen auch für die nachfolgenden Generationen zu schützen.

Wie ist Ihnen das im letzten Jahr gelungen?
Da gab es viele Aktionen und Projekte, die auch heuer weitergeführt werden. Zum Beispiel die Wildkatze, eines der umfangreichsten Projekte. Seit 2012 beteiligt sich die Kreisgruppe an dem bayernweiten „Wildkatzensprung“ des BUND Naturschutz. Insgesamt 127 Lockstöcke wurden von 2012 bis 2021 über den ganzen Landkreis verteilt. 35 Lockstockbetreuer*innen waren bisher an dem Wildkatzen-Monitoring beteiligt. Ca. 5000 ehrenamtliche Stunden wurden dabei geleistet.

Wie muss man sich das konkret vorstellen?
Ehrenamtliche der Kreisgruppe setzten und betreuten von Januar bis April die Lockstöcke. Im Optimalfall reibt sich eine Wildkatze daran und kann anhand von Haarproben identifiziert werden. Unterstützt wurde die Kreisgruppe dabei auch von Ehrenamtlichen und Mitarbeitern von Bergwacht, LBV, Bayer. Staatsforsten, UNB, BJV und Naturpark. Alle Materialkosten zur Ausstattung der Betreuer wie auch die Gebühren für die DNA-Analysen musste die Kreisgruppe stemmen. Doch der Aufwand hat sich gelohnt: eindeutige genetische Nachweise belegen, dass im Landkreis Cham die Wildkatze zurückgekehrt ist. Seit 2021 stehen zusätzlich vier Kobel im Nachweisgebiet, die vom Naturpark-Ranger in Zusammenarbeit mit dem Forstbetriebsleiter Voithenberg betreut werden. Der Nachweis einer erfolgreichen Nachzucht wäre der absolute Höhepunkt im Wildkatzenprojekt der Kreisgruppe. Ein weiteres erfolgreiches Projekt wurde nach dem Volksbegehren „Rettet die Bienen“ 2020 gestartet.

Sie meinen die Ansaat von Blühflächen?
Nein. Der Grundgedanke ist, dass an Böschungen, Weg- und Straßenrändern standortgerechte Blütenpflanzen schon vorhanden sind. Sie können sich aber wegen der praktizierten Mulchmahd gegenüber Gräsern nicht durchsetzen. Die Initiative „Blühende Wegränder“ soll zunächst auf einer Teststrecke in Hohenwarth die blühende Vielfalt an den Straßenrändern fördern.
Durch eine späte Mahd vonseiten der Gemeinde und das Herausrechen und Entfernen des Mähguts durch Aktive des BN und Hohenwarther Bürgern wird die Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten erhöht. Bürgermeister und Gemeinderat hatten sich von Anfang an offen hierfür gezeigt, erhält doch die Gemeinde mehr Blühflächen ohne Mehraufwand; bei einer Ausweitung spart sie sogar Geld, weil geeignete Straßensäume nicht mehr jährlich gemäht werden sollen, um auch zweijährige Blühpflanzen zu fördern. Damit auch unsere Kinder und Enkel den Schachbrettfalter noch fliegen sehen.

Da haben Sie ja trotz Corona einiges bewegen können.
Dank unserer freiwilligen Helfer, ja. Corona war sogar eine Art Geburtshelfer für unser neuestes Projekt…

Das müssen Sie näher erklären!
Wir konnten den Lockdown 2020 durch Telefonsprechstunden zur „Energiewende von unten“ gut überbrücken. Dabei haben wir gemerkt, dass Themen wie Elektromobiltät, Heizen mit erneuerbaren Energien oder der Wechsel zu Ökostrom die Leute umtreiben und auf großes Interesse gestoßen sind. Daraus entwickelte sich ein Treffen von E-Auto-Fahrern mit sozusagen offener Autotür, von privat für privat, bei dem Interessierte alles zur E-Mobilität fragen konnten. Da konnten wir einige Vorbehalte ausräumen, denn E-Mobilität in Kombination mit PV-Anlagen ist eine wirkliche Alternative zu Verbrennern.

Gab es auch Rückschläge in Ihrer Arbeit als Kreisgruppe?
Leider ja. Den Auwald am Silbersee konnten wir nicht retten. Trotz massiver Beschwerden aus der Bevölkerung, Informations- und Diskussionsveranstaltungen hielt das Wasserwirtschaftsamt an dem vor zehn Jahren in Absprache mit dem Landesamt für Umwelt gefassten Beschluss fest, den letzten noch verbliebenen Auwald am Silbersee zu entfernen. Mit der vollständigen Rodung der Auwälder entlang der Stauseen, die überwiegend aus Weidengehölzen bestanden, verschwand eine wichtige Nahrungsquelle für Insekten und Lebens- und Brutraum für Vögel. Noch dazu wurde auch eine größere Menge an CO2 freigesetzt, weil die Wurzelstöcke entfernt wurden. Und das Arracher Moor, das begleitet uns schon sehr lang.

Das hört sich etwas frustriert an.
Man sollte wissen, dass intakte Moore nicht nur eine große Artenvielfalt aufweisen, sondern auch unverzichtbar zur Bekämpfung des Klimawandels sind. Obwohl sie nur 3 % der Landfläche ausmachen – Wälder ca. 30 % - speichern Moore doppelt so viel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt. Um 2040 Klimaneutralität zu erreichen, will Bayern bis dahin 55 000 ha Moore wieder renaturieren; das wären 2750 ha pro Jahr. Tatsächlich waren es in der Vergangenheit jedoch nur ca. 135 ha pro Jahr. Beim Naturschutzgebiet Arracher Moor versucht die Kreisgruppe seit Jahren, die Wiedervernässung voranzubringen, um den Moorkörper zu erhalten. Im Managementplan von 2006 wird das als wichtigste und vordringlichste Maßnahme genannt. Aber es gibt dort Interessenskonflikte, die unser Vorhaben blockieren. Deswegen wird das auch 2022 mit ein Schwerpunktthema sein.

Was haben Sie 2022 sonst noch geplant?
Eine ganze Menge. Durch Mitgliederspenden konnte ein Niedermoor an der Bayerischen Schwarzach gerettet werden. Im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten wollen wir dort weitere Nachbargrundstück erwerben. Spenden sind willkommen! Unser Projekt „Blühende Wegränder“ werden wir weiterführen und ausdehnen. Die Gemeinde Grafenwiesen ist dem BN-Projekt gegenüber aufgeschlossen und will sich diesen Sommer ebenfalls daran beteiligen. Die „Energiewende von unten“ wird ein wichtiges Thema bleiben. Am 10. April haben wir ein zweites E-Auto-Treffen geplant. Und wir hoffen wirklich sehr, dass wir heuer endlich wieder Umweltbildung mit Schulen durchführen können!

Das alles geht natürlich nur mit Helfern. Demnächst steht wieder Amphibienschutz an, für die blühenden Wegränder suchen wir auch Freiwilllige, um nur zwei Beispiele zu nennen. Wir sind mit großem Engagement und Freude dabei und heißen jedes neue Mitglied herzlich willkommen. Sich für die gute Sache einzusetzen ist unglaublich erfüllend - sei es ehrenamtlich selber aktiv zu werden oder einen finanziellen Beitrag zu leisten.

Herr Kurzmann, vielen Dank für das Gespräch.


11.01.2022 Richtig Heizen im Winter – sechs Tipps für den Umweltschutz

BUND Naturschutz erklärt, wie man Heizkosten sparen und damit die Umwelt schützen kann. Jedes Grad zählt, richtig Lüften, Rollläden nachts runter, Dämmung verbessern.

Die Energiepreise in Deutschland sind in den letzten Monaten auf Rekordwerte gestiegen, bei einer 100-Quadratmeter-Wohnung liegen die Gas-Kosten derzeit bei ungefähr 110 Euro pro Monat. Zudem schadet die Verbrennung von Gas und Öl unserem Klima. Dabei kann man mit einigen wenigen Maßnahmen, die Heizkosten erheblich verringern und damit zugleich das Klima schützen. Die Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz in Bayern gibt sechs Tipps fürs effektive Heizen:

1. Jedes Grad zählt
Jedes Grad weniger Raumtemperatur spart rund sechs Prozent Energie!
Deshalb sollte man genau überlegen, wie warm ein Raum tatsächlich sein muss. In der Küche reichen oft 18 oder 19 Grad, da Herd und Kühlschrank mitheizen. Im Schlafzimmer genügen sogar schon 17 Grad, um eine geruhsame Nacht zu haben. Die Ersparnis ist enorm: Wer in einer 100-Quadratmeter-Wohnung die Temperatur nur um ein Grad senkt, spart knapp sieben Euro Gaskosten im Monat, wird die Heizung noch weiter runtergedreht, erhöht sich die Ersparnis entsprechend.

2. Das Thermostatventil nicht voll aufdrehen
Egal, ob der Heizkörper auf fünf oder drei gestellt wird, der Raum heizt gleich schnell auf - nur auf fünf wird viel mehr Energie verbraucht. Die Stufen des Thermostatventils stehen nur für die Höchsttemperatur, die erreicht werden soll. Auf Stufe drei heizt man beispielsweise auf angenehme 20 bis 21 Grad.

Stufen an der Heizung bzw. auf dem Thermostatventil:
* (Sternchen): ca. 5 Grad, Frostschutz
Stufe 1: ca. 12 Grad
Stufe 2: ca. 16 Grad
Stufe 3: ca. 20 Grad
Stufe 4: ca. 24 Grad
Stufe 5: ca. 28 Grad

3. Nachts Rollläden runter
Richtig heizen im Winter heißt vor allem, möglichst wenig Wärme entweichen zu lassen. Um den Wärmeverlust über die Fenster zu verringern, sollten daher bei Einbruch der Dunkelheit die Rollläden runtergelassen und Vorhänge oder Jalousien geschlossen werden.

4. Nachts und wenn niemand in der Wohnung ist: Heizung runter!In der Nacht sollte die Raumtemperatur etwa im Wohnzimmer um etwa fünf Grad reduziert werden. Steht sie tagsüber auf dreieinhalb sollte sie also auf zwei runtergedreht werden. Bei modernen Fußbodenheizungen mit elektronischer Steuerung sollte man analog entsprechende Einstellungen vornehmen. Achtung: Die Heizung nicht komplett runterfahren! Auch nicht, wenn die Wohnung für einige Tage nicht bewohnt ist. Die Wohnung und auch das Mobiliar kühlen zu sehr aus und es dauert umso länger, wieder eine wohnliche Temperatur in den Raum zu bekommen. Das kostet jede Menge Energie.

5. Stoßlüften statt Dauerkippen
Neben dem richtigen Heizen ist auch das richtige Lüften enorm wichtig, um Energie zu sparen. Ziel ist ein effizienter Luftaustausch in möglichst kurzer Zeit. Das geht am besten, indem man morgens und abends für ein paar Minuten die Fenster weit öffnet – am besten Querlüften. Bei Kippfenstern dauert der Luftaustausch sehr lange, die Wohnung kühlt aber trotzdem aus, vor allem das Mauerwerk um das Fenster herum, was wiederum bewirkt, dass sich der Raum nach dem Lüften langsamer wieder aufheizt. Wichtig beim Stoßlüften: Vorher das Thermostatventil herunterdrehen! 

6. Dämmung verbessern
Am wenigsten Energie fürs Heizen braucht man, wenn das Haus keine Energie verliert. Je besser die Dämmung und je energiesparender die Fenster sind, desto mehr sinkt der Energieverbrauch fürs Heizen. Bitten Sie Ihren Vermieter hier um Verbesserungen oder nutzen Sie Ihre Möglichkeiten als Hausbesitzer. Der Staat bietet dafür attraktive Förderungen.