Presseartikel 2026
21.07.2026 Revival für die Chamer Umwelttage

18.07.2026 Neophyten - Invasive Arten Teil 1
In Zeiten internationaler Handelsströme kann es nicht ausbleiben, dass Tiere und Pflanzen aus fremden Ländern absichtlich oder unabsichtlich eingeschleppt werden. Sie verändern die Ökosysteme empfindlich bis hin zur Zerstörung ganzer Biotope. Viele von ihnen sind mittlerweile schon so lange und so weit verbreitet, dass sie gar nicht mehr als fremdländisch empfunden werden, wie die Robinie und die Lupine, die ursprünglich aus Nordamerika stammen. Auch im Landkreis Cham gibt es mittlerweile zahlreiche Standort und sie werden mit jedem Jahr immer mehr. Neophyten werden dann zur Gefahr für unsere heimische Flora, wenn sie sich invasiv verbreiten. Manche dieser Pflanzen können auch Gesundheitsproblemen, wie Allergien auslösen. Es lohnt sich also durchaus, sie zu kennen und zu meiden und vor allem aus den Hausgärten fernzuhalten.
Besonders durchsetzungsfähige Neophyten stellt der Bund Naturschutz, Kreisgruppe Cham, in dieser Serie vor.
Kanadische und Spätblühende Goldrute
Die Kanadische und Spätblühende Goldrute kommt aus Nordamerika, wurde als Zier- und Nektarpflanze eingeführt und hat sich seit dem 19. Jahrhundert bei uns etabliert. Sie gehört zur Familie der Korbblütler und erreicht Wuchshöhen zwischen 50 und bis zu 250 Zentimetern. Die Pflanze ist sehr licht- und wärmebedürftig. Sie breitet sich nicht nur durch 20 000 Samen pro Pflanze, sondern auch durch dichte Wurzelausläufer aus. Durch Verwilderung bedroht sie heimische, besonders lichtliebende Pflanzenarten. Sie breitet sich auf Trockenrasen- und Brachflächen, etwa entlang von Bahnstrecken, stark aus. In ihrer Heimat ernähren sich über 250 Fraßinsekten von ihr. Bei uns hat sie keine natürlichen Fressfeinde. Ihre Blüten, die von Juni bis Oktober erscheinen, dienen auch als Nahrung für Wildbienen, Bienen und Tagfalter. Die Bekämpfung ist sehr schwierig und erfordert Geduld. Häufiges Mähen und Ausgraben der Wurzeln sind mühsam und führen kaum zu einem dauerhaften Erfolg. Daher ist eine Bekämpfung nur in ökologisch wertvollen Gebieten sinnvoll.
Im eigenen Garten sollte man die Kanadische Goldrute nicht kultivieren, da sie durch Verwilderung leicht in die freie Natur gerät und dort das Ökosystem schädigt.

Indisches Springkraut
Das einjährige Indische Springkraut kommt ursprünglich aus dem Himalaya. Die Art ist feuchtigkeitsliebend und findet sich an Waldrändern und entlang von Gewässern. Sie bildet besonders im Hochsommer dichte Bestände. Sie wird ein bis zwei Meter hoch und produziert über 4000 Samen pro Pflanze, die bis zu 7 Meter weit geschleudert werden und 4-6 Jahre keimfähig bleiben. Durch Bäche, Flüsse und Kies, der zum Wegebau verwendet wird und mit Samen des Indischen Springkrauts verunreinigt ist, wird die Pflanze immer weiterverbreitet. Die Blüten erscheinen von Juni bis Oktober und sind weiß, rosa oder purpurrot. Andere blühende Wildpflanzen werden verdrängt, die Artenvielfalt ist auf den betroffenen Flächen stark eingeschränkt.
Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern sollten alle Bestände vor der Blüte bzw. vor der Samenbildung regelmäßig entfernt werden. Im Hausgarten sollte man das Indische Springkraut keinesfalls dulden, auch wenn es hübsch aussieht.

Ambrosie
Die Ambrosie stammt aus Nordamerika. Sie gehört zur Familie der Korbblütler. Erste Nachweise stammen aus dem Jahr 1613 aus Polen, Seit 1930 breitet sie sich immer stärker aus. Sie wurde unbeabsichtigt mit Getreide, Kleesaatgut, Wolle und Vogelfutter eingeschleppt. Besonders verbreitet ist sie in Südosteuropa, wo sie als gefürchtetes Unkraut in landwirtschaftlichen Kulturen gilt.
Sie wird 20-150 Zentimeter hoch, blüht gelb und liebt trockene, nährstoffreiche Böden. Man kann sie leicht mit unserem heimischen Beifuß verwechseln, aber während der Beifuß behaarte Blattunterseiten hat, ist die Ambrosie oben und unten glatt grün. Die Ambrosie breitet sich vor allem entlang von Verkehrswegen, vor allem Autobahnen, aus.
Abrosiapollen gehörten zu den stärksten Allergieauslösern, 5-10 Pollen pro Kubikmeter Luft reichen für einen allergischen Anfall aus; eine Pflanze produziert über ein Milliarde Pollen. Durch die späte Blüte im August und September verlängert sich die sonst übliche Pollensaison um zwei Monate. Auch Hautreizungen durch Kontaktallergien sind möglich. Darum müssen möglichst alle Pflanzen durch Ausgraben entfernt und anschließend vernichtet werden; größere Bestände sollten an die Landratsämter (Gartenbaufachberater) gemeldet werden. Vogelfutterplätze im Garten sollten auf Ambrosiasamen untersucht werden.
11.07.2026 Atomare Endlager ohne Bürgerbeteiligung? Nein, danke!


Dass die Atomenergie und ihre tödlichen Gefahren durch radioaktive Strahlung die Menschheit noch für ca. 1 Mio. Jahre begleiten wird, war mit ein Thema, als sich am vergangenen Samstag Anti-Atom-Demonstranten aus Tschechien, Österreich und dem Landkreis Cham bei der tschechischen Ortschaft Manovice trafen. Auch deswegen ist das Problem der Endlagerung über einen so langen Zeitraum besorgniserregend und stößt auf Widerstand bei der betroffenen Bevölkerung.
Von ursprünglich 9 möglichen Endlagerstandorten ist die Region um Manovice bei den letzten 4 noch zu prüfenden Standorten mit dabei, wie Frantisek Kaba bei der Begrüßung der Teilnehmer am Ausgangspunkt der Demo am Bahnhof Pacejov erläuterte. Bis 2030 soll dann hierzu ein Entscheid durch die tschechische Regierung erfolgen. Bereits zum 23. Mal kam man dort zusammen und die Waldviertler und Chamer Teilnehmer wurden wie die Jahre zuvor wieder herzlich empfangen sowie bei Getränken und Verpflegung freigehalten. Nach Stärkung mit einer von der Bahnhofswirtin zubereiteten Leberknödelsuppe machten sich die Demonstranten auf den Weg zum ca. 3 km entfernten Manovice.
Wie die Chamer von Gottfried Brantner auf dem Weg erfuhren, gibt es den Widerstand gegen Atomenergie in Österreich schon seit mehr als 50 Jahren. Auslöser waren die Planungen für drei AKW und das hierfür geplante Endlager im Waldviertel. 1970 hat der Widerstand dort mit 10 Personen begonnen. Dieser endete dann erfolgreich im Dezember 1978 mit einer Volksabstimmung, in der sich die Österreicher mit knapper Mehrheit gegen die Atomkraft aussprachen. Das schon fertiggestellte AKW Zwentendorf ist so nie in Betrieb gegangen und damit auch kein radioaktiver Müll angefallen, der für einen so langen Zeitraum endgelagert werden müsste.
Der Demonstrationszug endete in einem Festzelt am Ortsrand von Manovice. Dort wurden die Teilnehmer von Bürgermeisterin Lenka Kotlakova begrüßt und über die Bedenken der Gemeinde und ihrer Bürger informiert. Hauptkritikpunkt war hier, dass die Entscheidungen ohne die betroffenen Bürger mit einzubeziehen getroffen werden. Ausführliche Infos zum aktuellen Stand kamen anschließend von Vertretern verschiedener Anti-Atom-Bewegungen: Aufgrund der tschechischen Atomenergie-Ausbaupläne dürfte sich der hochradioaktive Müll nahezu verdoppeln; so dass evtl. zwei Endlager notwendig werden. Trotz der erheblichen Steigerung des Atommülls soll zum ersten Mal keine Umweltverträglichkeitsprüfung stattfinden. Erkundungsbohrungen bis 100 m Tiefe haben bei Temelin schon begonnen. Nach Abschluss an allen 4 möglichen Standorten sollen Tiefenbohrungen von 600 – 1000 m erfolgen. Da diese problematisch sind, ist zu befürchten, dass der bis 2030 angesetzte Entscheid aufgrund von nicht zureichenden Daten getroffen wird. Weiterhin war zu erfahren, dass am Tag vor der Demo die Regierung die Endlagersuche als strategische Sicherheitslage eingestuft und die Rechte von Bürgern und NGO’s eingeschränkt hat. Die betroffenen Bürger müssen nicht mehr befragt werden.
Im Anschluss kamen auch noch die Anreisenden aus Österreich und dem Landkreis Cham zu Wort. BN-Kreisvorsitzender Robert Kurzmann bestärkte die „tschechischen Freunde“ in ihren Bemühungen mit dem Hinweis auf die erfolgreich verhinderte Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf – damals auch mit großer Unterstützung von österreichischer Seite – und dem gleichzeitigen Appell sich dafür einzusetzen, statt Atomenergie die Erneuerbaren in Tschechien weiter auszubauen.
02.07.2026 Feuchtgebiete in Not
Der BUND Naturschutz schlägt Alarm: Feuchtgebiete leiden besonders unter der Hitze und trocknen derzeit in ganz Bayern vermehrt aus. Die dort lebenden Tiere und Pflanzen sind akut in Gefahr. Wasserrückhalt muss verbessert werden.
„Unsere Feuchtgebiete in Bayern sind in größter Not“, erklärt der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe. „Wo Moore austrocknen und Quellen und Tümpel versiegen, sterben ganze Lebensgemeinschaften. Amphibien, Wasserinsekten wie Libellen, Wasserkäfer und viele weitere Arten sind in akuter Gefahr – es droht ein Massensterben“. Auch in der Kreisgruppe Cham ist man in Sorge um die in ihrem Eigentum befindlichen Feuchtflächen. „Im Bereich der Teiche in der Tappmühle ist der Wasserstand bereits merklich gesunken und auch die anderen Feuchtbiotopen wie Dürrnberg und Aukenzell leiden unter der Trockenheit. Unter anderem für Jungfrösche ist die Lage bedrohlich“, sagt die Biotopbeauftragte der Kreisgruppe, Karola Jackisch.
Aufgrund der Hitze und der Trockenheit sind die Wasserstände vieler Weiher, Moore und Bäche extrem niedrig. Pfützen auf Waldwegen und in Auen sind meist längst ausgetrocknet, damit verlieren Wildtiere ihre Tränken. Die allgemeine Krise der Feuchtgebiete wird gerade noch einmal massiv verschärft, viele der dort lebenden Arten sind auf dem Rückzug. Experten des BUND Naturschutz haben Rückgänge vieler Moorlibellen und Amphibien festgestellt. Dramatisch abgenommen haben etwa Grasfrosch und Kleiner Wasserfrosch. Schlimmer noch: Die Trockenheit verändert die Lebensräume nachhaltig, so die stellvertretende Landesbeauftragte, Dr. Christine Margraf.
Der BUND Naturschutz fordert verstärkte Anstrengungen im Schutz und der Renaturierung von Feuchtgebieten. „Wir brauchen endlich einen konsequenten Wasserrückhalt in der Landschaft“, so Margraf. „Nach wie vor werden Feuchtgebiete großflächig entwässert und trocknen dadurch schnell aus. Wo dagegen Moore, Feuchtlandschaften und Flüsse renaturiert wurden oder der Biber mit seinen Dämmen Wasser zurückhält, ist der Wasserabfluss deutlich verlangsamt. Das brauchen wir auf deutlich größerer Fläche als bisher. Die bisherigen Förderprogramme für Bewirtschafter und die rechtlichen Vorgaben sind hierfür nicht ausreichend und müssen verbessert werden.“
Der BN weist auch darauf hin, dass die Renaturierung von Feuchtgebieten auch ein zentrales Ziel der EU-Natur-Wiederherstellungsverordnung ist und dass intakte Feuchtgebiete nicht nur zur besseren Anpassung an den Klimawandel nötig sind, sondern selbst auch als Klimaschützer wirken.
Klar ist aber auch: je schlimmer der Klimawandel, desto schwieriger wird die Renaturierung. Wir brauchen daher unbedingt auch beschleunigten Klimaschutz und Ende der Nutzung fossiler Ressourcen“, so Geilhufe abschließend.
26.06.2026 Exkursion in den Stadtwald Bad Kötzting am Ludwigsberg

Selbst 35 Grad im Schatten haben eine Gruppe von Naturfreunden nicht davon abhalten können an einer Exkursion im Stadtwald am Ludwigsberg in Bad Kötzting teilzunehmen. Eingeladen hierzu hatte der Bund Naturschutz (BN), um von der zuständigen Försterin Johanna Gierl Näheres zu erfahren über den Wald und dessen Herausforderungen in Zeiten des Klimawandels.
Bezugnehmend auf die aktuellen Hitzetage wies BN-Kreisvorsitzender Robert Kurzmann bei der Begrüßung hin, dass an seinem Wohnort (umgeben von Hecken und Wäldern) die Temperatur im Schatten oftmals um bis zu 5 Grad niedriger sein kann als in Städten wie Furth im Wald oder Cham mit viel Versiegelung und wenig Bäumen. Den Temperaturunterschied konnten dann die Teilnehmer beim Eintauchen unter den Blätterschirm des Stadtwaldes gleich hautnah erleben: Obwohl es stetig bergauf ging war die Hitze auch für die älteren Teilnehmer gut erträglich; ähnlich einer Klimaanlage, nur auf natürlichem Wege über die Verdunstung der Blätter, wie Johanna Gierl erläuterte. Zu Bedenken gab sie jedoch, dass die zunehmende Klimaerwärmung auch dem Wald Probleme bereitet. Während in den oberen 25 cm Waldboden auf den mitgebrachten Karten noch viele Bereiche für pflanzenverfügbares Wasser blau gekennzeichnet waren, wechselte dies im tiefen Wurzelbereich darunter in die Warnstufe rot. Für den Erhalt der Wälder und eine erfolgreiche Waldbewirtschaftung ist neben dem Licht und einem für die jeweilig Baumart geeigneten Boden das pflanzenverfügbare Wasser von Bedeutung, so die Försterin. Wenn dann sehr wasserdurchlässige Bodenschichten zum fortschreitenden Temperaturanstieg hinzukommen verstärkt dies den Hitzestress und die Anfälligkeit für Schadinsekten; was mit zum Absterben von mehreren 10.000 ha von Fichtenmonokulturen im Frankenwald führte. "Ein Schreckensbild", wie eine Teilnehmerin, die dort aufgewachsen ist, den empfundenen Verlust an Heimat bezeichnete.
Johanna Gierl wies auch darauf hin, dass im Gegensatz zur Landwirtschaft die Forstwirtschaft auf sich ändernde Bedingungen nicht schnell reagieren kann, da die Wachstums- und Erntezeiten (Umtriebszeit) je nach Baumart bis zu 300 Jahre dauern können. Um so wichtiger sei es jetzt die richtigen Entscheidungen zu treffen, um den Umbau zu einem klimaresilienten Mischwald voranzubringen. Anhand von Karten mit wechselnden Baumarten und Klimamodellen stellte die Försterin anschaulich dar, dass beim "worst case"-Modell der Erderhitzung der Brotbaum Fichte im Kötztinger Raum nur noch auf dem Kaitersberg eine Überlebenschance hätte. Nach möglichen Ersatzbaumarten für eine Bauholznutzung befragt äußerte die Försterin, dass die Weißtanne, aber z.B. auch die Nordmann-Tanne oder Douglasie besser mit der Klimaveränderung zurecht kämen; ebenso wie bestimmte Zedernarten. Fichten wird es nicht nur zu warm und zu trocken, als Flachwurzler sind diese auch anfälliger für Sturmschäden, die infolge des Klimawandels an Stärke und Häufigkeit zunehmen werden, gab sie auch zu bedenken. Unter den Laubhölzern haben in unserer Region, aufgrund der Bodenbeschaffenheit, Eichen und Rotbuche eine günstige Prognose, so die Referentin. Zukunftsfähig wären z.B. auch Baumhasel, Esskastanie oder Robinie. Wer möglichst sicher gehen will sollte auf Vielfalt setzen; auch um es den Schadinsekten, die es für jede Baumart gibt, möglichst schwer zu machen. Der Stadtwald konnte hierfür als ein besonders positives Beispiel dienen; deshalb wurde er auch vor einiger Zeit als Flora-Fauna-Habitat (FFH) bei der Ausweisung mit erfasst. Dieses Stichwort nahm der BN-Kreisvorsitzende zum Anlass, um auf den FFH-Stresstest auf EU-Ebene hinzuweisen, wo zu befürchten ist, dass auf Drängen mehrerer Mitgliedsstaaten (darunter auch Deutschland) bestehende Naturschutzgesetze abgeschwächt werden. Hiergegen können die Bürger noch bis 4. August online Einwendungen erheben.
Auf dem Rückweg konnten die Teilnehmer von der Försterin auch noch erfahren, welche Bedeutung Biotopbäume für die Artenvielfalt im Wald haben, dass sie mit einer gewellten Linie gekennzeichnet werden und dass Privatwaldbesitzer für den Erhalt solcher Bäume eine Förderung vom Staat erhalten.
16.06.2026 Wenn die Kinderstube austrocknet – Amphibienschutz im Zeichen der Klimakrise
Die Sandgrube Schachendorf ist ein Biotop des BUND Naturschutz und bietet wertvollen Lebensraum für einige seltene Tierarten. Die Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz hat auf der FFH-Fläche Renaturierungsmaßnahmen durchgeführt. So wurden zum Beispiel Laichgewässer geschaffen, die sofort von Amphibien angenommen wurden. Doch durch das trockene und warme Frühjahr drohten die Wasserflächen auszutrocknen. Nur eine schnelle Rettungsaktion konnte die Kaulquappen vor dem sicheren Ende bewahren.
Vor ca. 30 Jahren hat die BN-Kreisgruppe Cham die stillgelegte Sandgrube erworben und geschützt. Im Lauf der Jahre ist das Biotop immer weiter verbuscht und zugewachsen. „Diese wertvolle FFH-Fläche soll wieder zu einem sicheren Rückzugsort für die seltene Gelbbauchunke (Bombina bombina) werden“, wünscht sich Karola Jackisch. Die BN-Biotopkoordinatorin hat gemeinsam mit dem Naturpark Oberer Bayerischer Wald Anfang 2026 umfangreiche Landschaftspflegemaßnahmen zur Renaturierung angestoßen und durchgeführt. Verbuschte Bereiche wurden geöffnet und offene Wasserflächen wiederhergestellt, um so neue Laichgewässer zu schaffen. Es wurden neue Versteck- und Liegemöglichkeiten geschaffen sowie die Uferzonen für die Laichgewässer optimiert. Die Hoffnung war groß, einer Rote-Liste-Art, die bei uns vielerorts stark zurückgegangen ist, langfristig wieder eine Zukunft zu geben.
Tatsächlich stellten sich schneller als erwartet erste Erfolge ein. Kaum waren die Arbeiten abgeschlossen, wurden die neu geschaffenen Gewässer von Amphibien angenommen. Bereits Ende März legten Frösche ihren Laich ab, was man daran erkennen kann, dass die Eier einzeln in durchsichtige Gallerten gehüllt sind und in Ballen aneinander kleben. Wenige Wochen später wimmelte es im Tümpel vor Kaulquappen - ein erfreuliches Zeichen dafür, dass die Maßnahme den Bedürfnissen der Amphibien entspricht.
Doch auf die Freude folgte Ernüchterung. Der ausbleibende Regen und die ungewöhnlich trockene Witterung führten dazu, dass das Wasser in den flachen Laichgewässern immer weiter zurückging. Schließlich trockneten einige Tümpel vollständig aus. Für viele Kaulquappen bedeutete dies das sichere Ende, bevor sie ihre Entwicklung zum Frosch abschließen konnten.
Um zumindest einen Teil der Tiere zu retten, setzte Karola Jackisch in Absprache mit der Unteren Naturschutzbehörde Kaulquappen in einen anderen Tümpel um, der noch ausreichend Wasser führte. Diese Rettungsaktion gibt Hoffnung, doch die Situation bleibt angespannt. Die vergangene und bevorstehende Hitzeperiode lassen den Wasserstand bei allen Tümpeln sinken bis hin zum völligen Austrocknen. Auch die Niederschläge der letzten Wochen brachten zu wenig Wasser und konnten die Gewässer nicht wieder auffüllen, so dass die dramatische Situation für die Amphibien weiterhin bestehen bleibt. Sollte die Trockenheit andauern, droht auch der letzte „Rettungstümpel“ auszutrocknen.
Der Fall zeigt eindrucksvoll, vor welchen Herausforderungen der Amphibienschutz heute steht. Während früher zahlreiche kleine Tümpel, Fahrspuren und Feuchtstreifen über den Sommer hinweg Wasser führten, geraten viele dieser Lebensräume inzwischen bereits im Frühjahr unter Druck. Gerade Arten wie die Gelbbauchunke sind zwar an zeitweise trockenfallende Gewässer angepasst, benötigen jedoch ausreichend Zeit, damit sie ihre Entwicklung vollständig abschließen können.
Die Klimakrise verändert damit nicht nur Landschaften, sondern greift unmittelbar in die Fortpflanzung heimischer Tierarten ein. Selbst dort, wo durch aufwendige Pflegemaßnahmen neue Lebensräume geschaffen werden, können extreme Trockenphasen den Erfolg gefährden.
Dennoch zeigt das Projekt in der Sandgrube auch, wie wichtig aktive Landschaftspflege ist. Dass das Gewässer sofort angenommen wurde, beweist, dass die allgemein bedrohten Amphibien dringend geeignete Lebensräume benötigen. Umso wichtiger wird es künftig sein, genau solche Habitate zu schaffen, die auch längere Trockenperioden überstehen können.
Jede gerettete Kaulquappe ist ein kleiner Erfolg. Gleichzeitig macht die aktuelle Situation deutlich, dass der Schutz unserer Amphibien mehr denn je eine gemeinsame Aufgabe von Naturschutz, Politik und Gesellschaft ist. “Denn wenn die Kinderstuben unserer Frösche und Molche austrocknen, verlieren wir nicht nur die Tiere, sondern ein Stück biologische Vielfalt unserer Heimat,“ so die Biotopkoordinatorin Karola Jackisch von der BN-Kreisgruppe Cham.
Die Gelbbauchunke gilt als eine derjenigen Amphibienarten, die für naturnahe Kleingewässer charakteristisch sind. Ihr leiser, an ein Lachen erinnernder Ruf könnte in der Sandgrube zukünftig wieder zu hören sein - vorausgesetzt, ihre Lebensräume bleiben auch in Zeiten zunehmender Trockenheit erhalten.
10.06.2026 Bäume schützen Menschen vor Hitze

Hitzewellen, tropische Nächte, aufgeheizte Wohnungen, Einrichtungen und Arbeitsräume machen uns Menschen zu schaffen. Darauf macht der bundesweite Hitzeaktionstag am 11. Juni unter Beteiligung von Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen, Krankenkassen und Verbänden aufmerksam.Der BUND Naturschutz (BN) ist Partner des Aktionstages.
Auch wenn der Landkreis nicht zu den besonders heißen Gegenden Deutschlands gehört sind doch auch bei uns die Folgen der Klimaerwärmung mit jedem Jahr deutlicher zu spüren. Die zunehmende Häufigkeit und Intensität von Hitzeperioden gefährden die Gesundheit der Bevölkerung“, erklärt Robert Kurzmann von der Kreisgruppe Cham. „Wie allgemein bekannt ist, sind insbesondere Personengruppen mit erhöhtem Risiko, wie ältere Menschen, Menschen mit chronischen Erkrankungen, Menschen mit Behinderungen, Schwangere, Säuglinge und Kleinkinder stark gefährdet. Die mit Hitze einhergehenden psychischen und physischen Belastungen wirken sich aber auch bei völlig gesunden Menschen aus, beispielsweise auf die Arbeitsfähigkeit.“
Der wirksamste Schutz gegen die Hitze sind Bäume – insbesondere in den Städten. So wirken Straßenbäume und Parks als natürliche Klimaanlagen. Durch Verdunstung von Wasser von der Blattoberfläche kühlen sie ihre Umgebungstemperatur an heißen Tagen um mehrere Grad Celsius, außerdem spenden sie Schatten. Trotzdem verschwinden Jahr für Jahr viele Bäume für immer aus dem Stadtbild. Bis zu 300.000 waren es in Bayerns größten Städten zwischen 2012 und 2022. Demgegenüber standen 250.000 Neupflanzungen im gleichen Zeitraum. Bis diese die Funktionen großgewachsener Bäume erfüllen können, wird es aber noch Jahrzehnte dauern.
„In Stadtzentren ist es in Sommernächten nicht selten bis zu 10 Grad Celsius wärmer als auf dem Land. Deshalb ist vor allen in den Städten der Schutz von Stadtnatur und Bäumen wichtig. Umso erstaunlicher, dass nur wenige Gemeinden Baumschutzverordnungen haben, viele Baumkataster sind lückenhaft“, so Kurzmann.
Hier setzt die App „Mein Baum“ an. Gemeinsam mit der Technischen Universität München (TUM) und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) lädt die BN-Kreisgruppe Cham Bürger ein, zum Schutz von Stadtbäumen beizutragen. Über die gleichnamige kostenlose Smartphone- und Web-App können Nutzer*innen Bäume kartieren und Angaben zu Art, Zustand und Standort machen. „Mit unserem Projekt schaffen wir ein starkes Netzwerk für den Schutz unserer Stadtbäume. Bürgerwissenschaft kann hier ganz konkret helfen, Wissenslücken zu schließen und Maßnahmen voranzubringen“, betont Kurzmann abschließend.
21.05.2026 Offen für den Bürgerdialog

Cham.- Der BUND Naturschutz Cham bietet ein neues Format an. Unter dem Motto "Offen für Natur und Umwelt – der BN tritt in den Bürgerdialog" können Bürgerinnen und Bürger ihre Anliegen direkt bei der Kreisgruppe anbringen. Letzten Donnerstag fanden sich auf der ersten Veranstaltung zahlreiche Interessierte ein. Konrad Höcherl von der Ortsgruppe Roding hielt zum Einstieg ein kurzes Referat über die Brennnessel.
Vorsitzender Robert Kurzmann zeigte sich erfreut über den großen Zuspruch. "Thema ist, was von den Leuten an uns herangetragen wird", beschrieb er das neuartige Treffen. Da brennt einiges auf den Nägeln: Ein Teilnehmer beklagte den Trend, Haus und Garten mit Deko-Lichtern zu beleuchten. Das sei für Insekten eine enorme zusätzliche Belastung, manche überlebten das Kreisen um die Lichter nicht. Aber auch für uns Menschen seien Lichtquellen einem gesunden Schlaf nicht zuträglich, gab eine Teilnehmerin zu bedenken. Robert Kurzmann versprach, sich des Themas Lichtverschmutzung anzunehmen. Das nächste Treffen mit Bürger*innenbeteiligung findet in zwei Monaten an einem Donnerstag statt, der genaue Termin wird noch bekanntgegeben. Denn ein weiteres Anliegen wurde bereits an die Kreisgruppe herangetragen.
17.05.2026 Hands off nature: Ein Appell aus dem Weißen-Regen-Tal in Richtung Europäische Union und bayerische Politik
Bad Kötzting/Grafenwiesen: Mit einem eindringlichen Appell hat sich das Aktionsbündnis für den Erhalt des Weißen-Regen-Tals am Sonntag den 17.Mai an die Politik auf Landes- und EU-Ebene gewandt: Bei einer Exkursion durch den bedrohten Naturraum machten die Teilnehmer eindringlich auf die drohende Zerstörung durch die Verlegung der Staatsstraße St2140 zwischen Bad Kötzting und Grafenwiesen aufmerksam.
Das Bündnis vereint engagierte Bürgerinnen und Bürger, Anlieger sowie die beiden größten Umweltverbände Bayerns – den BUND Naturschutz und den Landesbund für Vogel- und Naturschutz (LBV). Seit fast 18 Jahren kämpfen sie gegen die Pläne der Staatsregierung und fordern stattdessen einen schonenden Ausbau der bestehenden Straßentrasse St2140 zwischen Bad Kötzting und Grafenwiesen. Doch trotz eines 2020 eingestellten Planfeststellungsverfahrens droht nun ein neuer Anlauf für die umstrittene Verlegung der Straße – und damit ein massiver Eingriff in eines der sensibelsten Ökosysteme der Region.
Die geplante Trasse soll auf die bislang weitgehend unberührte Talseite verlegt werden, mit weitreichenden Folgen: Ein 121 Meter langes Brückenbauwerk, tiefe Einschnitte und massive Dämme würden das Landschaftsbild rund um Bad Kötzting nachhaltig verändern. Rund 15 Hektar Naturfläche sollen unter Asphalt verschwinden. Zudem wäre mit einer weiträumigen Verlärmung zu rechnen. Tourismus und Naherholung könnten erheblich beeinträchtigt werden. Für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten droht der Verlust ihres Lebensraums.
Der Naturraum entlang des Weißen Regens gehört zu den ökologisch bedeutendsten Gebieten im ostbayerischen Grenzgebirge. Seine besondere Qualität entsteht durch das enge Zusammenspiel von Wasser, Wald und Offenland sowie deren wertvollen Übergangszonen. Genau
diese Vernetzung würde durch den geplanten, rund 3,5 Kilometer langen Straßenbau zerschnitten – mit weitreichenden Folgen für die Artenvielfalt. „Dieses Naturjuwel zeigt beispielhaft, wie wichtig ein starker Naturschutz auch auf europäischer Ebene ist“, betonen der LBV-Vorsitzende Karl-Heinz Schindlatz und Roger Mayer, stellvertretender Vorsitzender der BN-Kreisgruppe Cham und Sprecher des Aktionsbündnisses. Das FFH-Gebiet "Oberlauf des Weißen Regens bis Kötzting mit Kaitersbachaue (6844-371)" zählt zu den wertvollsten Naturschätzen des ostbayerischen Grenzgebirges. Mit der Auswahl und Meldung als FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) wurde die ökologische Qualität und Bedeutung über die Landkreisgrenzen hinaus gewürdigt und unter europäischen Schutz gestellt - sie sind Teil des europaweiten Biotopverbundnetzes „NATURA 2000“. Für zahlreiche Tierarten und Lebensraumtypen gilt hier seit 2004 ein besonderer Schutzstatus. Dennoch gibt es derzeit auf EU-Ebene Versuche, die Gesetze zum Schutz von Natur und Umwelt aufzuweichen. Mehrere EU-Mitgliedstaaten– darunter auch Deutschland – drängen die Europäische Union derzeit dazu, bestehende Natur und Umweltschutzgesetze abzuschwächen.
Begründet wird das mit angeblicher „Entbürokratisierung“ und „Vereinfachung“. Tatsächlich geht es aber primär um die Abschaffung wichtiger Schutzregeln – auf Kosten von Umwelt, Gesundheit und Gemeinwohl.
Die Botschaft des Aktionsbündnisses ist daher eindeutig: „Hands off Nature“ – Hände weg von unserer Natur. Denn, so die eindringliche Warnung: „Wenn die Natur verliert, verlieren wir alle.“ Roger Mayer verweist in diesem Zusammenhang auf eine laufende Unterschriftenaktion:
www.helfen.bund-naturschutz.de/handsoffnature
14./15.05.2026 Sandige Unterkunft für Bienen

Die Ortsgruppe Roding hat ein Sandarium am Freibadberg angelegt.
09.05.2026 Das Chaosspiel


Mit dem Chaosspiel die Natur kennenlernen ist eine Mitmachaktion des BUND Naturschutz, KG Cham. Spielend und immer in Aktion lernten die Kinder vieles über unsere kleinen Krabbler, die Insekten kennen.
27.04.2026 Lehrer*innenfortbildung: Die Welt der Insekten und ihre Ökosysteme

Cham.- Einen Nachmittag lang konnten Lehrerinnen und Lehrer die Rollen tauschen und sich über Insekten weiterbilden lassen. Der BUND Naturschutz, Kreisgruppe Cham, zeigte in der Klostermühle Altenmarkt an vielen praktischen Beispielen, wie man das Thema im Unterricht in verschiedenen Klassenstufen veranschaulichen kann.
„Die Hauptaufgabe von Insekten ist es, als Nahrung zu dienen“ erläuterte Ute Schödel-Geiger, die die Fortbildung durchführte. Ohne diese artenreichste Gruppe der Tierwelt hätten viele Vogelarten kein Futter, und auch Igel oder Dachse müssten darben. Eine weitere sehr wichtige Aufgabe sei der Umbau von organischer Substanz. „Ohne Insekten würden wir knietief in Unrat stehen“, sagte die Referentin. Nicht vergessen dürfe man außerdem die Bestäubungsleistung. Hier seien nicht nur die Bienen zu nennen; auch Käfer, Schlupfwespen und Wildbienen tragen zu einer guten Obsternte bei. „Mit einem Wort: Insekten bilden die Basis unseres Ökosystems!“, so Schödel-Geiger. Vom Insekten-Bingo über ein Entwicklungsstadien-Puzzle bis hin zum Nahrungs-Memory hatten die Lehrkräfte Gelegenheit, ihr Wissen zu testen und spielerisch zu erweitern. Abgerundet wurde die Fortbildung durch eine selbst gemachte Brotzeit aus regionalen Zutaten, die von der Chefin der Klostermühle, Melanie Rauscher, serviert wurde. Das Team der Umweltbildnerinnen beim BUND Naturschutz Cham kommt mit dem Insektenkoffer auch an Schulen und führt in die Welt der Insekten ein. Kontakt unter www.cham.bund-naturschutz.de
19.04.2026 Frühlingsmarkt




Zur Auftaktveranstaltung der Chamer Umwelttgae herrschte auf dem Frühlingsmarkt im Innenhof der Klostermühle Altenmakrt reges Treiben.
18.04.2026 Exkursion zur Bio-Aquakultur Weiherblasch


Schönsee.- Der Bund Naturschutz (BN), Kreisgruppe Cham, besichtigte am Samstag, den 18.04. um 10.00 Uhr die Bio-Aquakultur Weiherblasch bei Schönsee. Seit 1986 betreibt die Familie Kraus die Fischzucht und das Restaurant Weiherblasch in der alten Mühle in Lindau.
Die Teichanlage (seit 2008 ökologische Aquakultur) wird vom Mierbach gespeist, dessen Quelle drei Kilometer bachaufwärts im Naturschutzgebiet liegt. Sie liefert auch das hervorragende Leitungswasser aus dem eigenen Brunnen. In den Teichen leben Bach- und Regenbogenforellen sowie Saiblinge. Als Bio-Fische haben die Tiere viel Platz zum Schwimmen (niedrige Besatzdichte, Wassertiefe bis 2,3 Meter) und genug Zeit zum Wachsen, – zwei bis zweieinhalb Jahre brauchen seine Fische bis zur Schlachtreife.
Während konventionelles Futter häufig Fischmehl aus Beifang bzw. Tiermehl enthält, muss das Futter für Bio-Fische nach der EG-Ökoverordnung aus nachhaltiger Nutzung der Fischerei stammen.Das Naturland-zertifizierte Futter für die Weiherblasch-Fische enthält daher Meeresfischöl und -mehl aus Kopf und Gräten, die bei der Verarbeitung von ökologischen Fischen für den menschlichen Verzehr als Nebenprodukt anfallen, sowie Erbs- und Sonnenblumenmehl (pflanzliche Proteine) Rapsöl, Vitamine und Mineralstoffe (alle in Bio-Qualität).
Im eigenen Hofladen kann man die Produkte von der geräucherten Regenbogenforelle bis zum frischen Saiblingsfilet erwerben. Zum Schluss ließen sich die Teilnehmer*innen im hofeigenen Restaurant verwöhnen.
27.03.2026 Gelbbauchunke und Kammmolch kehren zurück


In der stillgelegten Sandgrube in Schachendorf startet der BUND Naturschutz Cham in Kooperation mit dem Naturpark Oberer Bayerischer Wald ein neues Naturschutzprojekt. Die stillgelegte Sandgrube befindet sich im Eigentum des BUND Naturschutz Kreisgruppe Cham, Gemeinde Cham, Gemarkung Schachendorf und wird als FFH-Fläche nachhaltig geschützt und renaturiert. Das langfristige Ziel der Maßnahme ist die Wiederansiedlung zweier europaweit geschützten Amphibienarten: der Gelbbauchunke (Bombina bombina) und des Kammmolchs (Triturus cristatus).
Die Sandgrube weist aufgrund langjähriger Sukzession eine zunehmende Verbuschung der offenen Bereiche auf. Was für viele Landschaften ein Zeichen gesunder Entwicklung ist, bedeutet für spezialisierte Arten den Verlust ihres Lebensraumes. Diese Entwicklung hat den für Gelbbauchunke und Kammmolch erforderlichen Lebensraum stark beeinträchtigt. Beide Arten sind auf sonnenexponierte, vegetationsarme Bereiche sowie auf flache, fischfreie Kleingewässer angewiesen. Zur Vermehrung brauchen sie diese Tümpel als Laichplätze. Auch Versteckmöglichkeiten und geeignete Überwinterungsstandorte werden wieder hergestellt. In ehemaligen Abbaustellen kommen diese Strukturen typischerweise vor, ebenso in Flussauen. Leider sind diese Lebensräume selten geworden. Die gezielten Renaturierungsmaßnahmen und die Wiederherstellung naturnaher Strukturen sollen den Amphibien wieder sicheren Brut- und Überwinterungsraum bieten.
Die Arbeiten wurden im Winter, in der Ruhephase der Amphibien gestartet und sind vor der Laichzeit abgeschlossen worden. Gemeinsam setzen die Projektpartner nun ein klares Zeichen für den Artenschutz: Gehölze werden behutsam entnommen, Rohbodenbereiche wieder freigestellt und die vorhandenen Kleingewässer reaktiviert. Diese Arbeiten sollen die ursprünglichen Bedingungen der Sandgrube wieder zum Leben erwecken. Aus dem stillen Gelände soll erneut ein lebendiger Rückzugsort für bedrohte Amphibien werden.
Die Sandgrube bietet – trotz des fortgeschrittenen Sukzessionsstadiums – ein großes Potenzial für den Amphibienschutz und kann maßgeblich zur Artenvielfalt beitragen. „Die Gelbbauchunke ist ein Symbol für die Natur unserer Region. Sie ist unscheinbar, aber faszinierend. So ist die Bauchunterseite dieser Unke vergleichbar mit dem Fingerabdruck bei uns Menschen. Ihr wieder einen Platz zu geben, ist uns ein Herzensanliegen“ betonen die Biotopbetreuerinnen des BUND Naturschutz Cham. Auch der Naturpark Oberer Bayerischer Wald unterstreicht die Bedeutung des Projekts: „Dieses Projekt zeigt, wie wichtig engagierte Zusammenarbeit für den Erhalt der heimischen Art ist.“
Die Maßnahmen werden in mehreren Etappen umgesetzt und fachlich begleitet. Mit der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Cham wird eng zusammengearbeitet und das Vorhaben wird von der Regierung der Oberpfalz im Rahmen eines LNPR-Antrags (Landschaftspflege- und Naturparkrichtlinie) gefördert.
In vielen Regionen ist der Lebensraum vieler Amphibienarten durch Entwässerung, Trockenphasen und Habitatverlust stark eingeschränkt. Mit diesem Kooperationsprojekt soll für die Gelbbauchunke und dem Kammmolch ein wichtigen Beitrag zu Stärkung des regionalen Amphibienschutzes sowie zur Umsetzung der europäischen Richtlinie geleistet werden. Die Rufe der Gelbbauchunke und die stillen nächtlichen Wanderungen des Kammmolchs sollen bald wieder zu unserer Landschaft gehören, so die Hoffnung der Kooperationspartner.
21.03.2026 Heimische Insekten - Faszination Vielfalt
Zu einem Vortrag über Insekten konnte der stellvertretende Vorsitzende des Bundes Naturschutz, Roger Mayer, im Anschluss an die JHV vergangenen Freitag in der Klostermühle Altenmarkt zahlreiche Besucher begrüßen. Der Referent, Ralph Sturm aus Rain bei Straubing, begeisterte sein Publikum mit großartigen Nahaufnahmen von Insekten, wie man sie wohl selten zu sehen bekommt.
Zu Beginn wies Sturm darauf hin, dass die Lebensräume für die Insekten durch das Eingreifen des Menschen in die Natur immer knapper werden. Insekten kommen in allen Erdregionen außer dem Nord- und Südpol vor. Von einer Million Arten, die weltweit bekannt sind, sind 50 % bedroht. Sie sind nicht nur als Bestäuber von Pflanzen von überragender Bedeutung, sondern sind auch als „Superfood“ eine wichtige Nahrungsquelle mit 80 % verwertbarem Protein. Weniger bekannt ist ihre Funktion als „Reinigungspersonal“ der Natur, denn sie zersetzen Kadaver und Kot. Zudem dezimieren sie als Fressfeinde Schädlinge. Die häufig gestellte Frage „wer braucht Staunzen“ beantwortete Sturm so: „Ich weiß nicht. Das sehen wir erst, wenn sie ausgestorben sind“.
Der Aufbau von Insekten ist für alle gleich und denkbar simpel: Sie bestehen aus Kopf – Brust – und Hinterleib. Von dieser einfachen Konstruktion gibt es unzählige Variationen z. B. als Käfer, Schmetterlinge, Bienen, Ameisen, Wespen Fliegen, Mücken, Libellen, Wanzen. Anhand atemberaubender Bilder stellte Sturm die einzelnen Teile vor. Ein wichtiger Bestandteil des Kopfes sind die Facettenaugen, die aus tausend Einzelaugen bestehen und mit dem Gehirn verbunden sind. Die Fühler scannen die Umgebung, vor allem auf mögliche Nahrungsquellen. Mit den Mundwerkzeugen wird die Nahrung beißend, zwickend, stechend oder saugend aufgenommen.
Der Brustteil des Insekts bezeichnete Sturm als „Muskelpaket“ und ist der Teil, den Fressfeinde bevorzugen, weil er sehr nahrhaft ist. Am Brustteil sind die Flügel und die Beine angewachsen. An den Füßen befinden sich Riechorgane, bei den Bienen werden an den Beinen die Pollenhöschen transportiert. Bei Auseinandersetzungen werden die Beine auch zum Kämpfen eingesetzt.
Am Hinterleib befindet sich der Darm, die Atemöffnungen und die Geschlechtsorgane. Weibchen senden von hier Duftstoffe aus, um Männchen anzulocken. Bei wehrhaften Insekten befindet sich auch der Stachel im Hinterleib. Ameisen spritzen von hier aus Ameisensäure als Verteidigung gegen Feinde.
Die Metamorphose bei den Insekten ist die Umwandlung vom Ei über Larvenstadien, Verpuppung mit Kokon zum fertigen Insekt. Dabei sind die Eier, Larven und Puppen sehr gefährdet, Larven vor allem zur Zeit der Häutung. Während der Überwinterung sind Insekten häufig extrem gut getarnt, so dass sie mit bloßem Auge fast nicht zu erkennen sind. Auch hier zeigte Sturm eindrucksvolle Bilder von Tieren, die von Blättern, Zweigen, selbst von Vogelkot kaum zu unterscheiden sind.
Ralph Sturm arbeitet mit vielen Partnern zusammenarbeitet, u. a. der Zoologischen Staatssammlung in München und züchtet auch Insekten. In der Diskussion ging Sturm auf den Einsatz von Chemie ein, durch den das Erbgut geschädigt werden könne, bei Bienen bestehe die Gefahr, dass sie orientierungslos werden. Entscheidend sei, dass der Lebensraum dieser wichtigen Art besser geschützt wird.
Roger Meyer bedankte sich beim Referenten für den eindrucksvollen Vortrag.
Eine Bildergalerie ist aufrufbar unter https://ralphsturm.de/galerie-insekten/
21.03.2026 Rama dama


Cham.- Wetter trocken, Stimmung gut und als Ergebnis einige gefüllte Müllsäcke – die erste Müllsammelaktion des BUND Naturschutz, Kreisgruppe Cham war ein voller Erfolg. In Altenmarkt machten sich aktive Erwachsene und Kinder auf den Weg, fanden Plastikfolien, Flaschen, Papier und jede Menge Zigarettenkippen. „Wenn man ein gutes Vorbild für die Kinder gibt, kann man hoffen, dass sie später selber keinen Müll wegwerfen“, äußerte eine Mutter ihre Motivation. Die fleißigen Helfer stärkten sich nach der Müllsammelaktion mit einer Brotzeit und warmen Tee in der Klostermühle Altenmarkt in dem Bewusstsein, dass sich nun keine Tiere mehr in Plastiknetzen verfangen oder schädlichen Müll fressen können – zumindest auf der Sammelstrecke.
05.03.2026 Frühlingserwachen im Landkreis Cham - Hummel-Challenge
Beobachten, bestimmen, melden: Bei der Hummel-Challenge vom 20. März bis 09. April 2026 können Naturfreunde auch im Landkreis Cham helfen, das Vorkommen heimischer Hummelarten direkt vor der eigenen Haustür zu dokumentieren.
Vom 20. März bis 9. April 2026 ruft der BUND Naturschutz in Bayern gemeinsam mit dem Wildbienen-Monitoring am Thünen-Institut in Braunschweig zur Hummel-Challenge auf. Naturfreunde sind eingeladen, Hummeln zu beobachten, zu fotografieren und per App zu melden. Jede Beobachtung hilft, mehr über die Verbreitung und Vielfalt heimischer Hummelarten zu erfahren und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz.
„Gerade im zeitigen Frühjahr beginnt für Hummeln eine entscheidende Phase. Jungköniginnen, die den Winter in der Erde oder in anderen geschützten Verstecken überdauert haben, erwachen jetzt aus ihrer Winterruhe. Zunächst müssen sie dringend Energie tanken. Ohne ausreichend Pollen und Nektar können sie kein Volk gründen. Erst wenn sie genügend Nahrung gefunden haben, beginnen sie mit der Suche nach einem geeigneten Nistplatz, etwa in verlassenen Mäusenestern oder dichten Graspolstern. Ob eine Königin jetzt erfolgreich ist, entscheidet darüber, ob im Sommer ein ganzes Hummelvolk entsteht“, erklärt Karola Jackisch von der BN-Kreisgruppe Cham.
Besonders Weidenarten wie die Salweide spielen dabei eine zentrale Rolle. Ihre Blüten liefern bereits ab März reichlich Nektar und eiweißreichen Pollen und sind damit eine der wichtigsten Nahrungsquellen für Hummelköniginnen im Frühjahr. Auch Frühblüher wie Krokusse, Märzenbecher, Taubnesseln oder Lungenkraut sind jetzt wertvolle Rastplätze für die pelzigen Bestäuber. Wer an blühenden Weidenkätzchen summende Gäste entdeckt, hat gute Chancen gute Hummelfotos zu schießen. „Blühende Weiden im Frühling sind für Hummelköniginnen so etwas wie ein lebenswichtiges Frühstücksbuffet. Wer eine Weide im Garten oder am Wegesrand stehen lässt, hilft damit direkt einem zukünftigen Hummelvolk“, sagt die Hummelschützerin.
So funktioniert die Teilnahme:Kostenlose App ObsIdentify oder Observation herunterladen, ein Benutzerkonto anlegen, Hummeln fotografieren und die Bilder hochladen. Eine integrierte KI unterstützt bei der Bestimmung der Art. Zusätzlich prüfen Expertinnen und Experten alle Meldungen, um eine hohe Datenqualität sicherzustellen. Die gesammelten Daten fließen in das bundesweite Wildbienen-Monitoring in Agrarlandschaften des Thünen-Instituts ein. So entsteht ein immer genaueres Bild über das aktuelle Vorkommen der Hummelarten in Bayern und ganz Deutschland. Langfristig helfen diese Informationen dabei, Veränderungen frühzeitig zu erkennen und gezielte Schutzmaßnahmen zu entwickeln.
Begleitend zur Aktion lädt der BUND Naturschutz zu einem Hummel-Quiz ein. Wer sein Wissen über die pelzigen Bestäuber testen möchte, kann teilnehmen und mit etwas Glück eines von zehn Hummel-Überraschungspaketen gewinnen. https://helfen.bund-naturschutz.de/hummelchallenge-quiz/
Die Hummel-Challenge ist ein gemeinsames Projekt des BUND Naturschutz in Bayern mit dem Thünen-Institut in Braunschweig und der Plattform Observation.org. Eine zweite Aktionsrunde folgt im Sommer vom 20. Juni bis 3. Juli 2026.
Weitere Informationen zur Teilnahme unter: www.bund-naturschutz.de/aktionen/hummel-challenge
25.02.2026 Jetzt Nistkästen für Vögel aufhängen – bald starten auch die Hummeln
Der Verlust naturnaher Lebensräume trifft Vögel und Bestäuber auch im Landkreis Cham immer stärker. Mit Nisthilfen und einem naturnahen Garten können Bürgerinnen und Bürger aktiv zum Artenschutz beitragen.
Auch in Gegenden mit rauerem Klima wie dem Landkreis Cham naht der Frühling. Die Kreisgruppe Cham des BUND Naturschutz ruft daher dazu auf, jetzt im Februar am Haus und im Garten Nistkästen für Vögel aufzuhängen. Viele heimische Arten wie Meisen, Kleiber oder Sperlinge beginnen bereits ab milden Februartagen mit Balz und Reviersuche. Wer die Kästen früh anbringt, gibt den Vögeln Zeit, sich an den Standort zu gewöhnen und sie zur Brutsaison zu nutzen. „Moderne Gebäude und gepflegte Gärten bieten kaum noch natürliche Nistplätze, daher sind Kästen und naturnah gestaltete Gärten eine wichtige Hilfe“, erklärt Robert Kurzmann von der BN-Kreisgruppe Cham. Blühpflanzen, heimische Sträucher, wilde Ecken und der Verzicht auf Pestizide sorgen außerdem dafür, dass Vögel überhaupt genug Nahrung finden.
Auch Hummeln brauchen passende Lebensräume. Die meisten unserer heimischen Hummelarten nisten unterirdisch, beispielsweise in verlassenen Mäusenestern. Ein Hummelnistkasten ahmt solche natürlichen Nester nach. Manche Hummelköniginnen erwachen an milden Tagen oft schon ab Ende Februar und gehen dann zunächst auf Futtersuche. Ihren Nistplatz wählen sie dann ab März in der Nähe von blühenden Pflanzen aus. Sind keine natürlichen Nistplätze vorhanden, sind fertige Hummelhäuser eine gute Alternative. Wer ein Hummelhaus im zeitigen Frühjahr an einem schattigen, trockenen Platz mit freier Anflugbahn aufstellt, erleichtert ihnen den Start in die Saison. „Hummeln bestäuben neben unseren Wild- auch viele Nutzpflanzen. Ohne sie gäbe es deutlich weniger Obst und Gemüse“, betont Kurzmann.
Wichtig ist Geduld: Nicht jedes Hummelhaus wird sofort besiedelt, denn die Tiere wählen ihren Nistplatz sehr gezielt aus. Die Chancen steigen deutlich, wenn der Garten hummelfreundlich gestaltet ist, etwa mit vielen Wildblumen, ungepflegten Ecken und ganz ohne Gifte. Ab 20. März lädt zusätzlich der BN wieder zur Hummel-Challenge ein. Hier werden Hummeln per App ObsIdentify bestimmt und gemeldet, um wertvolle Daten für den Schutz dieser Bestäuber zu sammeln. https://www.bund-naturschutz.de/aktionen/hummel-challenge
Bauanleitungen und weitere Informationen zu Nistkästen und Hummelhäusern:
https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/tieren-helfen/nistkasten-selber-bauen
https://www.bund-naturschutz.de/oekologisch-leben/tieren-helfen/hummelhaus-bauen
16.02.2026 Leserbrief von Vorsitzendem Robert Kurzmann zur IHK-Podiumsdiskussion der Landratskandidaten
Stellungnahme zum Beitrag „die Wirtschaft hat Fragen“
Beim Wirtschaftsgespräch der IHK zur Landratswahl hat laut Pressebericht Landratskandidat Multerer (CSU) darauf verwiesen: „dass die Infrastruktur auch deswegen so langsam vorangehe, weil der Bund Naturschutz und Klagen in der Vergangenheit geplante Maßnahmen ausbremsen.“
Der Bund Naturschutz (BN) im Landkreis Cham hat bei der Schieneninfrastruktur schon immer einen Ausbau mit durchgehender Elektrifizierung der Bahnverbindung von Prag nach Nürnberg bzw. München gefordert und vielmehr das Ausbremsen der Bahn durch die 4 CSU-Verkehrsminister seit 2009, bis zur Wahl der „Ampel“-Regierung, kritisiert. Insbesondere die Tatsache, dass Bundesverkehrsminister Ramsauer 2011 die bis dahin vorgenommene Aufteilung der Mauteinnahmen zugunsten von Straße und Schiene beendet hatte und fortan alle Mittel für die Straße verwendet wurden, stieß beim BN auf Ablehnung. Verkehrswissenschaftler Prof. Klühspies von der TH Deggendorf sieht ein grundsätzliches Problem der Verkehrsinfrastruktur im ständigen Ausbau des Straßennetzes mit gleichzeitigem Rückgang und Qualitätsabbau der Bahn und Bahnstrecken. Denn die Instandhaltung der bestehenden Straßen im ländlichen Raum wird nach seiner Aussage in Zukunft kaum mehr zu stemmen sein. So könnten in den kommenden Jahrzehnten ca. 30 % dieser Straßen in Ostbayern für eine vernünftige Verkehrsnutzung wegfallen.
Vor diesem Hintergrund fordert der BN statt dem Neubau einer Trasse durch die schützenswerte Landschaft des Regentals den Ausbau der bestehenden Straße, was einen wesentlich geringeren Flächenverbrauch mit einhergehender Natur- und Landschaftszerstörung sowie eine deutliche Reduzierung der Folgekosten bringen würde. Denn dann müsste auch nur eine Straße betreut und unterhalten werden, was in Zeiten knapper Kassen ein Gebot der Vernunft, wie auch im Sinne der Bayer. Verfassung (BV) wäre.
Der BN setzt sich für den Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen wie Boden, Wasser und Luft sowie für den Schutz der heimischen Tier- und Pflanzenarten und ihrer notwendigen Lebensräume ein. Was gem. Art. 141 BV auch eine vorrangige Aufgabe von Staat und Gemeinden wäre!
07.02.2026 Fischfauna im Landkreis Cham
Wie ist es um die Fischfauna im Landkreis Cham bestellt? - Um diese und andere Fragen zu klären hatte der Bund Naturschutz (BN) zu einem Vortrag mit dem Fachberater für Fischerei beim Bezirk Oberpfalz, Dr. Thomas Ring, eingeladen. Das Interesse – vor allem von Seiten der Fischer – war mit mehr als 50 Teilnehmern entsprechend groß. Dem Referenten gelang es in seinem mit vielen informativen Schaubildern unterlegten Vortrag auch nicht fachkundige Teilnehmer in das Monitoring der Fließgewässer im Landkreis einzuführen und für jeden verständlich die Bewertung der „Oberflächenwasserkörper“ darzustellen. Nach seiner Aussage sind das Landesamt für Umwelt und das Institut für Fischerei am Bewertungssystem für den ökologischen Zustand mit beteiligt; wobei auch Wert darauf gelegt wird „fischereiliche Bewirtschafter“ mit einzubeziehen. Die Bewertung findet immer für einen Wasserkörper statt. Hierbei können auch mehrere Bäche zusammengefasst werden, weil nicht alle beprobt werden können. Um den aktuellen Zustand zu ermitteln werden Fische, am Boden lebende Kleintiere (z.B. Muscheln, Schnecken, Insekten), Wasserpflanzen und Algen oder Plankton untersucht und Noten von 1 – 5 vergeben.
Zur Bewertung der Fischfauna wird der Regen 3mal in 6 Jahren befischt, kleinere Gewässer 2mal. Wobei der Referent betonte: „Jedes Gewässer hat seinen eigenen Charakter.“ Als Beispiel hierfür führte er eine Befischung von 4 vergleichbaren Bächen auf 800 m Höhe im Jahr 2017 an. Wo nur zwei davon einen Besatz aufwiesen. Beginnend mit dem kleinen Arbersee stellte Dr. Ring die unterschiedlichen Bewertungen des Regen und seiner Zuflüsse vor, die von „gut“ (2) bei ökologischem Zustand und Fischfauna am weißen Regen bis „unbefriedigend“ (4) für den Wasserkörper Perlinger- und Knöblinger Bach reichten. Als fischereifachlich „heißes Gebiet“ bezeichnete er den Regen bei Laichstätt, dort konnte der im Anhang II der FFH-Richtlinie aufgeführte Steinbeißer nachgewiesen werden. Bei Vorkommen der Flußperlmuschel, wie z.B. im Biberbach bei Treffelstein, findet eine jährliche Überprüfung der Kiemen der als Wirt dienenden Bachforelle statt. Die verschiedenen Entwicklungszyklen der Perlmuschel erläuterte Dr. Ring anhand eines Schaubildes. Nicht gerade förderlich ist hierbei, dass der ökologische Zustand des Biberbachs aktuell als „mäßig“ (3) eingestuft wird.
Als mögliche Ursachen für eine Verschlechterung des ökologischen Zustands des Regen wurde zum Einen die Nährstoffbelastung genannt, die sich laut Referent zu „fifty-fifty“ aufteilt in Landwirtschaft und Kläranlagenabflüsse. Bei Letzterem kann jeder einen Beitrag für weniger Chemieeintrag leisten, betonte dieser. So hat z.B. der Schmerzmittelwirkstoff Diclofenac negative Auswirkungen auf das Aquasystem. „Hier gibt es weniger problematische Alternativen, wie z.B. Ibuprofen“, ergänzte der BN-Kreisvorsitzende. Auch der Klimawandel leistet einen Beitrag, so der Referent: „das Wasser wird weniger“. Andererseits führen zunehmende Starkregenereignisse zu Sedimenteintrag und auch Verschlammung der Laichplätze. Früher übliche Verschattungen der Gewässer durch einen Erlensaum sind weitgehend verschwunden. Statt scharfer Kurven und Kannten sind viele Bäche begradigt, so dass sich diese auf natürliche Weise nicht mehr eingraben und Platz für adulte Fische schaffen können. Einen breiten Raum – insbesondere bei der anschließenden Diskussion – nahm der Einfluss auf die Fischfauna durch neu hinzugekommene Prädatoren wie z.B. Fischotter und Mink ein.
Zum Abschluss wies Kreisvorsitzender Robert Kurzmann auf die nächsten Veranstaltungen im Zusammenhang mit dem diesjährigen Schwerpunktthema „Wasser“ der Kreisgruppe hin: Am 18.04. wird eine Bio-Aquakultur in Schönsee und am 09.08. die Aufzuchtstation für die Flussperlmuschel im Landkreis besucht.
06.02.2026
06.02.2026 So funktioniert der Ausbau der Windkraft - Mittelbayerische Zeitung 09.02.2026

22.01.2026 Wassertränken jetzt aufstellen
Wenn Pfützen, Teiche und andere natürliche Wasserstellen zufrieren, wird es für Wildvögel und andere Tiere wie Eichhörnchen schwierig, ausreichend Trinkwasser zu finden. Der BUND Naturschutz (BN) ruft deshalb dazu auf, Gärten und Balkone auch im Winter mit Wassertränken auszustatten.
Der Landkreis Cham ist weitgehend von einer festgefrorene Schneedecke bedeckt. Einzelne Stellen mit offenem Boden sind trocken und gefroren, Pfützen, Teiche, Bäche und selbst Flüsse sind zugefroren, so dass die Vögel nirgends Wasser finden. Dann sollte man nicht nur Futterquellen, sondern auch Wassertränken aufstellen. Vor allem Arten, die überwiegend trockene Sämereien fressen, wie beispielsweise Meisen- und Finken, sind besonders auf Wasser angewiesen.”
Fehlt unseren Gartentieren im Winter der Zugang zu offenem Wasser, müssen sie oft weite Strecken zurücklegen oder gezielt nach eisfreien Stellen suchen. Das kostet wertvolle Energie und kann bei Frost schnell lebensgefährlich werden. Schon eine flache Schale mit frischem Wasser reicht häufig aus. Steigen die Temperaturen auch tagsüber nicht über den Gefrierpunkt, sollte öfter Wasser nachgefüllt oder die Schale über einem Teelicht platziert werden. Aufgestellt wird sie an einem gut einsehbaren Ort, damit sich Vögel bei Gefahr schnell in Sicherheit bringen können. Nahegelegene Hecken oder dornenbesetzte Sträucher bieten dabei ideale Rückzugsorte.
Nicht nur Vögel sind im Winter auf Trinkwasser angewiesen. Auch Eichhörnchen profitieren von offenen Wasserstellen, denn wie viele Vögel gewinnen sie zwar einen Teil des Wassers aus ihrer Nahrung, doch gerade im Winter reichen diese Mengen oft nicht aus. Wassertränken am Boden oder auf niedrigen Mauern werden von ihnen ebenso genutzt wie von anderen Kleinsäugern. Das Wasser sollte täglich gewechselt werden – aus hygienischen Gründen und weil es nachts meist erneut zufriert. Saubere Trinkstellen helfen zudem, die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden.
Übrigens: Offene Wasserstellen werden im Winter nicht nur zum Trinken genutzt. Manche Vögel baden bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, um ihr Gefieder zu reinigen und Parasiten loszuwerden.
20.01.2026 Eichhörnchen-App: Insgesamt 404 Eichhörnchen im Landkreis Cham erfasst
Seit fast sechs Jahren sammelt der BUND Naturschutz Daten zu Eichhörnchen. Ziel des Citizen-Science-Projekts ist es, mehr über das Vorkommen der Tiere, ihre Lebensräume, Fellfarben und Gefährdungen zu erfahren und sie dadurch besser zu schützen. Auch im Landkreis Cham beteiligen sich die Bürger*innen fleißig an der Datenerhebung.
Sie gehören zu den beliebtesten Wildtieren in Bayern – und doch wissen wir erstaunlich wenig über ihre tatsächliche Situation: Eichhörnchen. Seit April 2020 sammelt der BUND Naturschutz im Citizen-Science-Projekt „Eichhörnchen in Bayern“ mit der entsprechenden App Beobachtungen aus der Bevölkerung. Jetzt liegt die jährliche Auswertung vor.
Bis Ende November 2025 wurden über 74.000 verwertbare Meldungen mit rund 90.800 Eichhörnchen aus ganz Bayern erfasst. „Diese große Beteiligung zeigt, wie sehr die Menschen ihre Eichhörnchen vor der Haustür wahrnehmen“, erklärt Robert Kurzmann von der BN-Kreisgruppe Cham. Auch regional ist das Engagement hoch: Im Landkreis Cham wurden bislang 404 Eichhörnchen gemeldet.
Die Auswertungen zeigt eine wichtige Besonderheit: Rund 60 Prozent aller Meldungen stammen aus Siedlungsräumen, also aus Gärten, Parks und Wohngebieten. In Wälder und offene Landschaften wurden deutlich weniger Eichhörnchen entdeckt. Hochgerechnet sind bislang nur etwa zwei Prozent der potenziellen Eichhörnchenreviere in Bayern durch Meldungen belegt. „Das bedeutet nicht, dass es dort keine Eichhörnchen gibt, sondern dass wir sie außerhalb unseres Alltagsraums seltener wahrnehmen“, so Kurzmann.
Besonders aufmerksam macht ein weiterer Trend: Seit 2022 sinkt die durchschnittliche Zahl der gemeldeten Eichhörnchen pro Beobachtung, auch 2025 setzte sich dieser Trend fort. Ob sich hier bereits eine Bestandsabnahme andeutet oder sich das Meldeverhalten verändert hat, ist derzeit noch offen – und eine zentrale Frage für die kommenden Jahre.
Ein klares Muster zeigt sich bei den Fellfarben: In Nordwestbayern dominieren rote Eichhörnchen, während in Ost- und Südbayern überwiegend dunkle bis schwarze Tiere vorkommen. Diese Unterschiede spiegeln Landschaft, Höhenlage und Waldtypen wider und bestätigen frühere Annahmen.
Besonders konkret für den Artenschutz sind die Ergebnisse zu Verkehrsopfern. Allein 2025 wurden 476 tote Eichhörnchen gemeldet, rund 60 Prozent davon im direkten Umfeld von Straßen. Gleichzeitig gibt es Hoffnung: In Regensburg und Zirndorf gingen die Totmeldungen im Umfeld von Eichhörnchenseilbrücken deutlich zurück. „Das zeigt, dass gezielte Maßnahmen vor Ort Leben retten können“, betont Kurzmann.
Die beste Zeit, Eichhörnchen zu beobachten, ist jetzt: Im Winter und im zeitigen Frühjahr sind die Tiere ohne Laub besser zu sehen, zudem beginnt die Paarungszeit. Der BUND Naturschutz ruft deshalb dazu auf, weiterhin genau hinzuschauen und Beobachtungen zu melden. Jede Meldung hilft, die Situation der Eichhörnchen in Bayern besser zu verstehen und sie zu schützen.
Weitere Informationen und Mitmachen:
www.bund-naturschutz.de/aktionen/eichhoernchen-beobachten-und-melden
www.bund-naturschutz.de/aktionen/eichhoernchen-beobachten-und-melden/ergebnisse
17.01.2026 „Wir haben es satt“ in Berlin

Ca. 8000 Menschen und Dutzende Traktoren sind am vergangenen Samstag in Berlin auf die Straße gegangen, um gemeinsam für eine Agrarwende hin zu einer umwelt-, tier- und klimafreundlichen Landwirtschaft zu demonstrieren, in der Bäuerinnen und Bauern gut von ihrer Arbeit leben können. Wie jedes Jahr haben sich wieder Biobauern, konventionelle Landwirte sowie Mitglieder der BN-Kreisgruppe Cham auf den Weg nach Berlin gemacht, um sich lautstark zu beteiligen und Haltung zu zeigen.
Die Auftaktkundgebung fand dieses Mal vor dem Brandenburger Tor statt und war auch Endziel des Demonstrationszuges durch die Innenstadt; vorbei am Bundeslandwirtschafts-Ministerium. Dort kam es auch zu einem Treffen zwischen dem BN-Ehrenvorsitzenden Prof. Dr. Hubert Weiger und dem Präsidenten des Bayer. Bauernverbandes, Günther Felßner.
Nachdem die „Wir haben es satt“-Demo 2026 im Internationalen Jahr der Frauen in der Landwirtschaft stattfand kamen auf dem Podium hauptsächlich Frauen zu Wort. Neben Landwirtinnen waren u.a. Sprecherinnen von Brot für die Welt, Greenpeace und BUND vertreten. Verurteilt wurde der agrar- und ernährungspolitische Rückschritt der Bundesregierung: Die Koalition aus Union und SPD hat die Förderung einer besseren Tierhaltung gestrichen und verschleppt die Einführung einer staatlichen Tierhaltungskennzeichnung; Mit dem Verwässern des Düngerechts gefährdet sie den Schutz unseres Trinkwassers; Und sie hat in einer Welt mit mehr als 670 Millionen hungernden Menschen das Geld für die Entwicklungszusammenarbeit gekürzt; Gleichzeitig schaut die Bundesregierung nur zu, wenn in der EU die Deregulierung von Gentechnik und Pestiziden vorangetrieben wird; Sie setzt auf ein „Weiter so“ bei den Fördergeldern der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), statt diese endlich gerechter und ökologischer zu verteilen – so lauteten die Hauptkritikpunkte der Rednerinnen. Die aktuelle Landwirtschaftspolitik bewertete die Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Claudia Gerster, zwischen mangelhaft und ungenügend - im Gegensatz zu Ministerpräsident Söder, der Landwirtschafts-minister Alois Rainer in Seon eine eins plus verlieh. Klimakrise, Höfesterben und Biodiversitätsverlust lassen sich so nicht aufhalten, lautete das Credo.
Sehr zur Freude der Chamer waren Hin- und Rückfahrt mit dem ICE weitgehend pünktlich, alle Anschlüsse konnten erreicht werden. Einig waren sich alle, im nächsten Jahr wieder nach Berlin zu fahren, um für eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu demonstrieren.




















