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Vorkommen der Wildkatze im Landkreis Cham

Seit 2012 streifen viele Ehrenamtliche im ausgehenden Winter durch die Wälder, um Lockstöcke mit Baldrian zu präparieren und auf mögliche Wildkatzenhaare zu kontrollieren. Schwerpunktmäßig wurde in Wäldern mit Laub- oder Mischwald entlang des Wildkatzenwegeplans gesucht. 2016 gelang der erste Nachweis im Gebiet Gibacht/Voithenberg. Es handelte sich um einen Kuder, dessen Haare an mehreren Lockstöcken gefunden wurden und der sich seitdem in diesem Revier aufhält. Zum letzten Mal wurde er 2019 aufgespürt. Gleichzeitig gelang 2016 der Nachweis einer Kätzin. Die Hoffnung auf Nachwuchs hat sich jedoch bisher nicht erfüllt, und die Spuren der Kätzin wurden seitdem auch nicht mehr an den Lockstöcken gefunden.
 

Karten mit Lockstöcken und Wildkatzennachweisen

Die nachfolgenden Karten geben einen Überblick über die gesetzten Lockstöcke und die Wildkatzenfunde im Landkreis Cham. Die rot ausgefüllten Punkte stehen für gesetzte Lockstöcke; nur die rot umrandeten Punkte markieren Wildkatzenfunde. Dunkelgrüne Füllung bedeutet, dass hier ein Kuder gefunden wurde; hellgrüne Füllung steht für den Nachweis eines weiblichen Tieres; weiße Füllung heißt, dass eine Wildkatze nachgewiesen wurde, das Geschlecht jedoch nicht festgestellt werden konnte.

Im Folgenden sehen Sie Kartenausschnitte des Landkreises gegen den Uhrzeigersinn, beginnend im Nordwesten, dann im Südwesten, Südosten und schließlich im Nordosten, wo wir die Wildkatze entdeckt haben.


Frühlingsgefühle der Wildkatze helfen bei der Spurensuche

2019 ist unsere 7. Lockstocksaison. Seit dem Start des Projekts „Wildkatzensprung“ 2012/2013 waren wir jeden Winter auf der Suche nach der Wildkatze. Die Ranzzeit der europäischen Wildkatze beginnt bereits im Winter und so sind wir wieder auf Spurensuche nach neuen Nachweisen im Landkreis. Die Frühlingsgefühle während der Paarungszeit lassen die Kuder auf der Suche nach einem Weibchen umherstreifen. Um die Verbreitung zu bestimmen, bedienen wir uns der sog. Lockstock-Methode und nutzen als Lockstoff den Baldrian. Sein Geruch ist den Sexuallockstoffen der Wildkatze sehr ähnlich und zieht die Tiere magisch an. Einmal in der Woche werden die Lockstöcke nach Haaren abgesucht, und dies 8 Wochen lang. Heuer werden ca.65 Lockstöcke von 25 Personen kontrolliert.

So scheu und zurückgezogen wie sie lebt, bekommen selbst Jäger und Förster sie nur äußerst selten zu Gesicht. Tagsüber ruht sie in ihren Verstecken, nachts wird sie zum flinken Räuber. Sie lebt vor allem von Mäusen. Ein Kuder kann dabei durch sein bis zu 30 Quadratkilometer großes Revier streifen.

Bereits 2016 konnten wir den sicheren Nachweis für dieses seltene Tier führen. Die Haaranalyse erbrachte mehrere zweifelsfreie Nachweise. Es gibt die Wildkatze in unserem Landkreis und die Ergebnisse 2017 bestätigen das Vorkommen. In diesem Jahr untersuchen wir einerseits die bekannte Wildkatzenregion, um zu sehen, ob sich die Tiere dauerhaft etablieren; andererseits überprüfen wir mögliche neue Lebensräume im Wald. Dabei orientieren wir uns an zwei Kriterien:
Die Wildkatze braucht Laub- oder Mischwälder mit sonnigen Stellen, idealerweise mit Felsriegeln und Totholzstrukturen. In reinen Nadelwäldern kommt sie eher selten vor. Und: Das scheue Tier wandert nur ganz kurze Strecken über freies Gelände. Will sie größere Entfernungen zurücklegen, bewegt sie sich immer in der Deckung von Hecken, Gebüsch oder Wäldern. So wie es für uns Wanderwege gibt, gibt es diese auch für die Wildkatze, den sog. Wildkatzenwegeplan. Der Plan zeigt potentielle Lebensräume in unserem Landkreis auf und wie diese Gebiete sinnvoll miteinander verbunden sind, damit sich die scheuen Tiere im Landkreis Cham wieder ausbreiten können.
Hauptwanderwege sind durch Nebenwanderwege verbunden. Der Hauptwanderweg bei uns im Landkreis läuft von Waldmünchen bis Furth im Wald an der tschechischen Grenze entlang und geht über den Hohen Bogen zum Osser und zum Arber. Nachweise konnten wir in der Nähe von Waldmünchen/Furth im Wald bei einer Höhenlage bis ca.800 Höhenmeter sichern, darüber fanden wir keine Nachweise mehr. Bei Schneelagen, die länger als 2 Monate andauern, kann sich die Wildkatze auch nicht mehr ernähren. Ein Nebenwanderweg zweigt vom Hohen Bogen Richtung Kaitersberg ab. Ein weiterer Nebenwanderweg geht an der westlichen Landkreisgrenze bei Rötz und dem Rodinger Forst entlang. Dieser läuft über den Pfaffenstein bei Reichenbach nach Traitsching und dann weiter Richtung Kötzting. Die Erfahrung zeigt, dass die Wildkatzen in der Nähe ihrer Wanderwege häufiger nachgewiesen werden. Deshalb haben wir 2019 den Versuch unternommen, uns an diesen Wildkatzenwanderwegen zu orientieren und dort Lockstöcke aufzustellen. Die Lockstöcke sollen mindestens 500m von Häusern und Einzelgehöften entfernt stehen und der Abstand zwischen den Stöcken beträgt einen Kilometer.

Wir hoffen, dass sich die positive Entwicklung der vergangenen Jahre fortsetzt und die Wild­katze sich weiter ausbreitet. Derzeit wird die bayerische Population auf etwa 600 - 700 Tiere geschätzt.

Früher war die Wildkatze in Bayern ausgestorben, heutzutage steht sie auf der Roten Liste. Die Wildkatze ist ein guter Indikator für den Zustand der Wälder und Waldsäume. Dort, wo sie zu Hause ist, sind die Wälder in einem guten Zustand. Wildkatzen- und Waldschutz gehören zusammen. Doch noch immer sind viele geeignete Lebensräume von der Wildkatze nicht wieder erobert werden. Es fehlen die Verbindungen, die "grünen Korridore", über die die Wildkatze und viele andere Tiere des Waldes diese Wälder erreichen. Für die biologische Vielfalt braucht es die Wiedervernetzung der Wälder, dann ist damit auch die scheue Wildkatze nachhaltig geschützt. Das langfristige Ziel des "Rettungsnetzes für die Wildkatze" ist deshalb ein Netz aus Wäldern von 20.000 km Länge über ganz Deutschland.


Wildkatzenfrühling 2016

Die Kreisgruppe Cham ist von Anfang an beim Projekt „Wildkatzensprung“ dabei. Start des Lockstock-Monitoring war im Winter 2012 mit gerade mal 10 Stöcken. Umso erfreulicher ist es, dass in diesem Winter der letzte gesetzte Stock die Nummer 76 trägt. Die vielen Stöcke werden von Ehrenamtlichen des BN betreut. Auch einige Kollegen der „Bergwacht Furth im Wald“, des LBV Cham und die Gebietsbetreuerin Naturpark Oberer Bayersicher Wald engagieren sich.

Stöcke stehen in dieser Saison 2016 in folgenden Waldregionen:

- im ganzen Waldgebiet an der tschechischen Grenze von Waldmünchen, Unterhütte, Gibacht, Voithenberg, Gleißenberg, Lixenried bis Furth im Wald
- am Dieberg
- am Hohen Bogen
- am Haidstein
- am Schwarzenberg
- im Bereich zwischen Mittagsstein und Großer Riedelstein
- im Naturschutzgebiet am Kleinen Arbersee
- am Zwercheck

Die Vorbereitungen für die diesjährige Saison 2016 im Landkreis Cham sind also nun abgeschlossen. Die Lockstöcke sind in den Wäldern gesetzt und werden nun 1 mal wöchentlich nach Wildkatzenhaaren abgesucht. In den Winter- und Frühlingsmonaten Februar bis Mai sind die Ehrenamtlichen unterwegs, bepackt mit etlichen Utensilien wie Lupe, Pinzette, Haarprobenbeutelchen und Sprühflasche. Die eingesammelten Haarproben werden zwischengelagert und am Ende der Saison ins Labor verschickt.