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13.01.2023 Leserbrief zum Beitrag: „Ein Schandfleck verschwindet“

von Robert Kurzmann

Es ist schön, dass Bauherr Günter Stelzer nach eigenem Bekunden („Es tut mir im Herzen weh, dass wir sieben Bäume entfernen müssen…“) ein Herz für alte Bäume hat. Wenn er allerdings die Notwendigkeit diese fällen zu müssen mit der Sorge um die Gesundheit der zukünftigen Bewohner verbindet („große Gefahr für Mieter, die dort einziehen“), sollte er dies aus nachfolgenden Gründen noch einmal überdenken.

Eine konkrete Gefahr ist von den Bäumen bisher nicht ausgegangen, ansonsten wäre der Biergartenbetrieb in der Vergangenheit darunter nicht möglich gewesen. Ein Pflegeschnitt zur Gefahrenabwehr und Astverjüngung wurde bereits erfolgreich durchgeführt. Aktuell sind die Edellaubbäume in einem gesunden Zustand mit vitaler Krone und könnten – wenn man sie ließe – noch mehrere hundert Jahre altern; dabei weiterhin ihren Beitrag zur Verbesserung des Stadtklimas leisten. Bisher haben die Besucher des Biergartens die Verdunstungskühle und den Schatten der großen Baumkronen in heißen Sommermonaten zu schätzen gewusst. Nicht anders wird es den zukünftigen älteren Bewohnern des geplanten barrierefreien Wohnens ergehen, denn gerade dieser Personenkreis leidet besonders unter auch in Zukunft zunehmenden Hitzeperioden und weist dabei erhöhte Sterblichkeitsraten auf. Es wird Jahrzehnte dauern, bis die geplante Neuanpflanzung einen Aufenthalt auf den S-O-Balkonen für Senioren in solchen Zeiten erträglich macht und ein Aufheizen des Gebäudes verhindert.

Zusätzlich belegen Studien noch zahlreiche positive gesundheitliche Wirkungen für Atemwege, Herz-Kreislauf- sowie Immunsystem; wie z.B. auch die klinische Studie von Prof. Ulrich: Patienten mit Blick auf einen Baum konnten deutlich früher aus dem Krankenhaus entlassen werden, der Schmerzmitteleinsatz war signifikant geringer und die Wundheilung beschleunigt.

Während Umweltminister Glauber eine klimarobuste Ulme, bei der Vorstellung des ZSK-Leitfadens für Kommunen (= Zentrum Stadtnatur und Klimaanpassung der TU München), im November in Forchheim pflanzt, auf den vorsorgenden Gesundheitsschutz solcher Bäume in den Städten hinweist, und diese als unverzichtbar in Zeiten des Klimawandels bezeichnet, sollen hier die Laubbäume gerodet werden. Ähnlich Baudenkmälern stellen sehr alte Bäume auch nicht ersetzbare, erhaltenswerte Kulturgüter dar. Es liegt nun am Stadtrat Furth im Wald, der in dieser Hinsicht vorausschauend eine Baumschutzverordnung erlassen hat, hier beim Bauherrn Überzeugungsarbeit im Sinne des ZSK-Leitfadens zu leisten, um die alten Bäume zu erhalten. Es gibt auch Beispiele im Landkreis wo bei entsprechendem Bauherrenwillen kreative Planer die Bäume erhalten und in das Bauvorhaben integrieren konnten; zum Vorteil von Stadt und Bewohnern.