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10.07.2021 Ein tierisch gutes Leben von der Geburt bis zur Schlachtung

Exkursion zum Biohof Hofbauer

25 % Bio-Betriebe bis 2030 hat sich die EU auf die Fahnen geschrieben. Bayern hat die Forderungen des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ übernommen und will 30 % ökologische Landwirtschaft im Freistaat umsetzen. Der Landkreis Cham hinkt da weit hinterher: von ca. 3 % zur Jahrtausendwende ist der Anteil in 2 Jahrzehnten auf gut 4 % gestiegen. Die Besichtigung von Bio-Betrieben ist daher neben der Herausgabe des Bio-Einkaufführers für den Landkreis Cham ein fester Bestandteil im Jahresprogramm der BN-Kreisgruppe. Verbraucher sollen Einblick in die Produktion von Bio-Lebensmittel erhalten, wie auch umstellungsinteressierte Landwirte sich über Chancen und Probleme des ökologischen Landbaus aus erster Hand informieren können. So stieß in diesem Jahr die ausgeschriebene Hofbesichtigung des Bio-Hofes Bergbauer auf großes Interesse von Verbrauchern und Landwirten. Mehr als 50 Personen fanden sich bei strahlendem Sonnenschein auf dem „realen Bilderbuchhof“ in Großbergerdorf ein.

Wetterbedingt hatte sich der größte Teil der Rinderherde in den weitläufigen, schattigen Offenstall zurückgezogen, wo Heerscharen von Schwalben lästige Insekten in Grenzen hielten. Lediglich der von Bäuerin Claudia Aschenbrenner-Bucher als sehr brav beschriebene schwarze Angusbulle trotzte mit kleinem Gefolge den lästigen Plagegeistern auf der fast bis an den Horizont reichenden Weide. Schemenhaft zu erkennen war dort noch der Ausläufer des Biberprojektes Holderbach, wo der BN in Zusammenarbeit mit örtlichen Landwirten einen Lebensraum für den Biber mit großer Artenvielfalt geschaffen hat.

Zu Beginn der Veranstaltung wies BN-Kreisvorsitzender Robert Kurzmann darauf hin, dass laut einer neuen Studie selbst 25 % Öko-Landbau die Defizite der Landwirtschaft wie z.B. Gewässerbelastung, Verlust an Biodiversität oder Klimaschäden, nicht ausgleichen kann; vielmehr müsse auch die konventionelle Landwirtschaft tiefgreifend umgestellt und in erheblichen Maße ökologisiert werden (Prof. Dr. Wilbois, Hochschule Weihenstephan-Triesdorf). Diese Umweltleistungen müssen auch bezahlt werden, daher muss die Agrarpolitik weg von der Flächenprämie hin zu einer Gemeinwohlprämie, so der Kreisvorsitzende. Der Sektor Landwirtschaft sei nicht nur ein Problem beim Klimaschutz, sondern auch Teil der Lösung. Im ökologischen Landbau werden im Schnitt 1 Tonne Treibhausgase pro Hektar und Jahr eingespart. Zusammen mit den weiteren Vorteilen ist laut Prof. Wilbois der Nutzen hier wesentlich höher als aktuell gefördert wird.

Dennoch ist es der Landwirtsfamilie Bucher gelungen, entgegen dem Trend der Spezialisierung und Intensivierung, durch Reduktion, Vielfalt und Selbstvermarktung ihren Betrieb auf gesunde Beine zu stellen. Vom ursprünglichen Milchviehbetrieb mit knapp 100 Kühen und Melkroboter auf rund 50 Rinder in Mutterkuhhaltung, ergänzt durch Schweine alter Rassen sowie „Wanderhühnern“, wie Claudia Aschenbrenner-Bucher den Betrieb vorstellte. Bei Letzteren konnte der Bestand auf mittlerweile 4500 erhöht und gleichzeitig die entsprechenden Absatzmärkte erschlossen werden. Was durchaus auch eine Herausforderung war, nahm die Listung bei einem Discounter wie Edeka oder Rewe doch 14 Tage Büroarbeit in Anspruch. Selbst „unmoralische Angebote“ wie 9 Cent für ein Bioei muss man erst einmal westecken können. Durch die mobilen auf den weitläufigen Flächen verteilten Hühnerhäuser verursachte anfangs der Habicht größere Ausfälle; dieses Problem löste sich durch am Hof brütende Turmfalken, die diesen nicht in ihrem Nestumfeld dulden, wusste die Bäuerin zu berichten. Nach dem Einsatz von Antibiotika befragt – weil in der Hühnerhaltung weit verbreitet – gab sie zur Antwort, dass dies bisher noch nie eingesetzt werden musste. Gleichwohl, wenn es die Tiergesundheit erfordert und der Tierarzt dies feststellt, würden auch in Ausnahmefällen Antibiotika eingesetzt. Hier gibt es jedoch im Biobereich strenge Vermarktungsregeln, die unter Umständen dann nur eine konventionelle Vermarktung erlauben.

Dass artgerechte Tierhaltung und Tierwohl am Biohof Bergbauer im Vordergrund stehen wird nicht nur an der Tiergesundheit, sondern auch an der Qualität der Produkte sichtbar. So erhielt ihr „Dryaged“ Rindfleisch aus hofeigener, stressfreier Schlachtung eine Qualitätsauszeichnung. Was wohl mit ein Grund war, dass sich etliche Besucher hiermit aus dem hofeigenen Automaten eindeckten, bevor sie den Nachhauseweg antraten.

 


29.06.2021 Friedliche Insektenjäger – die Hornissen sind unterwegs

Man erkennt sie an ihrem tiefen Brummen und ihrer Größe: Hornissen. Wer diese Insekten im Garten hat, sollte sich glücklich schätzen – steigt doch damit die Chance, im Spätsommer auf der Terrasse einen Kuchen genießen zu können ohne von Wespen gestört zu werden. Überhaupt ist das meiste, was man von diesen großen Insektenjägern angeblich weiß, schlicht falsch. Der BUND Naturschutz (BN), Kreisgruppe Cham gibt Tipps zum Umgang mit den Tieren im Garten.

Eine Hornisse ist drei bis vier Zentimeter lang und damit die größte staatenbildende Wespenart Mitteleuropas. Doch anders als manche anderen Wespenarten sind Hornissen tolerante und friedfertige Tiere. Zudem sind sie scheu und gehen, besser gesagt fliegen Konfrontationen gern aus dem Weg. Fühlen sie sich oder ihr Nest lebensgefährlich bedroht, können sie auch stechen. Jedoch: „Der Stich einer Hornisse ist nicht gefährlicher als der einer Honigbiene, einer Hummel oder einer herkömmlichen Wespe“, versichert Robert Kurzmann vom BUND Naturschutz. „Dass Hornissen Menschen und Pferde mit wenigen Stichen töten können, ist wissenschaftlich widerlegt. Das Gerücht hält sich leider hartnäckig, doch an der Behauptung ist nichts dran“, so der Vorsitzende der Kreisgruppe Cham weiter. Gefährlich ist ein Stich nur im Mund- oder Rachenraum, aber nicht wegen des Giftes, sondern weil dort eine Schwellung das Atmen behindern kann. Besonders aufpassen müssen Allergiker, denn sie können auf bestimmte Eiweißkörper reagieren, die im Gift von Hornissen enthalten sind. Personen mit einer Bienengiftallergie sind nicht automatisch gegen Wespen oder Hornissen allergisch. Wer sich hier nicht sicher ist, sollte das fachärztlich prüfen lassen. Glücklicherweise muss man beim Frühstück im Freien keine Angst vor unerwünschten Hornissenbesuchen auf dem Marmeladenbrot haben. Hornissen haben kein Interesse an Süßem, was nur Wenige wissen. Auch Kuchen oder süße Limo lockt sie nicht an. Deshalb kommt ein Stich im Mund und Rachen auch kaum vor.

Wirklich gefährlich sind sie nur für andere Insekten oder Raupen, die für die Ernährung ihres Nachwuchses besonders wichtig sind. Die dicken Brummer sind geschickte Jäger. Auf ihrem Speiseplan stehen Fliegen, Bremsen, Motten und auch Wespen, Bienen oder Libellen – daher die Bezeichnung „Insektenjäger“. Gejagt wird meistens im Flug – Tag und Nacht. Deshalb landen Hornissen bei geöffnetem Fenster nachts auch mal im Haus. Künstliches Licht irritiert sie nämlich. „Hornissen sind rund-um-die-Uhr aktiv. Das ist auch nötig, da ein großes Hornissen-Volk täglich ein halbes Kilo Insekten vertilgt und die Larven ständig gefüttert werden müssen“, erklärt Kurzmann. Die Beutejagd dient also weniger der eigenen Ernährung, sondern vielmehr der Brutpflege. Erwachsene Arbeiterinnen fressen fast nur Kohlenhydrate, also Pflanzensäfte von Fallobst und Baumrinden, Nektar von Blüten oder Honigtau der Blattläuse.

Die Riesenwespen sind durch ihre Lebensweise eine Art Naturpolizei im Ökosystem und verhindern, dass beispielsweise Wespen überhandnehmen. Umso erschreckender ist die Tatsache, dass Hornissen kaum noch Lebensräume in unserer Gegend finden. Verantwortlich dafür sind die intensiv genutzten Landschaften, artenarme Nadelwälder, Abholzung alter und hohler Bäume, die Ausbringung von Pestiziden und der Rückgang natürlicher Beutetiere. „Hornissen zählen zu den besonders geschützten Tierarten und werden durch das Bundesnaturschutzgesetz rechtlich geschützt. Sie dürfen nicht getötet und ihr Nest nicht zerstört werden. Wer Probleme mit den Tieren hat, muss einen Experten kontaktieren“, so der Vorsitzende des BN Cham.

Dabei ist ein Zusammenleben mit den Riesenwespen gar nicht so kompliziert, denn glücklicherweise meiden Hornissen Menschen wo es geht. Im Herbst stirbt das ganze Volk ab. Ein Hornissenjahr beginnt je nach Witterung zwischen April und Mai, findet seinen Entwicklungs-Höhepunkt im August und endet im Oktober. „Bis zum November schafft es kaum ein Volk, und wenn, dann so dezimiert, dass wir Menschen sie nicht mehr wahrnehmen“, sagt der Naturschützer. Es überleben im Herbst nur die begatteten Jungköniginnen, die sich für den Winter einen geschützten Unterschlupf suchen.

Folgende Tipps können das friedliche Zusammenleben von Menschen und Hornissen erleichtern:

  • Entspannt bleiben: Hornissen sind scheue Tiere. Außerhalb ihres Nestbereichs gehen sie Konfrontationen gerne aus dem Weg. Verfliegt sich eine Hornisse nachts in ein Haus, kann man das Tier durch Ausschalten des Lichtes und weites Öffnen der Fenster leicht zum Wegfliegen bringen.
  • Nester in Ruhe lassen: In einem Bereich von etwa vier Meter um das Nest reagieren Hornissen auf Störungen empfindlich und können angreifen. Hält man sich an diese „Ruhezone“, kann man den Hornissen bei ihrer interessanten Arbeit zuschauen.
  • Umsiedlung nur in Notfällen: Da natürliche Nistmöglichkeiten wie Höhlen in großen Laubbäumen an Waldrändern vielerorts fehlen, nutzen Hornissen auch Dachböden, Scheunen oder Vogelnistkästen. Selbst in Rollokästen sind die Riesenbrummer friedliche Nachbarn und Untermieter. „Da ein Hornissenvolk im Herbst stirbt, sollte jeder Gartenbesitzer bis zu diesem Zeitpunkt warten und erst dann das Nest entfernen“, erklärt Robert Kurzmann. Nur wenn sich der Bau an einer nicht tolerierbaren Stelle befindet, kann man über eine Umsiedlung nachdenken. Hierfür braucht man aber Spezialisten. Ratschläge gibt die zuständige Naturschutzbehörde des Landkreises.

17.06.2021 Die lautlose Gefahr

Igel sind wieder unterwegs. Um satt zu werden, müssen die Stachelritter manchmal mehrere Kilometer zurücklegen. Dabei begegnen ihnen viele Gefahren. Eine davon kommt sehr leise daher: Mähroboter! Die automatischen Gartenwerkzeuge sind eine Gefahr für Kleintiere im Garten und verhindern die Entwicklung blühender Artenvielfalt. Der BUND Naturschutz (BN) bittet deshalb um mehr Mut zur Wildnis. Je vielfältiger der Garten gestaltet ist und je mehr insektenfreundliche Pflanzen darin wachsen, umso wohler fühlt sich der Igel. Wer bereits einen Mähroboter besitzt, sollte die Geräte nur tagsüber arbeiten lassen und längere Zeitintervalle für den Einsatz wählen.

Sobald es dämmert, sind jetzt wieder unsere Igel unterwegs und gehen auf Nahrungssuche. Am liebsten fressen sie nachtaktive Laufkäfer – doch die werden immer weniger. „Manchmal müssen Igel weit laufen um satt zu werden. Da kommen pro Nacht schnell mal drei Kilometer und mehr zusammen“, erklärt Robert Kurzmann vom BUND Naturschutz, Kreisgruppe Cham. Der Igel gilt als Insektenfresser, frisst im Frühjahr und Spätherbst aber auch gerne Regenwürmer. Die unglaublich feine Igelnase findet jeden Leckerbissen, auch dort, wo man das Symboltier für naturnahe Gärten nicht vermuten würde - nämlich auf Rasenflächen, die von einem Mähroboter gepflegt werden.

Durchqueren Igel einen von Robotern gepflegten Rasen oder gehen dort auf Beutefang, kann das gefährlich werden. „Igel sind keine Fluchttiere. Nähert sich ein Mähroboter, harren sie aus und warten ab. Einige rollen sich zusammen - doch auch diese Strategie hilft nur großen kräftigen Tieren, die von den Sensoren der automatischen Mäher erkannt werden“, sagt Kurzmann. Kleinere Igel, Lurche und Reptilien werden nicht als Hindernis erkannt und deshalb überrollt, verletzt oder getötet. „Auch wenn viele Hersteller die Sicherheitsstandards ihrer Roboter-Modelle in den höchsten Tönen loben, bleiben die automatischen Mäher ein großes Risiko für unsere Wildtiere“, so der Vorsitzende des BN Cham weiter. Der BUND Naturschutz bittet deshalb alle Igelfreunde: Wer nicht auf den Mähroboter verzichten kann, sollte die Mähzeiten unbedingt auf den Tag verlegen und vorab gründlich kontrollieren, ob Tiere gefährdet sein könnten. Das gilt auch für den Einsatz anderer motorisierter Gartengeräte wie Fadenmäher oder Motorsensen in unübersichtlichen Ecken des Gartens.

Obwohl das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ deutlich gezeigt hat, dass sich unsere Gesellschaft mehr Artenvielfalt wünscht, sind Blumenwiesen in bayerischen Gärten eher die Ausnahme. Fast überall sieht man normale Rasenflächen. Durch häufiges Mähen verschwinden Kräuter, Wildgräser oder Moose. Knospen werden weggemäht, bevor sie entstehen. Für viele kleine Lebewesen wie Bienen, Hummeln, Grillen oder Schmetterlinge bleibt der „Rasen“ eine grüne Wüste. „Insgesamt haben wir in Bayern eine Gartenfläche von 135.000 ha. Eine riesige Fläche, die wir als lebendigen attraktiven Lebensraum oder als langweilige Rasenfläche gestalten können. Es wäre so einfach ein paar Blumen im ansonsten satten Grün zuzulassen, und schon hätte man Futter für viele Insekten“, erklärt Robert Kurzmann. Die beste Lösung wäre deshalb, Mut zu etwas mehr Wildnis im Garten zu haben und zunächst durch weniger Mähen der Artenvielfalt eine Chance zu geben. Es gibt immer Ecken im Garten, die man in ein Naturparadies verwandeln kann. Blühränder an den gemähten Rasenflächen, naturnahe heimische Heckenpflanzen, Trockenmauern, Teiche oder Totholzhaufen. „Ein igelfreundlicher Naturgarten mit heimischen Blühpflanzen, Laub- und Reisighaufen zum Verstecken ist ein Paradies - nicht nur für Igel, sondern auch für viele andere Arten. Besonders jetzt dient dichtes Altgras an und unter Sträuchern Igeln oft als Schlafstätte oder auch Jungvögeln als Versteck“, so der Naturschützer.

Machen Sie mit: Verzichten Sie auf Mähroboter! Mit Sense oder Spindelmäher verbrauchen Sie zudem keine Fremdenergie. Gestalten Sie den Rest des Gartens naturfreundlich! Mehr Infos hierzu Natürlich gärtnern: Tipps für naturgemäße Gartenarbeit (bund-naturschutz.de)

 


13.06.2021 Blühende Vielfalt am Wegesrand

Mitmachaktion des BUND Naturschutz Cham in Hohenwarth

Hohenwarth.-  Blühende Wegränder schaffen, die Nahrungsvielfalt für Insekten steigern und auch noch Kosten sparen – das klingt nach einer „win-win“-Situation. „Blühende Vielfalt am Wegesrand“, unter diesem Motto hat die Kreisgruppe des Bund Naturschutz Cham im vorigen Jahr ein Projekt in der Gemeinde Hohenwarth gestartet. Ziel ist es, Wegränder und Feldraine wieder artenreicher werden zu lassen. Mit einem kleinen Zeitaufwand kann jetzt jeder dazu beitragen, die Wegränder zum Blühen zu bringen. Alle Hohenwarther Bürger sind gefragt, denn je mehr sich beteiligen, umso erfolgreicher wird dieses Projekt.

Anfang Juli erfolgt in der Gemeinde Hohenwarth die offizielle Mahd. Ab dann kann jeder direkt vor der Haustür oder auch außerhalb des Ortes das gemähte Gras zusammenrechen und auf einen Haufen sammeln. Bei Bedarf kann das zusammengerächte Mähgut vom Bund Naturschutz abgeholt werden. Zur Erinnerung: Zusammen mit Bürgermeister Xaver Gmach und dem Gemeinderat wurde eine Teststrecke ausgewählt, bei der eine Seite der Straße nur alle zwei Jahre und die andere Seite jährlich gemäht, das Mähgut aber nach ein paar Tagen herausgerecht und weggefahren wird. Dadurch werden die Wegsäume wieder ausgemagert damit nicht nur Gras sondern auch standortgerechte Pflanzen und Blumen wachsen können, die wiederum Voraussetzungen für unsere heimischen Insekten sind. Kleintiere wie Käfer und Spinnen können sich während des zeitlichen Abstands von Mahd und Grasabfuhr in Sicherheit bringen.

Bleibt das stark zerkleinerte Mähgut beim offiziellen Schnitt der Wegränder liegen, so wie dies in unseren Gemeinden aus Kostengründen seit vielen Jahren geschieht, entsteht eine nährstoffreiche Mulchschicht für stickstoffliebende Gräser, die Blumen verdrängen und die Säume verfilzen. Damit haben dort Kleintiere keine Überlebenschance mehr. Das ist überall im Landkreis zu beobachten. Diese Mulchmahd mit dem Schlegelmäher mag zwar ökonomisch sinnvoll sein, ist aber ökologisch äußerst bedenklich. Bei der Teststrecke in Hohenwarth soll auch geprüft werden, ob Kosten dadurch eingespart werden könnten, dass die Mahd nur jedes zweite Jahr erfolgt. Ein weiterer Aspekt: Durch das Aushagern wächst weniger auf. Auch Gegenhänge von Straßengräben müssten nicht jedes Jahr gemäht werden. Die Mähkosten der Gemeinde würden im besten Fall sogar sinken.

Und bis es so weit ist, können engagierte Bürger mithelfen, die Wegränder zum Blühen zu bringen. Jeder kann direkt vor der Haustür oder auch außerhalb des Ortes das Gras zusammenrechen.; Wer das möchte, kann bei Barbara Kuchler unter der Telefonnummer 09946-902059 anrufen oder gleich der WhatsApp Gruppe „Insektenfreunde“ beitreten (siehe QR-Code). So kann man sich leichter untereinander absprechen und motivieren. Das sollte nicht schwerfallen, den Blütenpflanzen, Insekten und vielleicht sogar dem Gemeindesäckel zuliebe.

 

            


31.05.2021 Schwere Zeiten für Hüpferlinge - Bilanz der Amphibienaktion

Schwere Zeiten für Hüpferlinge– Amphibienzahlen sind rückläufig

Landkreis Cham – Die Sorgen um Erdkröte und Grasfrosch nehmen weiter zu. Eine erste Auswertung der diesjährigen Amphibienwanderung in Bayern hat ergeben, dass sich der negative Trend der letzten Jahre fortsetzt: an den meisten Amphibienzäunen wurden von den Aktiven des BUND Naturschutz (BN) noch weniger wandernde Erdkröten und Grasfrösche gezählt als in den drei Vorjahren. Diese traurige Entwicklung bestätigt auch Erika Grill von der Ortsgruppe Wald des BN.

„Viel weniger Amphibien“ waren es heuer, die an den Zäunen aufgehalten und von Helfern, darunter viele Schulkinder mit ihren Eltern, über die Straße getragen wurden. Fanden sich in Gumping schon über 1000 Tiere in einer Saison, zählte die Amphibien-Retterin in diesem Frühjahr nur knapp über 450 Exemplare. Dieser Rückgang betrifft alle Arten von Fröschen und Kröten. Schon in den letzten drei bis vier Jahren waren die Zahlen rund um Wald rückläufig. Diese Entwicklung ist in ganz Bayern zu beobachten. Eine Befragung von 19 ausgewählten BN-Kreisgruppen, darunter auch Amberg-Sulzbach und Schwandorf, zeigt bayernweit das gleiche Bild: Die Anzahl der Amphibien, die von den BN-Amphibienzaunbetreuerinnen und -betreuern gesammelt und sicher über die Straße gebracht wurde, waren an den meisten Übergängen ähnlich gering wie 2020 oder gingen gar nochmals zurück. Nur an wenigen Übergängen konnte gegenüber 2020 eine leichte Erhöhung festgestellt werden. „Diese Zahlen machen uns Riesensorgen. Wir vermuten, dass vor allem die aufeinanderfolgenden trockenen Frühjahre und Sommer der letzten drei Jahre den Amphibien zugesetzt haben und für die geringe Anzahl bei der diesjährigen Laichwanderung verantwortlich sind,“ so Uwe Friedel, Artenschutzreferent des BN. Ob und wie sich die Zahlen wieder erhöhen, falls es wieder feuchtere Jahre gibt, sei nicht vorherzusehen. Es könne für Bayerns Amphibien bereits fünf vor zwölf sein, insbesondere, weil zu befürchten sei, dass lange Trockenperioden im Frühjahr und Sommer durch die Klimakrise zukünftig eher die Regel als die Ausnahme sein werden.

Geringe Niederschläge führen zu niedrigen Wasserständen in Tümpeln, Teichen und Kleinstgewässern zum Beispiel in nassen Wiesen. Bei Amphibien, die hier ablaichen, wie zum Beispiel Grasfrosch oder Gelbbauchunke, droht bei ausbleibenden Frühsommerniederschlägen der Verlust des Laichs oder der Kaulquappen, wenn die Wasserstellen austrocknen. Die trockene Landschaft bietet zudem für die Hüpferlinge, also die das Gewässer verlassenden Jungtiere der Amphibien, sehr ungünstige Überlebensbedingungen, so dass viele schon auf dem Weg vom Laichgewässer in den Sommerlebensraum verenden. Auch können sich in mageren – weil trockenen – Sommern die Erdkröten-Weibchen auch weniger Reserven anfressen, die aber für die Paarungsbereitschaft notwendig sind. So könnten die drei aufeinanderfolgenden trockenen Sommer einfach dazu geführt haben, dass viele Weibchen nicht ausreichend genährt waren, um sich dieses Jahr auf die Laichwanderung zu begeben.

Auch in einem anderen Punkt war die Amphibiensaison heuer eher außergewöhnlich.Durch die ungewöhnlich lange Kälteperiode und Trockenphase im frühen Frühjahr hat sich die Wandersaison sehr in die Länge gezogen und den rund 6.000 freiwilligen Helferinnen und Helfern bei Europas größter Artenrettungsaktion viel Einsatz und Geduld abverlangt. Amphibien wandern in regnerischen Frühjahrsnächten mit Temperaturen von mindestens 5°C. Rund um Wald und Zell wurden die Zäune Mitte März aufgebaut und sogar bis Anfang Mai stehengelassen in der Hoffnung, dass die bis dahin geringe Zahl an Tieren vielleicht noch durch Nachzügler steigen würden, berichtet Erika Grill. Doch wenn überhaupt weniger Amphibien vorhanden sind, wandern halt auch nur weniger, und so wurden die Zäune abgebaut, um möglichen Rückwanderern nicht den Weg zu versperren.

Bayerns Amphibien haben es verdient, auch in Zeiten der Klimakrise eine Überlebenschance zu erhalten. Der BUND Naturschutz fordert daher, naturnahe Gewässer, Feuchtbiotope und Feuchtgrünland in Bayern zu erhalten und die Amphibienwanderung durch bessere Vernetzung ihrer Lebensräume, also durch Biotopverbund, zu erleichtern. Wenn breite Uferrandstreifen an stehenden und fließenden Gewässern belassen werden, sind sie ebenso förderlich, wie wenn die natürliche Auendynamik an bayerischen Flüssen in Verbindung mit natürlichem Hochwasserschutz wiederhergestellt wird. Landkreise und Kommunen sollten beim nachträglichen Einbau von Amphibienschutzanlagen an Kreis- und Ortsverbindungsstraßen finanzielle Förderung erhalten.

Neben diesen Lebensraum erhaltenden Maßnahmen müssen sie jedoch auch vor Gefahren geschützt werden, die man auf Anhieb vielleicht nicht mit Amphibienrettung in Verbindung bringt. Dazu gehört bei der Neuzulassung von Pestiziden, die Auswirkungen auf Amphibien zu prüfen. Auch der anhaltend hohe Flächenverbrauchs in Bayern reduziert das Vorkommen von Amphibien. Als langfristig wirksame und dringend notwendige Maßnahme braucht es eine ambitionierte Klimaschutzpolitik der bayerischen Staatsregierung. „Nur wenn wir in Bayern Feuchtlebensräume erhalten und neu schaffen und die Landschaft amphibienfreundlich gestalten, haben Frösche, Kröten und Molche auch in Zukunft eine Chance.“, mahnt der Vorsitzende des BN, Richard Mergner. Und Erika Grill setzt sich dafür ein, dass den Kinder auch in den kommenden Jahren das Quaken der Frösche ein vertrautes Geräusch bleibt.


20.05.2021 Endspurt: Das Hummeltelefon summt und brummt

Das WhatsApp-Postfach des bayerischen Hummeltelefons glüht. Das Mitmach-Projekt des BUND Naturschutz und des Instituts für Biodiversitätsinformation e.V. (IfBI) ist ein voller Erfolg. Rund 1200 Interessierte haben bisher 2.800 Fotos von Wildbienen zum Bestimmen geschickt. „Die Resonanz ist riesig und die Menschen sind sehr daran interessiert, die Hummelarten im eigenen Garten kennenzulernen“, so Robert Kurzmann, Vorsitzender der Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz. Die Aktion läuft noch bis zum 24. Mai, Pfingstmontag. Mitmachen ist ganz einfach: Über WhatsApp können Fotos von Hummeln mit Postleitzahl und Funddatum an das Expertenteam des IfBI geschickt werden. Jetzt gibt es ein erstes Zwischenergebnis und spannende Geschichten dazu.

Bisher wurden 2.300 Tiere und rund 1.700 Hummeln gemeldet. Klar an der Spitze stehen mit 55 % die Erdhummeln, mit viel Abstand folgen die Wiesenhummeln (9 %) und die Steinhummeln (11 %). „Der enorm große Vorsprung der Erdhummel liegt vermutlich daran, dass die aktuell fliegenden Erdhummel-Königinnen durch ihre Größe über 2 cm sehr auffällig sind und sofort als Hummeln erkannt werden“, vermutet Klaus Mandery vom IfBI. Auch fliegen die vier Arten des Erdhummel-Komplexes bereits früher als manch andere. Vergleiche zum letztem Jahr lassen allerdings vermuten, dass ihr Anteil im Laufe des Projektes wieder sinken wird.

Bestimmung gar nicht so einfach

Hummeln zu erkennen, ist nicht immer ganz einfach und oft bekommt das Expertenteam Bilder von anderen Wildbienenarten oder besonders flauschigen Fliegen zugeschickt. Häufig verwechselt werden Hummeln mit der Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea) oder der Gehörnten Mauerbiene (Osmia cornuta). Auch die putzigen Wollschweber, die eigentlich zu den Fliegen gehören, landen des Öfteren in den Postfächern der Experten - obwohl viele Wollschweber-Arten als Gegenspieler der Wildbienen gelten! Denn: Einige Arten schießen ihre Eier in die Nester solitär lebender Bienen, wo die Fliegen-Larve zunächst den Proviant und später die Bienen-Larve frisst.

„Auch, wenn es immer wieder zu Verwechslungen kommt, ist das nicht schlimm. Im Gegenteil: Nur aus Fehlern zieht man einen wirklichen Nutzen und verbessert seine Artenkenntnis. Aus diesem Grund freuen wir uns über jede*n interessierten Teilnehmer*in “, sagt die Hummelexpertin Carolin Sommer vom IfBI.

Spannende Geschichten

Das Interesse der Teilnehmer an den Brummern ist enorm. Die Hummelliebe geht sogar so weit, dass eine Familie eine nicht-flugfähige Erdhummel-Königin adoptierte und sie nun mit Blüten und Zuckerwasser versorgt, da sie sich alleine nicht mehr ernähren kann. Tagsüber darf die Hummel draußen herumlaufen und nachts in einem Terrarium schlafen. „Wir bekommen regelmäßig Updates, was die Hummel so treibt und wie toll sich um sie gekümmert wird“, freut sich Tarja Richter von IfBI. Mehr Infos und Updates gibt es auf https://www.instagram.com/ifbi_ebern/ und https://www.ifbi.net/Hummeltelefon.

Weiterhin Mitmachen

Die Aktion geht noch bis zum 24. Mai - jeder kann mitmachen! Ob im heimischen Garten, gemütlich auf dem Balkon oder beim Spaziergang in der Natur: Ausgestattet mit Handy oder Fotoapparat können die fliegenden Brummer abgelichtet werden. Wer Hummeln entdeckt und wissen will, um welche Art es sich handelt, kann Fotos mit entsprechendem Funddatum und Postleitzahl über den Messengerdienst „WhatsApp“ an die Nummer 0151/18460163 schicken. Das Experten-Team des IfBi bestimmt die Hummelart und trägt die unterschiedlichen Funde in eine Karte ein. „Je mehr typische Hummel-Merkmale auf den Fotos abgelichtet sind, desto schneller kann die Art bestimmt werden“, erklärt Robert Kurzmann vom BUND Naturschutz. Trotzdem bittet der Insektenfreund darum, nur maximal drei Fotos zu schicken, damit die Durchsicht nicht zu viel Zeit in Anspruch nimmt und die Nachrichten bald beantwortet werden können.


15.05.2021 Serie "Ein Garten für Schmetterlinge"

4.Teil: Schwalbenschwanz und Wilde Möhre


08.05.2021 Blühende Wegränder Hohenwarth jetzt mit Schild

Hohenwarth – „Blühende Wegränder in Hohenwarth“ heißt eine Initiative der Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz (BN). Wegsäume beinhalten oft wahre Schätze für die Insektenwelt. Auf einer Teststrecke bei Oberzettling parallel zur Umgehungsstraße arbeiten Naturschützer daran, die blühende Vielfalt zu fördern. Im Beisein von Bürgermeister Xaver Gmach wurden auf diesem Teilstück jetzt zwei Tafeln aufgestellt, auf denen das Projekt kurz beschrieben und bebildert ist.

Auf etwa 36 Kilometer beläuft sich das Straßennetz in Hohenwarth, dessen Ränder von der Gemeinde eigenverantwortlich gemäht werden müssen. Das macht immerhin zwei Hektar Fläche, selbst wenn man nur von einem schmalen Wegsaum ausgeht, rechnet Barbara Kuchler vom BN vor. Durch geeignete Maßnahmen wie eine späte Mahd vonseiten der Gemeinde und das Herausrechen und Entfernen des Mähguts durch Aktive des BN werden blühende Kräuter auf Dauer gefördert. Eine Seite der Teststrecke wird nur alle zwei Jahre gemäht, so dass auch zweijährige krautige Pflanzen die Chance zum Aufblühen bekommen. Damit wird die Vielfalt von Pflanzen- und Tierarten erhöht. Denn der vorherrschende Bewuchs von Gräsern am Straßensaum ist für die meisten Insekten nicht sehr einladend.

Xaver Gmach und der Gemeinderat hatten sich von Anfang an offen für das Projekt gezeigt, bei dem sich Vorteile für alle Beteiligten ergeben. Die Gemeinde erhält mehr Blühflächen ohne Mehraufwand. Sollte sich das geänderte Mähkonzept ausweiten, spart sie sogar Geld, weil manche Straßensäume nicht mehr jährlich gemäht werden. Die BN-Engagierten fördern die Vielfalt unter Pflanzen und Tieren. Dass die Verkehrssicherheit gewährleistet bleibt, ist dabei selbstverständlich.

Diesen Sommer wird das Projekt fortgesetzt. Alle Hohenwarther können mithelfen und quasi vor der eigenen Haustür den Straßensaum ausmagern. Jede und jeder wo man will und wieviel man rechen will – vorher kurz Bescheid geben, damit das Mähgut weggefahren werden kann – das ist der Plan, der auch möglichen Corona-Beschränkungen gerecht wird. So können die Hohenwarther Bürger mit geringem Aufwand zusammenhelfen, um eine größere Blüten- und Insektenvielfalt in ihrer Heimatgemeinde zu erreichen. Damit auch ihre Kinder und Enkel den Schachbrettfalter noch fliegen sehen.


28.04.2021 Leserbrief zum Sanddickicht von Roger Mayer in der Chamer Zeitung

Original Leserbrief:

STELLUNGNAHME ZUR BERICHTERSTATTUNG AUS DEM KREISTAG ÜBER DIE DISKUSSION ZUR HERAUSNAHME VON FLÄCHEN AUS DEM LANDSCHAFTSSCHUTZGEBIET VOM 20.4.21
Der Bund Naturschutz Cham sieht Klärungsbedarf bezüglich der Rechtfertigung von Landrat Löffler im Kreistag zur Zerstörung des Waldbiotops Sanddickicht.
In der letzten Kreistagssitzung wurde abermals die Herausnahme von mehreren Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet (LSG) diskutiert. Nur vereinzelt hinterfragen Kreistagsabgeordnete die Notwendigkeit dieser Maßnahmen, stoßen aber bei ihren Kollegen und Kolleginnen und im Besonderen beim Herrn Landrat nur auf Unverständnis und Ablehnung. Immer wieder kommt in dem Zusammenhang das Thema Sanddickicht auf den Tisch und es ist zu beobachten, wie versucht wird, mit falschen Behauptungen diesen Umweltskandal schön zu reden. Landrat Löffler rechtfertigt erneut die damalige LSG-Herausnahme und die erteilte Ausnahmegenehmigung zur Rodung des Waldbiotops mit der drohenden Abwanderung des US Unternehmens CROWN nach USA.
Tatsache ist aber, dass CROWN seinen Rodinger Betrieb auf den großflächig vorhandenen Freiflächen des bestehenden alten Industriegebietes im Sanddickicht erweitern konnte - außerhalb des LSG! Die umstrittene Rodung des gesetzlich geschützten Flechten-Kiefernwaldes und die LSG-Herausnahme, wurden 2015 mit der Betriebsverlagerung einer Eierfärberei und einer Firma zur Sandaufbereitung begründet. Das hatte mit der Rettung der Firma CROWN nichts zu tun. Erst 2018 wurde eine weitere Erweiterung der Firma CROWN in Betracht gezogen. Stand heute ist jedoch noch keine einzige Industrieansiedelung auf dem doch so wichtigen Standort des gerodeten Waldbiotops zu erkennen. Wo sind die Arbeitsplätze, die im öffentlichen Interesse und mit einer Ausnahmegenehmigung der untere Naturschutzbehörde, die Zerstörung gesetzlich geschützter Biotope möglich machten?

Aus Sicht des BN war die erteilte Ausnahme nach Art.23 Abs.3 BayNatSchG eindeutig ein Abwägungsfehler. Wie befürchtet, stellte sich heraus, dass die unvermeidbaren und notwendigen Industrieansiedelungen nun doch nicht realisiert werden müssen. Noch bevor das Obere Verwaltungsgericht in München das Vorhaben stoppen konnte, nutzte BG Reichold aus Roding die Gelegenheit und schaffte mit der vorgezogenen Rodung vollendete Tatsachen.
Der Bund Naturschutz hatte sich für den Erhalt des Waldbiotopes eingesetzt und ausführlich aufgezeigt, dass noch ausreichend alternative Industrie- und Gewerbeflächen im Bereich Roding und darüber hinaus im Landkreis Cham vorhanden oder entwickelbar wären. So hätten z.B. die Potentiale im Bereich des B85-Ausbaus bei Altenkreith und bei der Ortsumgehung Neubäu berücksichtigt werden müssen.

Hier geht es nicht um Verhinderung oder Abwanderung von Industrie, sondern um eine nachhaltige umweltverträgliche Planung. Es geht um den Erhalt wertvoller Lebensräume und nicht um einen interkommunalen Wettbewerb bei der Ausweisung neuer Industriegebiete. Der LK Cham ist bayernweit für seine Genehmigungspraxis bekannt. Entsprechend prägen Flächenverbrauch und Zersiedelung die Entwicklung unseres Landkreises. Es hat sich gezeigt, dass der Landkreis hier keine Vorbildfunktion übernehmen
kann. Der Druck aus den Amtsstuben der BürgermeisterInnen ist zu groß. Die Genehmigung von Flächennutzungsplänen muss wieder auf die Regierung übergehen!
 


28.04.2021 Auf der Suche nach dem Eichhörnchen

Sie lieben Nüsse und erfreuen sich großer Beliebtheit, wenn sie mit ihrem buschigen Schwanz die Bäume rauf und runter jagen – die Eichhörnchen. In den letzten Jahren scheinen sie jedoch an manchen Orten im Landkreis Cham seltener geworden zu sein. Täuscht dieser Eindruck oder sind die flinken Nager mittlerweile tatsächlich in Städten häufiger anzutreffen als auf dem Land oder im Wald? Wo kommen unsere Eichhörnchen besser zurecht? So genau weiß das bisher niemand. Diesen Umstand will der BUND Naturschutz (BN) mit Hilfe von engagierten Bürgerforschern ändern.

Seit einem Jahr sammelt der BN über eine eigene-Eichhörnchen-App dazu Daten. „Das Projekt soll helfen, mehr über die Verbreitung unserer heimischen Eichhörnchen zu erfahren. Je mehr wir wissen, umso besser können wir sie und ihren Lebensraum schützen“, erklärt Richard Mergner, Landesvorsitzender des BUND Naturschutz. Denn obwohl Eichhörnchen in Bayern noch flächendeckend verbreitet sind, leiden sie sehr unter dem rasanten Verlust unserer Stadtbäume. Nun gibt es eine erste Bilanz: Die Resonanz bei der Bevölkerung ist sehr gut und die Daten bieten viele Möglichkeiten. Das Projekt geht somit in die nächste Runde.

„Die Natur unserer Städte und Wälder verändert sich durch den Klimawandel, der mit der Biodiversitätskrise einhergeht. Wir brauchen mehr Daten, um die neuen Dynamiken zu verstehen und unsere Natur besser schützen zu können“, sagt Mergner. Aus diesem Grund startete der Verband bereits im April 2020 das großangelegte Citizen Science Projekt „Eichhörnchen in Bayern“. Bürgerforscher sollen helfen, Daten zu erfassen, um herauszufinden, wie es den Eichhörnchen in Bayern geht und wie sie in unserer modernen Landschaft zurechtkommen. „Mehr als 10.400 Meldungen mit rund 12.500 Tieren wurden seit Projektstart gemeldet. Das sind sehr hoffnungsvolle Zahlen für ein Pilotprojekt. Die Menschen haben großes Interesse an Eichhörnchen und möchten sich aktiv an ihrem Schutz beteiligen“, freut sich die BN-Referentin für Mitmachprojekte, Martina Gehret. „Die Nager gehören vielleicht zu den beliebtesten Wildtieren. Sie sind schwindelfreie Kletterer, fleißige Nusssammler und sehr anpassungsfähig. Trotzdem haben sie es zunehmend schwer, gute Lebensräume zu finden“, so Gehret weiter. Ursprünglich kamen die Eichhörnchen in Wäldern vor. Als sogenannte Kulturfolger sind sie aber auch in Städten und Gärten anzutreffen. Dort ernähren sie sich von energiereichen Baumsamen und -früchten, die aber erst ab einem gewissen Baumalter produziert werden. Alleen, Gärten, Friedhöfe oder Parks – Eichhörnchen haben unsere Städte erobert. Dort sind sie noch häufig anzutreffen, aber nur dort, wo es ältere Bäume gibt. Die jedoch werden immer weniger, weil ihnen Bodenverdichtung, fehlender Wurzelschutz bei Bauarbeiten, Streusalz und Wassermangel schwer zu schaffen machen. Deshalb kommt es in Städten häufig vor, dass Eichhörnchen ihre Kobel an ungeeigneten Orten wie Blumenkästen und Balkonen errichten. „Es wurden sogar Eichhörnchen gemeldet, die alte Specht-Löcher an Hausfassaden nutzen, und dort ihre Jungen großziehen“, sagt Gehret.

Wirft man einen Blick auf die interaktive Bayernkarte der BN-Projektseite, gewinnt man den Eindruck, dass die kleinen Nager nur in der Stadt leben. „Der Schein trügt. Momentan sind mehr Bürgerforscher in den Städten und Siedlungen unterwegs und melden dort ihre gesichteten Tiere. Keine Sorge! Es gibt sie noch – die Eichhörnchen im Wald“, schmunzelt Gehret. „Allerdings wissen wir noch nicht, wie sich der zunehmende Verlust alter Bäume in Laub- und Mischwäldern auf die Lebensraumwahl und Streifgebietsgröße des Eichhörnchens auswirkt. Hierfür brauchen wir mehr Daten. Aus diesem Grund freuen wir uns besonders über vermehrte Beobachtungen aus größeren Waldgebieten,“ erklärt die Projektverantwortliche. Jeder kann mitmachen und Eichhörnchen-Forscher werden. Jede Beobachtung zählt! Über die BN-Webseite oder noch einfacher mit der Smartphone-App „Eichhörnchen in Bayern“, die es für Android und iOS Betriebssysteme kostenfrei zum Download gibt, können die Beobachtungen gemeldet werden. Eine erste Bilanz zum Projekt findet man unter Ergebnisse 2020 - BUND Naturschutz in Bayern e.V. (bund-naturschutz.de)

Für Rückfragen: Martina Gehret, martina.gehret@bund-naturschutz.de, Tel: 0911/57529418, mobil: 0160/5640529


24.04.2021 Serie "Ein Garten für Schmetterlinge"

3. Teil: Aurorafalter und Wiesenschaumkraut

Der Schönste der Schönen

Die Schönste der Schönen hebt jeden Morgen mit ihren Rosenfingern den dunklen Schleier der Nacht an und färbt den Himmel zartorange – die Rede ist von Aurora, einer Göttin aus dem Geschlecht der Titanen. Das Männchen des Aurorafalters ist nicht auf, sondern mit den Flügeln der Morgenröte unterwegs. Betrachtet man seine Flügelspitzen, erkennt man, warum der Schmetterling seinen Namen aus der griechischen Mythologie erhielt.

Der Aurorafalter ist klein, aber durch die einzigartige Färbung der Vorderflügel sind zumindest die Männchen nicht zu übersehen. Halb weiß und halb orange sehen sie tatsächlich so aus, als wären die Flügel orange überhaucht worden. Beim Weibchen sind die Vorderflügel einfach weiß mit einer schwarzen Spitze. Ein weiteres Merkmal der Art ist die sehr attraktive Unterseite der Hinterflügel, die gelb-schwarz-weiß gesprenkelt ist. Sind beim Nektarsaugen an den Blüten die Flügel geschlossen, kann man sie bei beiden Geschlechtern gut erkennen.

Der Natur- und der Nutzgarten von Karola Jackisch vom BUND Naturschutz gehören beide zu der Zählstrecke des Tagfaltermonitorings, das sie regelmäßig dort durchführt. Der Aurorafalter ist bereits ab Mitte April zu sehen. Die Art ist leicht zu bestimmen und sehr gut zu beobachten. Er ist nicht gefährdet und weist sogar eine positive Bestandsentwicklung auf; 2019 war das Jahr mit den höchsten Meldungen seit Bestehen des Monitorings 2007.
Wenn der Winter vorbei ist, schlüpft der Aurorafalter als einer der ersten Falter aus der Puppe. Die Nahrungspflanzen für die Raupen und die erwachsenen Tiere blühen nur im Frühling, weshalb auch die Falter nur in dieser Jahreszeit fliegen. Von April bis Juni heißt es also die Augen offenhalten, wenn man diesen schönen Schmetterling beobachten will, denn im Sommer fehlt er komplett in der Natur.

Viele blühende Pflanzen werden vom Aurorafalter angeflogen, wobei er die weiß- und violett blühenden Arten bevorzugt. Gerne saugt der Falter an der Knoblauchsrauke, der Nachtviole, dem Silberblatt, der Gänsekresse, der Echten Sternmiere und anderen Kreuzblütlern. Die wichtigste Pflanze für den Schmetterling ist und bleibt aber das Wiesenschaumkraut, an dem sich der erwachsene Falter am Nektar labt und nachts sogar darauf schläft. Wie praktisch, gleich auf dem gedeckten Frühstückstisch aufzuwachen! Auch seine Eier legt er dort ab, und die Raupe, wen wundert‘s, frisst an den Blüten. Anders als bei Arten, die auf eine einzige Pflanze angewiesen sind, nehmen die Aurora-Raupen auch diverse wild wachsende Kreuzblütler wie die Hellerkraut-Arten, Meerrettich und viele andere als Nahrung an. Doch in einem Punkt sind sie wählerisch: Es müssen schon Blüten und Früchte sein, Blätter werden nur zur Not gefressen. Dabei hört der Spaß komplett auf, denn weil die Blüten einer Pflanze kaum für eine Raupe reichen, werden Artgenossen sogar angegriffen und gefressen. Hier tobt der Konkurrenzkampf richtig heftig!

Haben sich die Raupen fett gefressen, verpuppen sie sich im Juni an den Stängeln ihrer Nahrungspflanzen. Dabei befestigen sie sich am Hinterende, hängen aber nicht kopfüber herab, wie die Puppen vieler anderer Falter. Stattdessen werden sie durch ein dünnes Halteband um die Körpermitte mit dem Pflanzenstängel verbunden und dadurch in aufrechter Position gehalten. Man spricht dann von einer „Gürtelpuppe“. Aurorafalter verbringen die längste Zeit ihres Lebens in dieser Entwicklungsform, in der sie auch überwintern. Erst im April des Folgejahres schlüpft der erwachsene Falter; es gibt also nur eine Generation pro Jahr.

Seine natürlichen Lebensräume sind in allererster Linie Saumbiotope. Zu diesen gehören Waldmäntel, Wegränder und Lichtungen. Dabei kommt dem Zeitpunkt des Mähens sowie dem Vorkommen der Wirtspflanzen eine wichtige Bedeutung zu. Was viele nicht wissen: Der hübsche Aurorafalter kann im Naturgarten oder naturnahen Garten einen vollwertigen Lebensraum finden, so dass sich dort sehr gut alle Entwicklungsstadien vom Ei bis zum Falter beobachten lassen.

 

Unwiderstehlich für den Aurorafalter: Das Wiesenschaumkraut

Das Wiesenschaumkraut gehört zu der Familie der Kreuzblütler und ist eine einheimische Wildstaude. Sie wächst auf feuchten Wiesen und in feuchten, lichten Wäldern. Ihr Name kommt von einem anderen Insekt, das diese Pflanze einfach unwiderstehlich findet, nämlich der Schaumzikade. Die aus den Eiern geschlüpften Larven stellen den typischen Schaum her, der wie eine Mini-Klimakammer wirkt und sie vor Feinden verbirgt. Im Volksmund ist das Wiesenschaumkraut auch unter dem Namen Kuckucksspeichel, Muttertagblume oder Himmelfahrtsblume nach seinem Blühzeitpunkt bekannt. Von April bis Juni entwickelt es unzählige kleine weiße und rosafarbene Blüten und verwandelt ganze Wiesen in ein Blütenmeer. In dieser Zeit wird die pollen- und nektarreiche Wildstaude gerne von BienenSchmetterlingen und anderen Insekten besucht wie zum Beispiel von der Sandbiene, einer Wildbienenart, deren wichtigste Pollenquelle das Wiesenschaumkraut ist. Der bevorzugte Standort liegt im Halbschatten. Sofern der Boden immer feucht ist, verträgt die winterharte Staude aber auch volle Sonne. Auf einer feuchten Wiese unter Bäumen gedeiht die Pflanze besonders prächtig. Verwandt mit der Brunnenkresse ist sie wie diese essbar. Gesammelt wird kurz vor der Blüte im April. Wiesenschaumkraut hat einen leicht scharfen, würzigen Geschmack und erinnert an Kresse. Die jungen Blätter lassen sich als leckere Zutat zu Wildkräutersalat verarbeiten, klein gehackt würzt die Pflanze Frischkäse und Quark.

Wildblumensäume können gut zu artenreichen Lebensräumen für die Schmetterlinge werden. Beim Aurorafalter ist es ist besonders einfach, ihm ein dauerhaftes Refugium im Garten bereitzustellen. Zum einem kommt er fast überall vor und zum anderen ist die Art recht mobil und wird sich überall dort fortpflanzen, wo sie geeignete Bedingungen vorfindet. Entscheidend ist das Vorkommen geeigneter Wirtspflanzen wie dem Wiesenschaumkraut oder der Knoblauchsrauke. Jedoch müssen die Pflanzen auch unbedingt während der Eiablage und der Entwicklungszeit der Raupen im Garten stehen bleiben. Ein guter Standort ist der Übergang von Wiese zu Hecke. Man sucht eine Fläche entlang einer Hecke aus, wo die Futterpflanzen ungestört wachsen können. Oft ist es im schattigen Teil feuchter und nährstoffreicher und somit für Wiesenschaumkraut, Knoblauchsrauke, Nachtviole und Silberblatt gut geeignet. Gemäht darf jedoch erst Ende Juli werden. Die Raupen können sich dann einen Verpuppungsplatz in der Hecke suchen. Auch trockene Stängel, oft direkt an ihrer Fraßpflanze, kommen infrage. Diese müssen aber im Winter stehen bleiben können. Wenn man den Falter ganzjährig im eigenen Garten halten will, geht es ohne diese Verpuppungsstellen nicht. Eine Möglichkeit ist, immer einen Streifen Altgras über den Winter bis zum Mai stehen zu lassen. Im nächsten Jahr kann man dann einen anderen Streifen stehen lassen, so haben außer dem Aurorafalter auch noch eine Vielzahl anderer Schmetterlinge eine gute Chance zu überleben.

Natürlich gibt es auch noch Alternativen, damit sich der Aurorafalter bzw. seine Raupen entwickeln können. Auch Wildblumenwiesen oder ein Wildblumenbeet können einen überlebenswichtigen Rückzugsraum bieten, immer vorausgesetzt, dass die vertrockneten Blütenstängel den Winter über bis Mitte April stehen bleiben können. Dann hat man gute Chancen, im Frühjahr den Aurorafalter in seinem Garten begrüßen zu können – wie die Göttin der Morgenröte, die jeden Morgen wieder mit ihrem zarten Licht erscheint und die Dunkelheit vertreibt.


17.04.2021 Serie "Ein Garten für Schmetterlinge"

2. Teil: Kleiner Fuchs und Brennessel


06.04.2021 Vogelstimmen-Hotline

Wer singt denn da? Frag den „Vogelphilipp“!

Die Sonne strahlt, und überall hört man frohes Vogelgezwitscher. Passend dazu startet am 01. April der BUND Naturschutz (BN) mit der Vogelstimmen-Hotline von Philipp Hermann in die neue Saison. „Wer wissen will, welche Vögel in seiner Umgebung singen, kann ab sofort den Gesang mit dem Handy aufnehmen und über WhatsApp an den „Vogelphilipp“ schicken“, erklärt Kreisvorsitzender Robert Kurzmann vom BUND Naturschutz. Jeder kann mitmachen und dadurch seine Artenkenntnis verbessern. Der einzigartige WhatsApp-Service läuft bayernweit den ganzen Monat April.

Über 250 Vogelarten sind in Deutschland als Brutvögel zu Hause, davon sind mehr als die Hälfte sogenannte Singvögel. In Wäldern, Gärten und Parks kann man sie sehen und vor allem hören. Doch wer singt da genau? Das und mehr beantwortet im April der „Vogelphilipp“. Der Landshuter Ornithologe heißt eigentlich Philipp Herrmann und hilft als „Vogelphilipp“ den Gesang unserer heimischen Vögel zu erkennen, um damit ein Bewusstsein für die Vielfalt unserer Vogelwelt zu schaffen. Das ist auch ein großes Anliegen des BUND Naturschutz: Artenkenntnis fördern! „In ganz Bayern finden regelmäßig spezielle Veranstaltungen statt, die Kinder, Jugendliche und Erwachsene für den Naturschutz begeistern und die Artenkenntnis fördern sollen. Die Vogelstimmenhotline mit dem „Vogelphilipp“ ist eines dieser Angebote“, so der BN-Kreisvorsitzende.

Den bayernweiten Service der BN-Vogelstimmenhotline kann jeder Interessierte gratis und kinderleicht nutzen: Einfach den Vogelgesang mit dem Smartphone über die Sprachnachrichtenfunktion von WhatsApp aufnehmen und an die Nummer +49 160 4424450 schicken. Der „Vogelphilipp“ hört sich jede einzelne Aufnahme genau an und gibt persönlich Bescheid, welcher Vogel singt. Oft gibt es sogar noch ein paar Zusatzinformationen über die Art und ihren Gesang als Dreingabe dazu.

Die Hotline gibt es in diesem Jahr bereits zum sechsten Mal – anfangs nur für Landshut, seit zwei Jahren für ganz Bayern. Der BN möchte auf diesem Weg mehr Menschen für die Schönheiten der Natur begeistern. „Wir freuen uns über jeden der mitmacht und eine Nachricht an den „Vogelphilipp“ schickt“, erklärt Robert Kurzmann. Die Freude über die Aktion ist auch bei den Teilnehmern groß. Jedes Jahr beantwortet Philipp Hermann mehr als 5.000 Anfragen. „Ich wollte unbedingt ein Angebot schaffen, das man unterwegs ganz einfach nutzen kann, ohne erst eine App herunterladen zu müssen – ein Handy mit WhatsApp hat fast jeder immer dabei“, so Herrmann. „Hier bekommt man über einen sehr persönlichen Service vom Experten seinen Vogel bestimmt, das motiviert die Teilnehmer enorm.“ unterstreicht Herrmann.


03.04.2021 Serie: "Ein Garten für Schmetterlinge"

1.Teil: C-Falter und Salweide


29.03.2021 Torffrei und umweltgerecht gärtnern

Es geht wieder los: Die Gärtnereien und Baumärkte haben geöffnet, die Gartensaison beginnt. Bereits im Eingang der Geschäfte stapeln sich Säcke mit Pflanzenerde. Viele Hobbygärtner greifen dabei auf die gewohnte Blumenerde zurück. Doch man sollte wissen, dass die meisten Produkte überwiegend aus Torf bestehen – der Stoff, aus dem die Moore sind. Schon beim Kauf von Erde kann jeder etwas für Klimaschutz und Artenvielfalt tun. Der BUND Naturschutz gibt hierzu wertvolle Tipps.

Mit großer Freude beobachten wir das Erwachen der Natur. Damit beginnt im Garten unser Tatendrang. Der erste Weg führt uns in den Baumarkt – frische Erde kaufen. Lange Zeit wurden die Bestandteile gekaufter Blumenerde nicht hinterfragt. Wichtig ist, dass die Pflanzen darin gut gedeihen. Doch mittlerweile weiß man, dass handelsübliche Blumenerde überwiegend aus Torf besteht. Torf kann man nur durch den Abbau natürlicher Moore gewinnen; diese werden dabei zerstört. „Moore bestehen aus Torf, der sich im Laufe tausender Jahre aus den abgestorbenen Teilen von Pflanzen bildet und damit Kohlenstoff speichert. Torfabbau ist nicht nur schädlich für Moore und damit fürs Klima, sondern auch überflüssig, denn kaum eine Gartenpflanze braucht Torf“, erklärt Robert Kurzmann vom BUND Naturschutz, Kreisgruppe Cham.

Torffreie Erde – den Mooren zuliebe

Für den Torfabbau werden Moore entwässert. Dadurch verlieren seltene und vom Aussterben bedrohte Tiere und Pflanzen, von denen viele nur in Mooren vorkommen, ihren Lebensraum. In Deutschland sind 92% der Moore trocken und verursachen mit ca. 47 Mio. Tonnen Co2-Äquivalenten einen Anteil von etwa 5,3 % der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen. In Bayern ist der Torfabbau weitgehend eingestellt, daher kommt der meiste Torf aus den natürlichen Mooren Ost-Europas. „Moore vor allem im Baltikum und Osteuropa werden zerstört. Dabei bräuchte es das gar nicht, denn mittlerweile gibt es in jedem Gartencenter torffreie Erde zu kaufen“, weiß Kurzmann. Dabei muss man genau hinschauen. „Bio-Erde“ bedeutet nicht gleich torffrei! Der BUND Naturschutz bittet darum, auf torffreie Erde zurückzugreifen, die seit einigen Jahren eine wirklich gute Alternative bietet. Moor- und Klimaschutz kann so einfach sein – sogar beim Gärtnern!

Auch beim Düngen kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Pflanzen benötigten Nährstoffe, um gut wachsen zu können. Stickstoff spielt dabei eine wichtige Rolle. Doch überschüssige und fehlplatziere Düngemittel werden ausgewaschen und landen im Grundwasser. Noch dazu gelangen laut Umweltbundesamt jährlich 50 Kilogramm Stickstoff pro Kopf in die Umwelt, das meiste davon über die Landwirtschaft. Erfahrene Hobbygärtner verwenden daher schon immer Kompost. Der liefert der Pflanze nach und nach alle wichtigen Nährstoffe, die sie braucht und hat noch viele andere positiven Wirkungen auf das Wachstum.

Eigentlich sollte es selbstverständlich sein, dass die Giftspritze in der unmittelbaren Umgebung des Hauses nicht zum Einsatz kommt. Aber die Zahlen sprechen eine andere Sprache– 500 Tonnen Pestizide werden in Deutschland pro Jahr in privaten Gärten verteilt. Wir vernichten dadurch die Vielfalt im Garten, gefährden unsere Gesundheit und schädigen nachhaltig die Umwelt Denn mit dem Gift werden nicht nur ungeliebte Gäste und Beikräuter getötet, sondern auch erwünschte Insekten und Pflanzen. Dabei gibt es umweltfreundliche Alternativen. Wer beispielsweise lästig gewordene Pflanzen am Gehsteigrand loswerden will, kann diese auch abflammen. Läuse auf den Rosen sind für viele Nützlinge eine Delikatesse und werden von diesen nach einigen Wochen wieder zurückgedrängt. Deshalb bittet der BUND Naturschutz alle Hobbygärtner, auf Pestizide zu verzichten. Der Lohn dafür ist das Summen, Brummen und Zwitschern im Garten.


29.03.2021 Der Osterhase ist unterwegs

Hoffnung für den Osterhasen

Der Legende nach versteckt „Meister Lampe“ an Ostern die bunten Eier. Noch. Schwindende Lebensräume, Mangel an Kräutern und zunehmender Verkehr machen dem Feldhasen zu schaffen, warnt der BUND Naturschutz (BN). „Der Feldhase ist ein Kräuterspezialist. Doch die sind in der intensiven Landwirtschaft selten geworden.“, so Robert Kurzmann, Kreisvorsitzender des BN Cham. Der BUND Naturschutz fordert daher von der Staatsregierung und insbesondere CSU-Chef Söder, sich in den aktuellen Diskussionen auf Bundesebene für eine Ökologisierung der Agrarzahlungen einzusetzen. „Mehr Blütenreichtum, weniger Pestizide, mehr Ökolandbau und Biotopverbund helfen auch Meister Lampe“. Kritik übt der BN auch am nach wie vor hohen Flächenverbrauch im Landkreis, der die Lebensräume nicht nur des Feldhasen laufend einschränkt. Trotz ca. 4000 Baulücken sind Bauplatzausweisungen auf der grünen Wiese mit zum Teil 2000 und mehr Quadratmetern für ein Einfamilienwohnhaus keine Seltenheit.

Der Feldhase ist eine Art der Agrarlandschaft und war früher ein „Allerweltstier“. Heute ist er wie viele andere Arten der Feldflur ein seltener Anblick geworden und steht in der sogenannten „Roten Liste“ der gefährdeten Arten. Er braucht artenreiche Kräuter-Nahrung sowie Verstecke vor Fressfeinden und für die Jungenaufzucht. In der intensiv genutzten Agrarlandschaft ist beides selten geworden. Dazu kommen noch die Gefahren durch Straßen und zunehmenden Verkehr sowie generell abnehmender Lebensraum durch Siedlungen und Gewerbegebiete.

Der Feldhase ist bekannt als Kräuter-Spezialist. Margeriten, Wilde Möhre, Fenchel, Kamille, Rotschwingel, Klee und viele andere Kräuter stehen auf dem Speiseplan- Diese „Kräuter-Apotheke“ ist gerade im Frühjahr besonders wichtig, wenn die Hasenjungen fette und gesunde Milch brauchen.

„Um einen weiteren Rückgang der Hasenbestände zu vermeiden, brauchen wir den Erhalt und die Aufwertung der Landschaft mit blütenreichen Wiesen, Rainen, Säumen, Versteckmöglichkeiten wie alten Heckenbeständen und Brachflächen sowie einen Biotopverbund zur Vernetzung der Lebensräume“, fordert Robert Kurzmann. Das heißt Aufbau und Verbesserung dieser „grünen Infrastruktur“ und Verminderung der negativen Wirkung der „grauen Infrastruktur“ wie Zerschneidung der Lebensräume durch Straßen und Ausbau des landwirtschaftlichen Kernwegenetzes. Davon würden auch viele andere Arten der Agrarlandschaft wie Goldammer, Kiebitz, Grasfrosch oder viele Insektenarten profitieren. Der Biotopverbund auf 15 Prozent der Offenlandfläche ist seit dem erfolgreichen Volksbegehren 2019 im Bayerischen Naturschutzgesetz verankert und seine Herstellung bis 2030 gesetzliche Pflicht.

Der Feldhase ist ein Tier mit beeindruckenden Fähigkeiten: Er ist ein Meister der Tarnung mit hervorragendem Gehör. Durch seine langen, kräftigen Hinterbeine ist der Feldhase sehr flink: Auf der Flucht erreicht er Geschwindigkeiten von etwa 50 km/h, kurzzeitig sogar bis zu 70 km/h – das ist schneller als ein Rennpferd im Galopp! Dabei schlägt er 90-Grad-Haken und kann bis zu drei Meter hoch und sieben Meter weit springen. Um die Damen zu beeindrucken, liefern sich die männlichen Hasen in der Paarungszeit spektakuläre Boxkämpfe und Wettrennen. Übrigens: Vom Wildkaninchen kann man den Feldhasen durch seine deutlich größeren Ohren unterscheiden.

Meister Lampe profitiert auch vom ökologischen Landbau. Dieser verzichtet auf Mineraldünger und chemische Spritzmittel, baut viele verschiedene Kulturen an und sieht Wildkräuter nicht nur als Unkraut an. Wenn man Bio-Lebensmittel einkauft, möglichst aus regionaler Herkunft, macht man einen kleinen, aber wichtigen Schritt hin zu einer größeren ökologischen Vielfalt. Apropos Bio und Ostern: Eier aus ökologischer Haltung sind an dem gestempelten Aufdruck 0 auf dem Ei zu erkennen. Bei den bereits gefärbten Eiern, die jetzt überall angeboten werden, muss die Haltungsform nicht gekennzeichnet sein. Der BN empfiehlt daher, Eier aus Ökologischer Haltung zu kaufen und selbst zu färben; das macht Spaß und ist eine schöne Einstimmung auf das Osterfest.

Mehr Infos zum Feldhasen auf

www.bund-naturschutz.de/artenbiotopschutz/artbeschreibungen/feldhase.html

 


24.03.2021 Das BN-Hummeltelefon startet – Mitmachaktion für jeden Insektenfreund vom 21.03. - 21.06.2021

Arber, Osser und Hoherbogen sind noch schneebedeckt, und doch sind bei steigenden Temperaturen die ersten Hummeln unterwegs - der perfekte Zeitpunkt für den Start der bayernweiten Mitmachaktion „Hummeltelefon“. Jeder kann Hummelfotos einreichen, ein Expertenteam antwortet. Nach großer Resonanz in den letzten drei Jahren bieten BUND Naturschutz in Bayern e.V. (BN) und Institut für Biodiversitätsinformation e.V. (IfBI) erneut diesen einzigartigen Service an. Gerade in der momentanen Lage bietet die Aktion eine schöne und willkommene Ablenkung für Groß und Klein. Ob im heimischen Garten, gemütlich auf dem Balkon oder bei einsamen Spaziergängen in der Natur: Ausgestattet mit Handy oder Fotoapparat können die kleinen fliegenden Brummer abgelichtet werden. Zum Frühlingsbeginn wurden die Leitungen für das Hummeltelefon freigeschaltet.

Insgesamt gibt es in Deutschland 41 verschiedene Hummelarten. Davon stehen in Bayern 13 Arten auf der Roten Liste: Hauptgrund des Rückganges sind ausgeräumte Ackerfluren. Hummeln können nach den Gesetzen der Aerodynamik eigentlich gar nicht fliegen. Die Flügel sind anscheinend zu klein für den Körper. Doch die Hummelflügel sind flexibel und drehbar; sie schlagen bis zu 200mal in der Sekunde. Dadurch werden die hörbaren brummenden Luftwirbel erzeugt, die für den nötigen Auftrieb sorgen. Dies wurde erst 1996 herausgefunden. „Da es immer stärker darauf ankommt, zum Erhalt der Artenvielfalt einen eigenen Beitrag zu leisten, müssen wir uns alle und unsere Kinder wieder stärker für die Natur interessieren. Nur, was man kennt, wird man auch schützen. Da Hummeln groß und meist relativ langsam unterwegs sind, lohnt es sich, mit ihnen zu beginnen“, sagt Richard Mergner, Vorsitzender des BN.

Sie finden eine Hummel im Garten oder auf der Wiese und würden gerne wissen, welche Art es ist? Über das „Hummeltelefon“ können Sie das herausfinden. Fotografieren Sie den Brummer und schicken Sie das Bild zusammen mit Fundort (PLZ) und Funddatum per WhatsApp an 0151- 18460163 oder per E-Mail an hummelfund@ifbi.net. Das Hummeltelefon - Team besteht aus Tarja Richter, Carolin Sommer und Laura Stadtel, sowie Dr. Klaus Mandery, Leiter des in Ebern ansässigen IfBI, Vorsitzender des BN Haßberge und Wildbienenexperte. Mit dem Frühlingsbeginn und bis zum 21.06.2021 antwortet das Team auf Ihre Nachricht mit Artnamen und Informationen rund um Ihre fotografierte Hummel. Helfen Sie dem Hummeltelefon-Team, indem Sie pro Fund maximal ein bis drei Fotos schicken und maximal drei Funde in einer Nachricht versenden.

Bayerns Bürger interessieren sich für Hummeln und andere Insekten. Letztes Jahr haben über 6.900 Fotos von über 1.700 begeisterten Teilnehmern das Hummeltelefon erreicht, davon einige auch aus dem Landkreis Cham. Mit dem Hummeltelefon fördern BN und IfBI das Bewusstsein des Wertes von Hummeln – stellvertretend für alle Insekten. Jeder Hummelfund wird auch dieses Jahr wieder in eine interaktive Karte eingetragen. So wird mehr über die Verbreitung der Hummelarten in Bayern bekannt, ein wichtiger Effekt dieses Citizen-Science-Projekts. Übrigens sind Frühaufsteher bei dieser Aktion eindeutig im Vorteil: In der Morgenkühle sind die Brummer viel langsamer unterwegs und damit besser zu fotografieren als nachmittags, wenn sie emsig an den ersten Blüten Futter tanken.

Für Rückfragen: Tarja Richter, Institut für Biodiversitätsinformation e.V. (IfBi), Tel: 09531/9446433; E-Mail: richter@ifbi.net; weitere Informationen: www.ifbi.net/Hummeltelefon


13.03.2021 BUND Naturschutz befragt Abgeordnete zur EU-Agrarreform

Abstimmung zur Agrarpolitik in Brüssel und Berlin in den nächsten Monaten

„BUND Naturschutz stellt EU-und Bundestagsabgeordnete auf den Prüfstand: Wer ist für, wer gegen eine umweltfreundliche und Bauernhöfe rettende EU- Agrarreform?

„EU- und Bundestagsabgeordnete entscheiden in den nächsten Monaten in Brüssel und Berlin über die Ausgestaltung der Agrarpolitik bis 2027, und damit auch über die Chancen für den Erhalt bäuerlicher Betriebe und die Artenvielfalt in unserem Landkreis“, so BN-Kreisvorsitzender Robert Kurzmann.

Der BUND Naturschutz stellt daher in einer bayernweiten Aktion gezielt Fragen an die politischen Vertreter, um zu erfahren, ob sie - für den Bereich Cham/Schwandorf MdB Marianne Schieder und MdB Karl Holmeier - für Ziele eintreten, die auch der BUND Naturschutz verfolgt.

Dem BUND Naturschutz ist es wichtig, dass die milliardenschweren Agrargelder künftig für gesellschaftliche Leistungen ausbezahlt werden, die die Landwirte zum Teil ja auch schon erbringen, und nicht mehr nur nach Besitz und Größe der bewirtschafteten Fläche.

Der BUND Naturschutz fordert u.a, dass die bisherigen flächengebundenen Direktzahlungen schrittweise abgebaut werden sollen, damit mehr Geld für Leistungen der Landwirte für Umwelt und Tierschutz zur Verfügung stehen.

Keinesfalls darf es auf EU Ebene dazu kommen, dass 40 Prozent der Direktzahlungen, die jeder Betrieb noch gemäß seiner Flächengröße erhalten soll, ein Freibrief ausgestellt wird, dass sie per se europäischen Zielen zum Klimaschutz zugerechnet werden können.

Der BUND Naturschutz fordert, dass mindestens 30 Prozent des Landwirtschaftsbudgets verpflichtend für „Ecoschemes“, das sind besondere ökologische Leistungen bereitgestellt werden. Im Entwurf zum nationalen Strategieplan sind jetzt lediglich 20 Prozent vorgesehen. Die Ecoschemes sollten auch nach einem Punktsystem bewertet werden können, und damit auch den individuellen Betriebsgegebenheiten der bäuerlichen Betriebe angepasst werden. Davon würden vor allem auch die Betriebe und die Artenvielfalt im Landkreis Cham profitieren.

Robert Kurzmann
BN-Kreisvorsitzender, Kreisgruppe Cham

Für Rückfragen steht auch die BN Agrarreferentin, Marion Ruppaner, 0911 81 87 8 – 20,
Mail: marion.ruppaner@bund-naturschutz.de, zur Verfügung.


09.03.2021 Es geht wieder los: Amphibienwanderung in Bayern

Milde Temperaturen, Regenfälle und kaum Bodenfrost lassen die ersten Kröten, Frösche und Molche auf Wanderschaft gehen. Ehrenamtliche vom BUND Naturschutz retten allein in Bayern jährlich über eine halbe Million Amphibien vor dem Straßentod. Auch im Landkreis Cham werden wieder Amphibienzäune an Straßen aufgebaut. Ohne dieses Engagement wären schon viele Populationen der bedrohten Tiere ausgestorben. Jeder kann mitmachen und Lurche retten. Helfende Hände heißt der BUND Naturschutz stets willkommen und appelliert gleichzeitig an die Autofahrer, jetzt besonders rücksichtsvoll zu fahren. Und auch Landwirte werden gebeten, auf Gülleausbringung und Wiesenpflege vor den Amphibienzäunen zu verzichten. 

Ab einer nächtlichen Temperatur von circa 5 ° C und besonders bei regnerischem Wetter wandern die fortpflanzungsbereiten Kröten, Frösche und Molche zu ihren Laichgewässern. Dort finden Balz, Paarung und Eiablage statt. „Grasfrosch und Erdkröte sind sehr früh im Jahr unterwegs. Sie wandern zuerst. Teich- und Seefrosch marschieren etwas später los. Und dazu kommen noch andere Amphibienarten. Ganz genau lässt sich das aber nicht vorhersagen, denn auch Frost und Trockenheit können die Wanderung mehrmals unterbrechen.“, erklärt Robert Kurzmann von der Kreisgruppe Cham. Doch der Weg vom Winterquartier zu den Laichgewässern ist gefährlich. Oft müssen die Amphibien Straßen überqueren und laufen dabei Gefahr, massenhaft überfahren zu werden. Gerade im direkten Umfeld der Laichgewässer kann die Anzahl überfahrener Tieren so groß werden, dass die Existenz ganzer Populationen auf dem Spiel steht.

„Freunde der Frösche - größte Artenschutzaktion in Bayern

Um die Amphibien vor dem Straßentod zu schützen, helfen insgesamt 6.000 Freiwillige und retten jährlich bis zu 700.000 Amphibien. Dort, wo sichere Durchgänge fehlen, werden Schutzzäune an Straßen aufgebaut. Kröten, Frösche und Molche wandern vorwiegend dicht am Zaun entlang und fallen dann in die Fangeimer, die in regelmäßigen Abständen ebenerdig im Boden versenkt sind. „Die Amphibienretter leeren mehrmals täglich die Eimer, notieren die gefundenen Tierarten sowie deren Anzahl, und tragen die Lurche anschließend über die Straße. Dadurch können die Daten gut mit denen des Vorjahres verglichen werden“, begründet Kurzmann. Über die Jahre hinweg wird so deutlich: Die Tiere haben es regional schwer, stabile Populationen aufzubauen. „Frühe Allerweltsarten, wie der Grasfrosch, werden immer weniger und andere Arten wie die Gelbbauchunke, verschwinden gebietsweise ganz“, bedauert Kurzmann. Deshalb ist jede Hilfe wichtig. Wer die größte Artenschutzaktion auch im Landkreis Cham unterstützen will, wendet sich an die lokale Kontaktadresse. Mehr Infos hierzu unter: Amphibien-Retter werden – BUND Naturschutz in Bayern e.V. (bund-naturschutz.de)

Amphibienwanderung und Landwirtschaft

Nicht nur Straßen sind eine Gefahr für die Amphibienwanderung. Denn unglücklicherweise fällt jedes Jahr die Hauptwanderzeit der Tiere bei stärkeren Regenereignissen mit der Gülleausbringung und Wiesenpflege der Landwirte zusammen. Für die Tiere, die sich tagsüber in der Wiese verstecken, ist das Striegeln oder Walzen der sichere Tod. Gülle mit ihrer ätzenden Wirkung kann aufgrund der empfindlichen Amphibienhaut noch Tage nach der Ausbringung deren Gesundheit gefährden. Der BN bittet deshalb Landwirte, die Wiesenpflege und Gülleausbringung vor den Zäunen auf die Zeit nach der Amphibienwanderung zu verschieben. Landwirte können sich gerne an den BN wenden, um sich zeitnah über die Wanderbewegungen an den einzelnen Übergängen zu informieren.

Der BUND Naturschutz appelliert an die Autofahrer

  • Der BN bittet alle Autofahrer in den kommenden Wochen um besondere Vorsicht und Rücksichtnahme.

-      Befolgen Sie die Geschwindigkeitsbegrenzungen an den

       Amphibienzäunen.

  • Achten Sie auf die Helfen an den Amphibienzäunen, die am Straßenrand Tiere einsammeln.
  • Reduzieren Sie Ihr Fahrtempo auf Straßen, die an Teichen oder Feuchtgebieten vorbeiführen, auch wenn keine Warnhinweise aufgestellt sind.
  • Haben Sie eine Stelle entdeckt, an der viele Amphibien überfahren werden und an der kein Schutzzaun errichtet ist? Melden Sie sich bitte bei uns: amphibien@bund-naturschutz.de

Für Rückfragen:

Robert Kurzmann

Vorsitzender der Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz

Tel. 09972/3179

E-Mail: cham@bund-naturschutz.de


09.03.2021 Leserbrief zur Diskussion Funkmasten 5G im Stadtrat von Rötz von Robert Kurzmann

Unbestritten in dem Zeitungsbericht über die Gesundheitsgefahren bzw. -risiken, die von Mobilfunk-masten ausgehen, sind nachfolgende Aussagen:

  • Wissenschaftliche Studien bestätigen die jeweiligen Positionen von Befürwortern und Gegnern des Mobilfunks;
  • Die Exposition der Bevölkerung gegenüber Mobilfunkfrequenzen nimmt ständig zu, liegt jedoch in der Regel deutlich unterhalb der Grenzwerte;

Der Bericht über gesundheitliche Gefahren bezieht sich jedoch nur auf eine ältere vom Bundesamt für Strahlenschutz konzipierte Studie (Deutsches Mobilfunk Forschungsprogramm, zur Hälfte mitfinanziert von der Mobilfunk-industrie) aus 2002 – 2008, die in allen Bereichen offenbar keinen Anlass ergibt „die Schutzwirkung der bestehenden Grenzwerte in Zweifel zu ziehen“ – 5G war damals noch kein Thema!

Dies ist umso erstaunlicher als bereits 2001 – bei noch geringerer Exposition der Bevölkerung die Strahlenschutzkommission (Beratergremium der Bundesregierung und Teil des Bundesamtes für Strahlenschutz) feststellte: „Es gibt eine Fülle von Hinweisen auf Gesundheitsbeeinträchtigungen unterhalb der Grenzwerte“. Dr. Heyo Eckel, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Umwelt der Bundesärztekammer, mahnte damals ebenfalls: „Es gibt gewichtige Hinweise für Schäden durch Mobilfunkstrahlung. Ich halte es für sorglos, wenn man an den bestehenden Grenzwerten festhält.“ Und auch die WHO stellte fest: „Keine Normungsbehörde hat Grenzwerte mit dem Ziel erlassen, vor langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen, wie einem möglichen Krebsrisiko zu schützen.“

Einen aktuellen und neutralen Überblick über die Auswirkungen des Mobilfunks (einschließlich 5G) auf die menschliche Gesundheit bietet ein Briefing des Europäischen Parlaments aus 2020, das der wissenschaftliche Dienst erarbeitet hat (herunterladbar unter: EPRS_BRI(2020)646172_DE.pdf ).  Darin heißt es u.a.:

Die aktuellen Grenzwerte in der EU sind mittlerweile 20 Jahre alt und daher nicht auf die spezifischen technischen Merkmale von 5G anwendbar. Der Wissenschaftliche Ausschuss „Gesundheitsrisiken, Umweltrisiken und neu auftretende Risiken“ (SCHEER) schätze in seiner Erklärung vom Dez. 2018 die mit 5G einhergehenden Risiken vorläufig als hoch ein. Und es wird weiterhin darauf hingewiesen, dass bei 5G ein vorsichtiger Ansatz angebracht wäre, da es sich um eine nicht getestete Technologie handelt. Die Europäische Kommission hat bisher noch keine Studien zu den potentiellen Gesundheitsrisiken der 5G-Technologie durchgeführt.

In einem Überblick aus 2018 zu Peer-Review-Artikeln (hier wurden Forschungsergebnisse durch unabhängige Gutachter überprüft) über die Auswirkungen des Mobilfunks auf die menschliche Gesundheit überwiegen die Studien, die onkologische, reproduktive, metabolische, neurologische und mikrobiologische Wirkungen belegen.

In internationalen Verträgen (Menschenrechtserklärung u.a.), heißt es weiter in dem Briefing „wird anerkannt, dass im Vorfeld von Maßnahmen, die die menschliche Gesundheit beeinträchtigen könnten, die Zustimmung nach Inkenntnissetzung ein wesentliches, grundlegendes Menschenrecht ist, das noch brisanter wird, wenn es um die Exposition von Kindern und Jugendlichen geht.“

Wenn jedoch Gemeindevertreter von einer vermeintlich neutralen Stelle nur einseitig informiert werden, ist das Zustandekommen der Zustimmung jedoch zu hinterfragen.

In Zeiten von „Homeoffice“ und „Homeschooling“ rät der Bund Naturschutz im persönlichen Bereich die Strahlenbelastung zu reduzieren und statt auf WLAN auf Kabelanschluss zu setzen. Denn, wie in dem Zeitungsbericht zurecht erwähnt, werden „bei Nutzung körpernaher Quellen … Werte nahe des Grenzwertes erreicht.“  Bei direktem Körperkontakt sogar oftmals überschritten. Dies gilt für alle Endgeräte, wie z.B. Mobiltelefone, Tablets oder Laptops.

 

 

 


02.03.2021 Vorfrühling im Garten - Frühjahrsputz kann noch warten

Der Schnee ist geschmolzen und die ersten Vorfrühlingsboten werden sichtbar. Blühende Blumen und Hecken kündigen nicht nur die neue Jahreszeit an, sondern spielen auch für Bienen eine wichtige Rolle. Während Vögel die milden Temperaturen genießen und auf Nistplatzsuche gehen, schlafen viel Igel weiterhin unter dem Laub. Auch Insekten brauchen die Laubschicht auf dem Boden, die sie vor kalten Nächten schützt. Der große Frühjahrsputz im Garten kann deshalb noch warten und sollte auch später so schonend wie möglich stattfinden. Denn: Spätfröste kommen bestimmt! „Außerdem werden bei einem zu frühen Rückschnitt der Pflanzen und dem Entfernen des Laubes alle darin überwinternden Insekten mitentsorgt“, beklagt Robert Kurzmann vom BUND Naturschutz (BN).

Mit großer Freude beobachten wir das Erwachen der Natur. Frühblüher sind nicht nur schön anzusehen, sie dienen auch unseren Insekten als erste Nahrungsquelle. „Je nach Witterung verlassen Honigbienen, Wildbienen und die ersten Hummelköniginnen im Februar ihr Winterversteck und gehen auf Futtersuche“, erklärt der Vorsitzende des BN Cham. Sogar erste Zitronenfalter wurden in diesem Jahr im Landkreis schon beobachtet. Wichtige Quellen für Pollen und Nektar sind derzeit Schneeglöckchen, Huflattich, Krokusse und Winterlinge. Auch Sträucher und Bäume wie Haselnuss und Kornelkirsche können schon im Februar blühen und sind bedeutende Futterpflanzen, die in keinem Garten fehlen sollten. Etwas später ab März kommt dann ein richtiges Superfood für unsere Insekten hinzu: die Salweide. An ihr lassen sich 34 pollen- oder nektarsammelnde Wildbienenarten finden. 

Nistkästen jetzt aufhängen

Mit dem Vorfrühling kommen die ersten Zugvögel aus dem Süden zurück und erkunden mögliche Nistplätze. Ältere Bäume mit Baumhöhlen oder dichte Hecken mit Schlehen, Wildrosen und Weißdorn bieten ideale Brutmöglichkeiten. Fehlen diese Strukturen, kann man zumindest den Höhlenbrütern mit einem Nistkasten helfen. Aber Achtung: Nicht jeder Kasten passt! Jede Vogelart hat andere Ansprüche und bevorzugt bestimmte Nistkastenformen und Größen der Einfluglöcher. „Neben den Standard-Meisenkästen ist es auch sinnvoll, spezielle Nisthilfen für Gebäudebrüter, Gartenschläfer oder Fledermäuse anzubieten“, empfiehlt Robert Kurzmann. Das macht Spaß und schafft neue Strukturen im Garten.

Nur wenige Igel wachen auf

Wenn die Außentemperaturen um die zehn Grad Celsius liegen, erwachen die ersten Igel aus dem Winterschlaf. Die Männchen übrigens ein paar Wochen früher als die Weibchen. Manche Tiere nutzen die wärmeren Temperaturen, wechseln das Winterquartier und ziehen sich dann nochmal zurück. „Nur wenige Igel sind jetzt aktiv, da es kaum Nahrung gibt. Die meisten Igel warten lieber ab, bis mehr Insekten und Laufkäfer unterwegs sind“, weiß der Naturschützer. In vielen Regionen Bayerns schlafen Igel bis Ende April. Werden sie durch Gartenarbeiten zum Aufwachen gezwungen, bedeutet das enormen Stress für die Tiere. Um besondere Vorsicht bittet der BN beim Umsetzen des Kompostes, da gerade dort Igel gerne überwintern.

Natur im Garten – Frühjahrsputz kann warten

„Auch, wenn die Sonnen im Februar den Wunsch nach Frische und Ordnung weckt, kann der Frühjahrsputz im Garten warten. Alte Blütenstauden und vertrocknete Gräser schützen nämlich das junge Grün vor gefährlichen Spätfrösten“, erklärt Kurzmann. Ebenso befinden sich noch viele Insekten gut geschützt unter der Streuschicht im Boden oder in hohlen Ästen und Pflanzenstängeln. Ein großangelegter Frühjahrsputz schadet deshalb der Artenvielfalt im Garten. Besser ist es, bestimmte Pflanzen individuell zu pflegen und erst ab Mitte März schonende Rückschnitte abgestorbener Pflanzen vorzunehmen.

Hätten Sie es gewusst? Mit über zwanzig Millionen Gärten in Deutschland haben Gartenbesitzer ein riesiges Potential Natur zu schaffen und so die Biodiversität zu fördern. Jeder Garten kann zu einem kleinen Biotop werden, das durch Pflanzenvielfalt Vögel, Kleintiere und Insekten anlockt und ein dauerhaftes Zuhause verspricht. Mehr Informationen hierzu auf: Garten bienenfreundlich gestalten | BUND Naturschutz – BUND Naturschutz in Bayern e.V. (bund-naturschutz.de)  

Für Rückfragen:

Robert Kurzmann

Vorsitzender des BUND Naturschutz Kreisgruppe Cham

Tel. 09972/3179

E-Mail: cham@bund-naturschutz.de


23.02.2021 Maulwurf – Helfer im Garten

Auf Wiesen und Weiden fühlt sich der Maulwurf wohl. Dort findet er gute Böden, viel zu Fressen und vor allem Ruhe. Manchmal sind Maulwürfe auch im Garten anzutreffen. „Viele Gartenbesitzer stören sich an den Haufen. Dabei sind diese nur Zeichen einer wichtigen unterirdischen und ökologischen Tätigkeit“, verteidigt Robert Kurzmann den Maulwurf. Denn er lockert die Erde, sorgt für eine gute Durchlüftung des Bodens und frisst ausschließlich tierische Kost. Jetzt fallen die dunklen Maulwurfshügel besonders auf. Der BUND Naturschutz erklärt, warum das so ist und was den gesetzlich geschützten Maulwurf einzigartig macht.

Seine Erdhaufen kennt jeder, gesehen haben ihn die Wenigsten - den Maulwurf! Wie auch? Der scheue Insektenfresser lebt nämlich den größten Teil seines Lebens unter der Erde, genauso wie seine Beute. Er frisst Regenwürmer, Engerlinge und andere Käferlarven. Schnecken findet er auch nicht verkehrt. Seine Nahrungstiere lokalisiert der Maulwurf mit Hilfe des Gehörs und seiner Rüsselnase, die mit vielen Nervenzellen und Tasthaaren ausgestattet ist. Er ist auch nicht völlig blind, seine Augen sind nur verkümmert. Doch seine Ohren sind ungewöhnlich scharf, und er spürt das leiseste Zittern des Bodens. „Gefressen wird rund um die Uhr, denn der Grundumsatz des Maulwurfs ist sehr hoch. So benötigen die Tiere eine tägliche Nahrungsmenge, die etwa 85% ihres Körpergewichtes entspricht“, erklärt Kurzmann vom BUND Naturschutz.

Leben im Untergrund

Der Maulwurf ist vollkommen auf das Leben unter der Erde angepasst. Sein 13 - 15 cm langer Körper ist geformt wie eine kleine Walze. So passt er ideal durch die Gänge, die er mit seinen großen, seitlich ausgerichteten Grabschaufeln gräbt. Dabei buddelt sich der Maulwurf erst vorwärts, dann dreht er sich um und schiebt mit seinem Kopf die überflüssige Erde hinaus an die Oberfläche. Durch seine starken Muskeln im Schulterbereich kann er zwanzigmal so viel Erde bewegen, wie er selbst wiegt. Das weit verzweigte Tunnelsystem besteht aus Gängen, Vorratskammer und Wohnkessel. Die meisten Jagdstrecken befinden sich dicht unter der Oberfläche, wo er seine Beute findet. „Im Winter müssen die Gänge wegen des Frostes tiefer gelegt werden, bis zu 60 Zentimeter in die Erde gräbt er dann. In Ausnahmefälle sogar bis zu einem Meter. Dabei gilt: Je tiefer er buddelt, umso mehr Erde muss an die Oberfläche geschaufelt werden. Daher gibt es im Winter und Frühling mehr Maulwurfshügel als im Sommer“, weiß der Chamer BN-Chef. Sehr spannend ist auch die Tatsache, dass Maulwürfe unter der Erde mit wenig Sauerstoff und einer hohen CO2-Konzentration zurechtkommen müssen. Das schafft er aber ohne Probleme, denn das Blut des Maulwurfs enthält viel Hämoglobin, das ihm hilft, verbrauchte Luft nochmals zu nutzen. „Dennoch können mehr Tunnelausgänge auch der Belüftung dienen“, so Kurzmann.

Geschützte Gartenhelfer

„Maulwürfe buddeln nicht nur den Garten um, sondern sind auch hervorragende Vertilger von Pflanzenschädlingen. Durch ihre grabende Tätigkeit wird der Boden gelockert und besser durchlüftet, wovon viele andere Arten, wie Erdhummeln oder Kröten profitieren.“, erklärt der Naturschützer. Auf diese Weise kann der Boden mehr Regenwasser aufnehmen, was den Gartenpflanzen zugutekommt. Die ausgeworfene lockere Erde der Maulwurfhügel, kann dann wieder im Blumenbeet verwendet werdet.

Leider sind Maulwürfe durch die Zerstörung von Lebensräumen, den Rückgang der Insektenvielfalt und die zunehmende Flächenversiegelung gefährdet. Als besonders geschützte Tierart dürfen sie laut Bundesnaturschutzgesetz nicht gefangen, verletzt und getötet werden.


19.02.2021 Amphibien - Wanderzeit


12.02.2021 BN-Telefonsprechstunde zum ÖPNV im Landkreis Cham

Energiewende von unten IV: Umweltfreundliche Mobiliät im Landkreis Cham

Die Kreisgruppe Cham des Bund Naturschutz (BN) hatte den VCD um Durchführung der Telefonsprechstunde zum Thema „Umweltfreundliche Mobilität“ gebeten. Dieser war der Bitte gerne nachgekommen.

Es wurde der Frage nach der Umweltverträglichkeit von Fahrzeugen mit Elektromotor nachgegangen und deren sinnvolle Nutzung als Leihfahrzeug an Verknüpfungspunkten zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV). Im Vergleich zu Ballungsräumen wäre diese Form der Bewältigung der letzten Kilometer bis zur Haustür wegen der oft sehr weitmaschigen Infrastruktur des ÖPNV durchaus hilfreich, hat sich aber auf dem Lande bisher nicht durchgesetzt. Entsprechende Anbieter erwarten sich hier gegenüber der häufigeren Nutzung in Städten nicht den erforderlichen Gewinn.

Grundsätzlich konnte im Landkreis Cham auf ein gutes Verkehrsnetz mit Bahnen und Bussen verwiesen werden, das jedoch meist, aber nicht nur, auf Schüler- und touristische Verkehre ausgerichtet ist. Berufspendler haben dagegen oft nur ungünstige Angebote, die zu Arbeitsbeginn oder -ende passend verkehren. Viele Fahrten zu Ausflugszielen sind als Tagesfahrten mit dem Tagesticket im gesamten Landkreis für Einzelpersonen oder Familien durchaus preiswert möglich.

Zu den Impfzentren in Roding oder Bad Kötzting gibt es leider für Nutzer öffentlicher Verkehrsmittel nur sehr ungünstige Verbindungen mit teils langen Wartezeiten. Von Waldmünchen nach Roding werden z.B. Möglichkeiten über Cham oder Rötz mit Fahrzeiten von zwei Stunden und mehr angeboten. Die einzige schnellere Verbindung besteht um 16:40 Uhr mit Oberpfalzbahn über Cham nach Roding und mit dem Stadtbus zum Krankenhaus um 17:46 Uhr. Bei allen anderen Fahrten sind fahrplanmäßig Wartezeiten an verschiedenen Umsteigepunkten von 20 Minuten bis zu einer Stunde einzuplanen.

 

Zum Impfzentrum in Bad Kötzting ist es mit eineinhalb bis zweieinhalb Stunden bei fünf Verbindungen an Werktagen über Cham oder Furth im Wald und ebenfalls jeweils zwei Umstiegen teilweise sogar günstiger. Die seit Juni 2019 eingeführten Rufbuslinien tragen auf diesen Verbindungen nur in ganz wenigen Einzelfällen zu einem guten Angebot bei.

Für weitere Verbindungsmöglichkeiten wird die Wohin-du-willst App oder der Bayernfahrplan zur Suche nach entsprechenden Angeboten empfohlen. An zahlreichen Beispielen lässt sich leider unschwer feststellen, dass für umweltfreundliche Mobiltät im Landkreis, im Besonderen für den ÖPNV noch viel getan werden kann!

Internet www.vcd.org.

 

Ein gutes Bus- und Bahnangebot, mehr Platz für Fahrräder, Sprit sparende Autos, spielende Kinder auf der Straße: So sieht nachhaltige Mobilität für den Verkehrsclub Deutschland aus. Um diese Vision zu verwirklichen, wurde der VCD e.V. 1986 gegründet. Seitdem haben umweltbewusste mobile Menschen eine Alternative zu den herkömmlichen Automobilclubs und die Verkehrspolitik ein ökologisches Korrektiv. Derzeit unterstützen ca. 50.000 Mitglieder und Förderer den VCD.

VCD - ökologisch mobil! Auch vor Ort!

                                                                                                 

 

11.02.2021 BN-Telefonsprechstunde zum Stromwechsel

Energiewende von unten III: Stromwechsel – hin zu Ökostrom

Bei der mittlerweile 3. Telefonsprechstunde des BUND Naturschutz, Kreisgruppe Cham, zur Energie-wende von unten konnten sich die Anrufer zum Thema: „Klimaschutz durch Wechsel des Strom-anbieters – hin zu Ökostrom“ informieren. Gerade wer nicht selbst in erneuerbare Energien investieren kann oder will findet im Wechsel des Stromanbieters – hin zu Ökostrom – eine einfache Möglichkeit zum Klimaschutz wie auch zur Atommüllreduzierung beizutragen. Der bundesdeutsche Strommix wies im Jahr 2018 laut Fraunhofer ISE einen Anteil von 38 % Kohle sowie 13 % Atom auf. Durch den Wechsel in einen Ökostrom-Tarif wird zunächst erreicht, dass der verbrauchte Strom nicht in einem Kohle- oder Atomkraftwerk erzeugt werden musste, sondern in gleicher Menge aus erneuerbaren Energien ins Netz eingespeist wurde – damit wird ein persönlicher Ausstieg aus den Energieträgern Kohle und Atom erreicht. Ein 4-Personen-Haushalt mit 4000 kWh Jahresverbrauch kann auf diese Weise seinen CO2-Fußabdruck um ca. 1,6 Tonnen reduzieren; bei allen Haushalten im Landkreis wäre man dann schnell im fünfstelligen Bereich der CO2-Einsparung – soweit die Theorie.

In der Praxis stellen sich häufig nachfolgende Fragen:

Was muss man bei Wechsel des Stromanbieters beachten?

Ein Vertragswechsel gestaltet sich denkbar einfach. Beachtet werden muss hier die Kündigungsfrist im alten Vertag; bei Preisänderungen besteht ein Sonderkündigungsrecht. Ansonsten reicht es dem ausgewählten Ökostrom-Anbieter per Brief, E-Mail oder Telefon folgende Angaben mitzuteilen: Anschrift, Zähler- und Kundennummer des bisherigen Anbieters sowie den gewünschten Wechseltermin. Alles andere – einschließlich der Kündigung des alten Vertrages – über nimmt der neue Anbieter.

Geht bei mir das Licht aus, wenn der neue Anbieter Lieferprobleme hat?

Nein, die Versorgungssicherheit ist gesetzlich geschützt; bei Lieferproblemen muss der örtliche Grund-versorger einspringen.

Hilft der Wechsel der Energiewende?

Das Ökostromprodukt hilft der Energiewende vor allem dann, wenn es zum zusätzlichen Ausbau der erneuerbaren Energien oder zum Fortbestand von aus der Förderung gefallenen EEG-Anlagen (Post-EEG-Anlagen) beiträgt. Eine Orientierungshilfe bieten hier die EcoTopTen-Kriterien des Freiburger Öko-Instituts, sowie Angebote, die mit dem Grüner-Strom-Label, dem Ok-Power-Label oder durch vergleichbare Gutachten des TÜV ausgezeichnet sind. Bei Vergleichsportalen sollte „nachhaltiger Ökostrom“ als Auswahlkriterium genutzt werden.

Wie finde ich den passenden Ökostrom-Anbieter?

Hilfestellung bieten hier Vergleichsportale wie verivox, toptarif, oder check24. Die Zeitschrift Öko-Test hat in der Januarausgabe 2021 Ökostromprodukte getestet inwieweit diese zum Ausbau der erneuerbaren Energien beitragen; nur 10 schnitten hier mit „sehr gut“ ab.

Ist Ökostrom teurer?

Das ist grundsätzlich vom gewählten Tarif abhängig. Weite Teile des Landkreises haben E.ON als Grundversorger. Wer nicht den Anbieter wechseln will, kann auch nachhaltigen Ökostrom innerhalb des Konzerns beziehen, der ist laut „verivox“ für oben genannten 4-Personen-Haushalt sogar um ca. 100 € billiger als der Grundversorgertarif von E.ON; im ersten Jahr sogar um fast 400 €. Auch bei Ökostrom-Anbietern, die laut den Auswahlkriterien der EcoTopTen möglichst viel für die Energiewende tun, lassen sich noch einige Euro im Vergleich zum Grundversorgertarif von E.ON einsparen. Interessant ist das vor allem für diejenigen, die keine Firmen mit Kohle oder Atom im konventionellen Angebot unterstützen wollen. Für E-Auto-Besitzer und Vielfahrer bietet die Genossen-schaft Greenpeace Energy mit dem Tarif „Mobilstrom plus“ und einem Arbeitspreis von 22,8 ct ein lukratives Angebot.

Für alle, die nicht Gelegenheit hatten an der Telefonsprechstunde teilzunehmen, bietet der BUND Naturschutz, Kreisgruppe Cham, an sich auch nachträglich noch unter der Telefon-Nummer 09972/3179 zu melden und über den Wechsel zu einem Ökostromanbieter zu informieren.

Die nächste Telefonsprechstunde findet am Freitag, den 19. März von 18.00 – 19.00 Uhr statt zum Thema „von fossil zu nachhaltig – Einbau einer Pelletsheizung“; nähere Einzelheiten werden in der Presse rechtzeitig angekündigt.


09.02.2021 Naturschützer helfen Fledermäusen


20.01.2021 Vogelfütterung im Winter

Eine dicke weiße Decke aus Schnee bedeckt den ganzen Landkreis. Für die Vögel ist damit eine schwierige Zeit angebrochen. Sie können nicht mehr an bodennahe Futterquellen kommen. Jetzt bieten Futterstellen eine gute Gelegenheit, die gefiederten Tiere aus der Nähe zu beobachten und spannende Naturerlebnisse zu erfahren. Für den Artenschutz bringen jedoch eine strukturreiche Landschaft mit Hecken und „unaufgeräumte“ Gärten mit vertrockneten Blütenstängeln und Stauden eine viel größere Vielfalt. Dennoch: Vögel füttern macht Spaß und steigert nachweislich das Wohlbefinden von uns Menschen.

Den Menschen scheint es ein großes Anliegen zu sein, die Vögel gut durch den Winter zu bringen. Ein Grund dafür kann sein, dass Vogelbeobachtungen glücklich machen! Das zeigt eine Untersuchung der katholischen Universität Eichstätt. Mehr als 20 Millionen Euro geben wir jährlich für Vogelfutter aus. Doch häufig bleiben die Nüsse und Samen unberührt. Den BUND Naturschutz erreichen in den letzten Tagen viele Meldungen zu verschmähten Meisenknödeln. „Vögel sind wählerisch, solange sie durch das Wetter nicht gezwungen sind auf minderwertige Kost umzusteigen,“ erklärt Robert Kurzmann, Vorsitzender des BUND Naturschutz Cham. Bei Billig-Vogelfutter aus dem Discounter oder dem Baumarkt leidet häufig die Qualität. Sehr günstige Meisenknödel enthalten Abfallfette, Backbrösel und andere unverdauliche Füllstoffe.

Wer in seinem Garten viele Vögel beobachten will, muss deswegen auf eine gute Futterqualität setzen. Dabei gilt: Je vielfältiger das Futterangebot ist, desto mehr Vogelarten finden etwas Passendes. Besonders beliebt sind Sonnenblumenkerne, Hanf, Hirse, Mohn, Distelsamen, Fett-Kleie-Gemische, Haferflocken, frisches Obst, Rosinen und getrocknete Mehlwürmer. Es versteht sich von selbst, dass Vogelfreunde die Futterstellen im Garten sauber halten und verschmutztes Futter entsorgen. Frisches Wasser sollte das ganze Jahr angeboten werden.

Doch hilft man mit der Vogelfütterung auch dem Artenschutz? „Nur Füttern ist zu wenig. Man fördert damit lokale Tierpopulationen, aber nicht unsere überlebenswichtige Biodiversität“, begründet Kurzmann. Echter Vogelschutz ist der Erhalt strukturreicher Landschaften und der Schutz natürlicher Lebensräume. Während nämlich Spatzen, Meisen und Amseln am Futterhäuschen wie im Paradies leben, haben andere Vogelarten kaum etwas davon. Die Arten, die ans Futterhaus kommen, sind bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht gefährdet. Seltene und bedrohte Arten, wie Rebhuhn oder Grauammer, kommen dagegen kaum an die Futterstelle. „Eine Winterfütterung leistet nur einen sehr geringen Artenschutzbeitrag. Viel wichtiger für den Schutz unserer Gartenvögel sind dichte Hecken, Streuobst, naturnahe Stauden und Kräuter“, erklärt der BN-Vorsitzende. Und noch einen Tipp hat der Naturfachmann parat. „Der Kauf von regionalen und biologisch angebauten Produkten hilft, strukturreiche Landschaften als Lebensraum für viele verschiedene Vogelarten zu erhalten. Das fördert auch seltene und gefährdete Arten.“

Wer zum Beobachten Wildtiere lieber ohne Köder in seinen Garten locken möchte, findet auf den Seiten des BN viele Tipps. Öko-Tipps für den Naturgarten | BUND Naturschutz (bund-naturschutz.de).
Für Rückfragen: Robert Kurzmann, Vorsitzender des BUND Naturschutz, Kreisgruppe Cham, Tel. 09972/3179; cham@bund-naturschutz.de


14./15.01.2021 Erste Telefonsprechstunde wurde gut angenommen

Energiewende von unten – Umsteigen auf das E-Auto

Burghard Lang und Hans Geiger sind seit einiger Zeit Fahrer von E-Kleinwagen. Den Strom gewinnen beide von eigenen Photovoltaik-Anlagen. Das Telefon stand nicht still, als Lang zusammen mit dem Kfz-Meister Hans Jürgen Traurig und Geiger telefonisch Auskunft über ihre Praxiserfahrungen und Fördermöglichkeiten gaben. Bis es neue und noch bessere Technologien gibt, ist das E-Auto eine Chance, CO2 -neutral zu fahren.

Hier geht´s zu den häufigsten Fragen und Antworten: Link

Wieviel Euro beträgt die staatliche Förderung?
Für den Kauf eines neuen Elektro-Autos bis 40.000 Euro netto Listenpreis erhält man aktuell 9.000 Euro Zuschuss, 3.000 Euro vom Händler und 6.000 Euro von staatlicher Seite. Einen neuen E-Kleinwagen kann man also je nach Ausstattung bereits für unter 20.000 Euro kaufen. Zusätzlich können Batteriespeicher und Wallbox gefördert werden.

Mit welcher Reichweite kann ich rechnen?
Je nach Modell und Batteriegröße kommt man 200 bis 400 Kilometer weit. Im Winter beträgt die Reichweite 10 bis 20 Prozent weniger, da auch die Energie für die Heizung aus der Batterie stammt. Übrigens: Bei Verbrennermotoren steigt der Spritverbrauch bei kaltem Motor im Winter ebenfalls.

Wie lange beträgt die Ladezeit?
An öffentlichen Schnellladestationen dauert ein Ladevorgang von 20 auf 80 Prozent zwischen 30 und 45 Minuten, an der Wallbox zu Hause ca. drei Stunden. Das Netz der Ladestationen ist bei uns gut und soll noch weiter ausgebaut werden. Das E-Auto kann auch an einer normalen Haushaltssteckdose angesteckt werden, so dass es zum Beispiel über Nacht aufgeladen werden kann. Je nach Modell und Batteriegröße dauert der Ladevorgang dann ca. 10 Stunden.

Wie ist das Fahrverhalten?
Einmal E-Auto, immer E-Auto. Auf diesen kurzen Nenner lassen sich die Fahreigenschaften bringen. Ein E-Auto fährt leiser, ruhiger, ruckelt nicht, braucht keine Gangschaltung und hat eine sehr gute Beschleunigung, die jeden Verbrenner alt aussehen lässt. Und es ist ein gutes Gefühl, ohne CO2-Ausstoß oder andere schädliche Abgase mobil zu sein.

Wie ist die Umweltverträglichkeit wegen des eingebauten Lithiums und Kobalts zu bewerten?
Natürlich sollte man diese Rohstoffe möglichst sparsam verwenden. Aber auch in einem Auto mit Verbrennungsmotor werden wertvolle und seltene Rohstoffe verbaut wie zum Beispiel Platin im Katalysator, ganz zu schweigen von allen Handys und Computern. Will man einen genauen Vergleich der Umweltverträglichkeit ziehen, muss man jedoch neben der Herstellung auch den Betrieb der Autos in Betracht ziehen. Strom aus erneuerbaren Energien bei den E-Autos vorausgesetzt (Photovoltaik, Wind, Wasser), schneiden Verbrenner-Autos mit CO2-Ausstoß, Stick- und Kohlenmonoxid Ausstoß, Ruß- und Feinstaubbelastung deutlich schlechter ab.

Mittlerweile ist die Technik bei E-Autos ausgereift. Die Auswahl an Modellen ist groß und die Förderung hoch. In Verbindung mit einer eigenen Photovoltaik-Anlage ist ein E-Auto sowohl ökologisch als auch wirtschaftlich konkurrenzlos. Burghard Lang und Hans Geiger jedenfalls würden sich jederzeit wieder für ein E-Auto entscheiden.

Wer zu den beiden Telefonsprechstunden nicht durchgekommen ist oder keine Zeit hatte, kann sich gerne unter 09971/9952437 oder cham@bund-naturschutz.de informieren.