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20.02.2024 Windkraft in Bürgerhand

Eschlkam.-Wolfgang Degelmann ist bekennender Windenergie-Fan. Seit fast 30 Jahren führt er die Geschäfte der ersten Windkraftanlage in Bürgerhand. Das leise „Wupp – wupp“ der Flügel ist bei den meisten Wetterlagen nicht zu hören. Dafür umso deutlicher ein Geräusch in seiner Vorstellung: Bei jeder Umdrehung fällt ein 10-Cent -Stück in den Geldbeutel der Bürger*innen, die das Windrad im Rahmen einer Kommanditgesellschaft finanziert haben.

Ausgangspunkt für den sehr gut besuchten Vortrag am Dienstagabend im Rathaus Eschlkam war das 50-jährige Jubiläum der Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz. Da die Gemeinde Eschlkam von Anfang an Mitglied ist, organisierte BN-Vorsitzender Robert Kurzmann den Vortrag in Absprache mit Bürgermeister Florian Adam zur Ehrung der Gemeinde.

Im Landkreis Hof, wo das Bürger-Windrad steht, herrschte in den siebziger und achtziger Jahren bei Inversionswetterlagen extrem schlechte Luft, bedingt durch die geographische Lage. Viele Kinder litten an Pseudo-Krupp, so dass schadstofffreie Energieerzeugung das große Thema war, berichtete Degelmann. Wie alle mittlerweile wissen, steigt außerdem die durchschnittliche Temperatur auf der Erde mit steigender CO2-Konzentration an. Die Erhöhung auf 1,5-Grad zu begrenzen, ist mittlerweile nahezu nicht mehr zu schaffen; je höher der Anstieg ausfällt, desto katastrophaler wirkt sich das auf die Umwelt und unser menschliches Leben aus. 2023 brachte einen neuen Rekord am weltweiten CO2-Ausstoß, und der Trend nach oben ist nahezu ungebrochen. Wir brauchen also schnell Erneuerbare Energien statt fossiler Brennstoffe, so der Referent.
Im Vergleich der Erneuerbaren zeigt sich, dass die Windkraftanlagen nicht nur am effektivsten sind, sondern auch, gemessen an der Leistung, den geringsten Platz brauchen (siehe Kasten). Noch dazu sind moderne Anlagen heute 100-fach so leistungsfähig wie noch 1980. Um bei uns im Binnenland die bestmögliche Energieausbeute zu erzeugen, muss man hohe Anlagen bauen. Doch wo sollen Windräder stehen? Während Autobahnen mit gigantischen Drehkreuzen klaglos hingenommen werden, regt sich gegen eine Windkraftanlage häufig Protest. Ein Windrad im Wald wird mit Skepsis betrachtet. Ist der Wald durch z.B. den Borkenkäfer großflächig abgestorben wie in Teilen des Frankenwaldes, geht der Protest gegen Null. Aber muss es erst soweit kommen? Windkraft wirkt der Klimakatastrophe entgegen. Und je mehr die Bürger beteiligt werden, desto größer ist auch die Akzeptanz für den Standort. Das Fazit des Referenten lautet deshalb, dass Windkraft in Bürgerhand gehört.

Aktuell werden 26 % des Stroms in Deutschland aus Windenergie erzeugt, in Bayern nur 6,7 %. Ab 2016/17 brach der Ausbau der Windenergie wegen der bayerischen 10 H – Abstandsregel ein. Die Zielvorgabe der bayerischen Regierung lautet, bis 2027 auf 1,1 % der Fläche Windvorranggebiete auszuweisen, bis 2032 1,8 Prozent.

Zurück zu den Anfängen der WINNERGIE im Landkreis Hof. Vor dem Bau 1995 musste die Kommanditgesellschaft das nötige Kapital sammeln.70 Kommanditisten, Bürgerinnen und Bürger aus der Region, haben mit Einlagen zwischen 1.000 und 20.000 DM das 1,3 Mio. DM teure Projekt ermöglicht. 4 Monate benötigte der Geschäftsführer, um das nötige Kapital beisammen zu haben. Heute würde das nur 24 Stunden dauern, „weil jeder weiß, dass was dran verdient ist“, so Degelmann. Die Wertschöpfung bleibt so zu 100 Prozent in der Region. Der Bürger profitiert davon in Form einer finanziellen Rendite oder eines günstigeren Strompreises, je nach Beteiligungsmodell und Verhandlung.
Im Landkreis Hof produziert das Windrad seit nunmehr fast 30 Jahren sauberen, umweltfreundlichen Strom. Damit dreht es sich schon zehn Jahre länger, als die Lebensdauer damals kalkuliert wurde. Nach einem Rückbau ist die Landschaft wieder unversehrt da – im Gegensatz zum Braunkohletagebau.

Im vollbesetzten Saal gab es im Anschluss viele Fragen wie zum Geräuschpegel. Der Referent wohnt selber nur 700 Meter von einem fast 200 Meter hohen Windrad entfernt. Nur an etwa 10 bis 15 Tagen im Jahr ist die Anlage mit einem „wupp – wupp“ überhaupt zu hören, berichtete Degelmann. Das Geräusch tritt auf, wenn ein Flügel am Mast vorbeistreicht. Moderne, höhere Windkraftanlagen drehen sich aufgrund der größeren Rotoren langsamer und sind somit für das Auge wesentlich angenehmer. Viele andere Aspekte wurden nachgefragt: Die Reparaturen einer Windkraftanlage kann man durch vollumfängliche Wartungskonzepte absichern lassen. Bei mangelndem Netz kann, wie im Hofer Nachbarlandkreis Wunsiedel, eine Anlage für Elektrolyse überschüssige Energie in Wasserstoff umwandeln. Blitzschlag hat in Sellanger in 30 Jahren nie einen Schaden verursacht. Vogelschlag kommt eher selten vor und im Vergleich zur Kollisionen mit der Bahn und dem Autoverkehr liegt er bei einer Windkraftanlage nur bei 0,1 Prozent. Bei besonders geschützten Fledermäusen gibt es mittlerweile Abschaltautomatiken. Schattenwurf an einer Wohnbebauung ist nur für 28 Stunden pro Jahr erlaubt.
Abschließend empfahl der Experte, frühzeitig mit den Planungen anzufangen und nach geeigneten Flächen Ausschau zu halten. Den Schlüssel zum Erfolg bilde die Bürgerbeteiligung. Die gibt es im Landkreis Cham bereits: Die Bürgerenergie Bayerwald finanziert und baut genossenschaftlich Anlagen von Erneuerbaren Energien.

Extra Kasten:

Haus, Heizen, Urlaub, Handy - unser Lebensstil verursacht CO2-Emissionen. Die Erneuerbaren Energien unterscheiden sich im Ertrag und im Platzbedarf.
Wieviel Energie wird auf 1 ha Fläche jährlich erzeugt?

1 ha Wald: 20.000 kWh Wärme pro Jahr (entspricht etwa 2.000 l Heizöl) aus dem Restholz

1 ha Silomais in der Biogasanlage: 20.000 kWh Wärme und 16.000 kWh Strom

1 ha Photovoltaik: 1 Million kWh Strom

1 Windrad (8 MW, 1.900 Stunden Volllast): 15 Millionen kWh Strom

 

Vergleicht man den Platzbedarf von einem Windrad für die gleiche Leistung, so ergibt sich pro Jahr:
1 Windrad entspricht 15 ha Photovoltaik entspricht 417 ha Mais für Biogasanlage entspricht 750 ha Wald

 

 

 


Augen auf beim Blumenkauf

Rosen sind besonders mit Giftstoffen belastet und nicht nachhaltig, Tulpen unbedenklicher. Auf Fairtrade-Siegel achten. Beste Wahl sind Bio-Blumen und heimische Pflanzen. Es müssen nicht immer Schnittblumen sein.

Ob zum Valentinstag, Muttertag, Geburtstag oder einfach nur mal so: Blumen gehören einfach dazu. Und die Auswahl ist riesig: Tulpen, Rosen, Narzissen, Freesien, Anemonen, Ranunkel – es gibt unzählige schöne Blumen in vielen traumhaften Farben. Aber wie umweltfreundlich ist der Blumengruß eigentlich? Die Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz in Bayern rät, gerade zum Valentinstag Blumen mit dem Fairtrade-Siegel oder einem Bio-Siegel zu verschenken. Denn insbesondere Rosen, die in Deutschland im Winter angebotenen werden, sind oft mit Pestiziden belastet und führen zu Problemen in den Herstellerländern.

Im Winter kommen die Rosen hauptsächlich mit dem Flugzeug aus Kenia, die dort mit enormem Wasserverbrauch gezüchtet werden – die Folgen für die Bevölkerung sind gravierend. Deutschland importiert jährlich hunderte Millionen Rosen direkt aus Kenia. Ungefähr zwei Drittel aller Zimmer- und Zierpflanzen werden im globalen Süden kultiviert oder vorgezogen, was neben dem hohen Wasserverbrauch häufig mit intensivem Pestizideinsatz einhergeht. Auch in der Rosenproduktion werden zahlreiche und zum Teil gefährliche Gifte gespritzt. Auf getesteten Rosen sind oftmals Rückstände mehrerer Pestizide nachweisbar*. Diese Stoffe schädigen vor allem die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter im Rosenanbau, die zumeist unter schlechten Bedingungen tätig sind. Robert Kurzmann, 1. Vorsitzender der Kreisgruppe Cham erklärt: „Viele der eingesetzten Mittel gegen Pilzerkrankungen oder Schadinsekten bei Blumen sind krebserregend oder schädigen das Hormonsystem. Auch für Blumenverkaufende können die Rückstände in Rosen noch ein Gesundheitsproblem sein.“

Wenn das Siegel "Fairtrade" auf dem Blumentopf, der Rose oder dem Blumenstrauß erkennbar ist, so verläuft die Blumenzucht nach besseren sozialen und ökologischen Standards als bei herkömmlichen Produkten: Die Beschäftigten werden fair entlohnt, auch Regeln zum Gesundheits- und Umweltschutz sind umfangreicher als bei "Standard-Blumen". Wer beim Blumenkauf auf dieses Siegel achtet, tut also auch den Beschäftigten vor Ort und der Umwelt etwas Gutes.

Als giftfreies Geschenk eignen sich Tulpen besser als Rosen. Pestizidrückstände werden hier seltener festgestellt, zudem wachsen diese Blumen meist in Mitteleuropa und die Transportwege sind kürzer – auch das schützt die Umwelt. Wunderschön sind auch Kirsch- oder Forsythien-Zweige, die in der warmen Wohnung vorzeitig zu blühen beginnen. Sie sind hierzulande heimisch, unbelastet und halten sogar länger als jede Schnittblume.

„Die beste Wahl“, so der BN-Experte, „sind Bio-Blumen oder Bio-Pflanzen, die möglichst noch aus der Region stammen. Bio-Blumen werden ohne den Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden und ohne Mineraldünger produziert. Auch chemische Hemmstoffe, die die Pflanzen klein halten, sind tabu ebenso wie Gentechnik.“ Geht das überhaupt, werden sich Einige Fragen. Ja, im Bio-Zierpflanzenanbau werden Schadinsekten mit Nützlingen wie Schlupfwespen, Raubmilben oder Marienkäfern reduziert statt die bienengefährlichen Neonikotinoide einzusetzen. Der Abstand zwischen den Pflanzen ist oft etwas größer. So kann die Feuchtigkeit reduziert werden mit dem Vorteil, dass weniger Pilzkrankheiten auftreten. Um die Abwehrkräfte der Pflanzen zu stärken, erhalten sie Pflanzenstärkungsmittel auf biologischer Grundlage.

Bio-Blumen gibt’s von den bekannten Bio-Anbauverbänden Demeter, Bioland und Naturland oder mit dem EU-Biosiegel. Verkauft werden sie in Naturkostläden, in Bio-Gärtnereien, auf Märkten oder in Hofläden direkt vom Produzenten. Und auch das ganze Jahr über kann man Bio-Pflanzen erhalten: Die Saison startet im Frühjahr mit Ranunkeln, Anemonen, Narzissen und Tulpen. Im Sommer gibt es dann eine riesige Palette Sommerblüher wie heimische Rosen, Lilien oder Sonnenblumen. Im Herbst blühen Dahlien, Astern, Chrysanthemen und Gräser, im Winter gibt es Christrosen und Weihnachtssterne im Angebot.

Es müssen auch nicht immer Schnittblumen sein, betont Kurzmann. „Es gibt auch jede Menge hübsche Frühjahrsblüher, Frühlingsprimeln oder Krokusse im Topf. Auch die kann man schön verpacken und man hat länger was davon. Auf dem Balkon, auf der Fensterbank und im Garten blühen sie lange weiter.“


*Rosentest: Ökotest 2017, Global 2000 – 2013

Weitere Informationen:
Eine Liste mit Bezugsquellen für Bio-Blumen: www.bio-zierpflanzen.de


Jahresrückblick 2023

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